Globale CO2-Entnahme: Dringender Handlungsbedarf zur Bekämpfung der Erderwärmung
02.06.2026, 19:29 Uhr
Regierungen weltweit setzen im Kampf gegen die Erderwärmung auf die Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre. Eine aktuelle Untersuchung zeigt jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen den notwendigen Maßnahmen und den tatsächlich umgesetzten. Forscher haben mögliche Ursachen identifiziert.
Die Menschheit stößt mehr CO2 aus, als das Klima der Erde verkraften kann, was zu einer globalen Erwärmung und einem Anstieg gefährlicher Extremwetterereignisse führt. Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssen die Emissionen dringend gesenkt werden, und zwar so schnell wie möglich. In einigen Bereichen sind Einsparungen jedoch besonders schwierig oder sogar unmöglich. Hier kommt die CO2-Entnahme ins Spiel, die darauf abzielt, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Regierungen weltweit betrachten diese Methode bereits als entscheidenden Bestandteil ihrer Strategien zur Erreichung von Klimazielen.
Vielfältige Ansätze zur CO2-Entnahme
Der Begriff CO2-Entnahme, im Fachjargon als „Carbon Dioxide Removal“ bekannt, umfasst eine Vielzahl von Methoden. Zu den traditionellen Ansätzen zählt vor allem die Aufforstung, während neuere Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) an Bedeutung gewinnen. Bei CCS wird CO2 eingefangen, verflüssigt und in geologischen Formationen, wie alten Gas- und Erdöllagerstätten, eingelagert.
Derzeit werden laut der Bestandsaufnahme jährlich etwa 2,2 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernt, hauptsächlich durch Aufforstungsmaßnahmen. Bis 2035 haben Länder insgesamt etwa 2,7 Milliarden Tonnen CO2-Entnahme zugesagt, bis 2050 sollen es rund 3,6 Milliarden Tonnen sein. Klimamodelle, die eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius anstreben, erfordern jedoch deutlich höhere Entnahmen, insbesondere auf lange Sicht.
Wachsende Lücke zwischen Ziel und Realität
William Lamb, Co-Autor der Studie am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), erklärt: „Die Lücke wächst mit der Zeit stark an.“ Das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, gilt unter Klimaforschern mittlerweile als kaum erreichbar, es sei denn, es kommt zu einem sogenannten „Overshoot“, also einer vorübergehenden Überschreitung dieser Temperaturgrenze. Um die Temperatur anschließend wieder zu senken, wären Netto-Negativemissionen erforderlich, was bedeutet, dass mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden muss, als emittiert wird.
Die nationalen Zusagen zur CO2-Entnahme bleiben bis 2050 um mehr als 5 Milliarden Tonnen pro Jahr hinter den erforderlichen Mengen zurück, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Um diese Lücke zu schließen, müsste die CO2-Entnahme ähnlich schnell wachsen wie andere derzeit expandierende Technologien, wie Solarenergie und Elektroautos, oder sogar noch schneller.
Herausforderungen der CO2-Entnahme
Die Herausforderung besteht darin, dass viele der Methoden zur CO2-Entnahme derzeit noch sehr kostspielig und damit unwirtschaftlich sind. Die Preisspanne reicht von 10 US-Dollar pro Tonne CO2 bis über 1.000 US-Dollar pro Tonne, wobei die meisten Methoden am oberen Ende der Preisspanne weit über 200 Dollar pro Tonne liegen, was deutlich über den derzeit geltenden CO2-Preisen liegt.
Um die CO2-Entnahme zu steigern, müssen die Kosten gesenkt werden, so die Schlussfolgerung der Forscher. Dies erfordert eine stabile Nachfrage für Unternehmen, die Projekte im Bereich CO2-Speicherung aufbauen. Politische Vorgaben könnten Unternehmen dazu verpflichten, sich finanziell an der CO2-Entnahme zu beteiligen, um unvermeidbare Emissionen auszugleichen. Studienautor Oliver Geden betont: „Es gibt keinen anderen Anreiz, CO2-Entnahme zu finanzieren, als Emissionen auszugleichen.“
Politische Verantwortung und technologische Entwicklung
Das Forschungsteam sieht die Politik in der Verantwortung, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Derzeit konzentriert sich die Politik jedoch eher auf die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich CO2-Entnahme. In den letzten Jahren wurden nur etwa 20 Prozent der geplanten Kapazitäten für neue CO2-Entnahmetechnologien tatsächlich umgesetzt, was die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Projekten verdeutlicht.
Die neuartigen Methoden zur CO2-Entnahme spielen bislang nur eine geringe Rolle, obwohl sie derzeit um etwa 40 Prozent pro Jahr wachsen. Diese Technologien machen jedoch nur etwa 0,1 Prozent der gesamten CO2-Entnahmen aus. Lamb warnt: „Die meisten Zusagen konzentrieren sich auf Wälder und andere landbasierte Maßnahmen, während neue Technologien bislang nur eine kleine Rolle spielen. Wenn die Emissionen nicht schneller sinken, wird die Lücke noch größer.“
Beispielhafte Projekte und zukünftige Perspektiven
Ein Vorzeigeprojekt befindet sich in Island: Die dortige Anlage „Mammoth“, die 2024 in Betrieb ging, gilt als die größte ihrer Art weltweit und entfernt CO2 aus der Luft, um es in Gestein umzuwandeln. Diese Anlage soll in der Lage sein, jährlich 36.000 Tonnen CO2 zu speichern.
PIK-Forscherin Sabine Fuss betont: „Wir können uns nicht auf eine einzige Methode zur CO2-Entnahme verlassen. Es braucht einen breiten Mix verschiedener Ansätze, die an unterschiedliche Regionen und Anwendungen angepasst sind.“ Zudem müsse in teurere Methoden investiert werden, um deren Kosten langfristig zu senken.
Globale Verantwortung und zukünftige Strategien
Geden hebt hervor, dass es weiterhin von größter Bedeutung ist, Emissionen zu reduzieren. Ohne CO2-Entnahme wird es jedoch nicht möglich sein, die Klimaziele zu erreichen. Diese Methode ist ein entscheidender Bestandteil, auf den sich alle Staaten verlassen. Dies wurde in den letzten Jahren auf den Weltklimakonferenzen deutlich, bei denen alle Länder ihre Beiträge zur Bekämpfung der Klimakrise darlegen müssen. Insbesondere ölreiche Golfstaaten setzen stark auf Technologien wie CCS.
In Europa setzen Regierungen ebenfalls verstärkt auf das Thema, insbesondere da es beim klassischen Klimaschutz in vielen Regionen hapert. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, dass Deutschland zum Weltmarktführer in der CO2-Abscheidung und -Speicherung werden soll. Die schwarz-rote Koalition hat im vergangenen Jahr den Weg für die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid freigemacht. Umweltverbände warnen jedoch davor, sich zu stark auf diese Methoden zu verlassen und die Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu vernachlässigen.
Quellen: n-tv
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