Die steigende Zahl von Arbeitnehmern, die aufgrund gesundheitlicher Probleme über längere Zeiträume ausfallen, wirft ein besorgniserregendes Licht auf das deutsche Gesundheitssystem. Eine Analyse der Versichertendaten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) zeigt, dass die finanziellen Belastungen durch Krankengeldzahlungen zunehmen, auch wenn der allgemeine Krankenstand und die durchschnittliche Dauer von Erkrankungen im vergangenen Jahr konstant blieben.
In Deutschland wird Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag gezahlt, was vor allem Menschen mit chronischen oder langwierigen Erkrankungen betrifft. Laut BKK belaufen sich die Ausgaben für Krankengeld mittlerweile auf 21,6 Milliarden Euro und stellen damit eine der größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung dar. Für das Jahr 2025 wird prognostiziert, dass mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld entfallen wird. In den letzten zehn Jahren sind die Tage, an denen Krankengeld bezogen wurde, um 24,4 Prozent gestiegen.
Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden als Hauptursachen
Die häufigsten Gründe für den Bezug von Krankengeld sind psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Leiden. Obwohl psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen ausmachen, haben sie eine durchschnittliche Dauer von über fünf Wochen, mit einer steigenden Tendenz. Verbandsvorständin Anne-Kathrin Klemm betonte:
„Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten.“
Sie forderte eine ernsthafte Diskussion über Präventionsstrategien für psychische Erkrankungen, die nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch darüber hinaus notwendig seien.
Politische Maßnahmen zur Reduzierung des Krankenstands
Die schwarz-rote Koalition hat kürzlich angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen. Zudem soll die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abgeschafft werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, dass diese Maßnahmen darauf abzielen, den Krankenstand zu senken.
Die Entwicklungen im Bereich der Langzeiterkrankungen und die damit verbundenen finanziellen Belastungen für die Krankenkassen werfen Fragen auf, wie das Gesundheitssystem auf die steigenden Zahlen reagieren kann. Es bleibt abzuwarten, ob die politischen Maßnahmen tatsächlich zu einer Entlastung führen oder ob sie die Probleme im Gesundheitswesen nur verschärfen.
Quellen: Die Zeit
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