In den letzten Jahren hat sich in einem Gebiet, das einst als Weidefläche genutzt wurde, ein neuer Regenwald entwickelt.
Darmstadt/Quito
14.04.2026 / 06:48
Erfreuliche Nachrichten für den Regenwald: Auch nach einer Rodung besteht die Möglichkeit zur Regeneration. Allerdings gibt es eine Voraussetzung, und der Prozess benötigt Zeit.
Für ehemals gerodete Regenwaldflächen gibt es Anlass zur Hoffnung. Wenn die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt wird, beginnt die Vegetation, sich wieder zu entwickeln, und die meisten Tierarten kehren zurück. Dies geschieht schneller als bisher angenommen, wie ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Timo Metz und Nico Blüthgen von der Technischen Universität Darmstadt im Fachjournal „Nature” berichtet.
Regeneration der Artenvielfalt
Im Rahmen eines umfassenden Projekts beobachtete das 41-köpfige Team verschiedene Regenwaldflächen im Chocó im Nordwesten Ecuadors und untersuchte 16 Gruppen von Organismen, darunter Tiere, Pflanzen und Bakterien – insgesamt mehrere tausend Arten. Die Flächen, die unter Naturschutz standen, wiesen Unterschiede in der vorherigen Nutzung und der Dauer auf, seit sie nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurden.
Die Studienautoren schätzen, dass sich die Artenvielfalt innerhalb von 30 Jahren auf über 90 Prozent des ursprünglichen Niveaus erholt. Zudem kehren drei Viertel der typischen Tier- und Pflanzenarten zurück.
„Die vielen schnell zurückkehrenden Tierarten sind nicht nur Profiteure der Wald-Regeneration, sondern auch deren wichtigste Akteure”,
wird Studienleiter Blüthgen in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.
„Fledermäuse, Affen und andere Säugetiere sowie Vögel bringen die Baumsamen wieder in die gerodeten Flächen, Dungkäfer graben die Samen in den Boden, und hunderte anderer Tierarten sorgen für die Bestäubung.”
Voraussetzungen für die Rückkehr
Die Rückkehr der Arten war jedoch nur möglich, weil in der Region noch einige unberührte Wälder vorhanden waren. Diese fungierten als Reservoirs, aus denen sich die Tier- und Pflanzenarten in die zuvor landwirtschaftlich genutzten und nun brachliegenden Flächen ausbreiten konnten. Zudem variierte die Dauer der Besiedlung je nach Art der Organismen. Auch die Art der vorherigen Bewirtschaftung des Bodens, beispielsweise als Kakaoplantage oder Weide, spielte eine entscheidende Rolle.
Gefährdung der Regenwälder
Tropische Regenwälder sind die Heimat eines erheblichen Teils aller weltweit existierenden Tier- und Pflanzenarten. Laut der Studie ist jedoch nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Regenwälder intakt. Landnutzung und Klimawandel stellen eine ernsthafte Bedrohung für diese Wälder dar. Zudem schreitet die Abholzung schneller voran als die Schutzmaßnahmen, beklagt das Forschungsteam.
Demnach gehen jährlich vier bis sechs Millionen Hektar verloren, was etwa 40.000 bis 60.000 Quadratkilometern entspricht. Dies entspricht im Durchschnitt der Fläche von Costa Rica (gut 51.000 Quadratkilometern).
„Diese jährlichen Verluste sind damit fast so hoch wie die Fläche aller langfristig angelegten Renaturierungsmaßnahmen zusammen”,
erklärt der Ökologe Blüthgen.
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