Die Diskussion über den digitalen Euro zieht sich bereits über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren. Sowohl die Europäische Kommission als auch der Rat der Mitgliedsstaaten haben ihre Unterstützung für dieses Projekt signalisiert. Der letzte Schritt in diesem Prozess ist die Zustimmung des EU-Parlaments, das noch in diesem Sommer ein Gesetz verabschieden soll, um den digitalen Euro im Jahr 2029 einzuführen.
Bei einer positiven Abstimmung wird es künftig möglich sein, nicht nur mit Bargeld, Paypal oder Kreditkarten zu bezahlen, sondern auch mit Geld aus einem digitalen Portemonnaie. Der digitale Euro bietet im Vergleich zu anderen digitalen Zahlungsmethoden einige Vorteile für Verbraucher und Händler, während die Banken den Plänen eher skeptisch gegenüberstehen.
Was ist der digitale Euro?
Der digitale Euro wird als elektronisches Zahlungsmittel konzipiert und soll die gleiche Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit wie Bargeld bieten. Die EU-Kommission plant, ihn als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen, was bedeutet, dass alle Unternehmen und Geschäfte im Euro-Währungsraum ihn akzeptieren müssten.
Die Ausgabe des digitalen Euros erfolgt durch die Europäische Zentralbank (EZB). Verbraucher müssen ein Konto bei der EZB eröffnen und können das Geld in einer digitalen Geldbörse, beispielsweise auf ihrem Smartphone, speichern.
Zusätzlich zu ihrem regulären Konto wird den Nutzern ein „Digitaler-Euro-Konto“ zur Verfügung stehen, das als App oder Erweiterung des bestehenden Online-Bankings fungieren kann. Über dieses Konto sollen Beträge ohne Verzögerung auf andere „Digitaler-Euro-Konten“ überwiesen werden können, auch per Smartphone oder Plastikkarte. Dies würde eine europäische Alternative zu den dominierenden Zahlungsanbietern wie Visa und Mastercard darstellen, die sowohl im stationären Handel als auch bei Online-Käufen genutzt werden kann.
Warum will die EZB den digitalen Euro einführen?
Die Einführung des digitalen Euros zielt darauf ab, die Zukunftsfähigkeit des Euro zu sichern. Als nach dem US-Dollar am häufigsten verwendetes Zahlungsmittel weltweit könnte die Einführung einer digitalen Währung in den USA den Euro schwächen.
Die Souveränität im Zahlungsverkehr hat insbesondere seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump an Bedeutung gewonnen, wie der EU-Politiker Damian Boeselager (Volt) anmerkt, der zu den Architekten des digitalen Euros zählt.
Die Abhängigkeit von US-Anbietern zeigt sich nicht nur bei Zahlungsdiensten wie Apple Pay oder Paypal, sondern auch bei vielen Debit- und Kreditkarten, die von europäischen Banken ausgegeben werden und auf Verfahren von US-Anbietern basieren. Daher streben die EU-Kommission und die EZB an, ein digitales Zahlungsmittel zu schaffen, das in öffentlicher Hand bleibt.
Diese Initiative reagiert auch auf den Rückgang der Bargeldnutzung: In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der Geldautomaten in der EU um 50.000 gesunken, und in den Niederlanden akzeptieren viele Apotheken bereits kein Bargeld mehr. Der digitale Euro soll diese Lücke füllen, indem er die Sicherheit von Bargeld in elektronischer Form bietet.
Ist der digitale Euro sicher?
Der Wert der Euro-Scheine und -Münzen, die im Euro-Raum verwendet werden, wird von der EZB garantiert. Da die Zentralbank nicht insolvent werden kann, gilt diese Form des Geldes als besonders sicher. Diese Sicherheit soll auch für den digitalen Euro gelten, was ihn für Verbraucher attraktiv machen dürfte. Wie Bargeld soll auch die digitale Variante des Euros barrierefrei und grenzüberschreitend funktionieren.
Welche Vorteile bietet der digitale Euro für Verbraucher und Händler?
Ein weiteres Argument der EU-Kommission für den digitalen Euro ist die vereinfachte Handhabung im Vergleich zu anderen elektronischen Zahlungsmethoden. Während Jugendliche oft keine Kreditkarte erhalten, könnten sie mit dem digitalen Euro im Internet bezahlen. Auch für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen soll die Registrierung einfacher sein als bei bestehenden Bezahldiensten.
Die Girocard, das elektronische Zahlungsmittel der deutschen Banken und Sparkassen, stößt im Alltag häufig auf Hindernisse. Beispielsweise kann man mit der Girocard nicht überall kostenlos im europäischen Ausland bezahlen oder Geld abheben. Zudem wird die Girocard bei Online-Käufen oft nicht akzeptiert, sodass häufig eine Debit- oder Kreditkarte erforderlich ist.
Aus Sicht der Verbraucher stellt die fragmentierte europäische Zahlungslandschaft ein Problem dar, und der digitale Euro könnte eine Lösung bieten, meint Anna Martin, Finanzreferentin beim Europäischen Verbraucherverband. Dieser wäre ein Zahlungsmittel, das überall einsetzbar ist.
- Die Nutzung des digitalen Euros wäre für Verbraucher kostenfrei.
- Die Regeln würden von öffentlichen Institutionen festgelegt, was Privatsphäre und Barrierefreiheit betrifft.
- Der Handel könnte von der Einführung eines solchen Zahlungssystems profitieren, da die Gebühren für Kartenzahlungen seit Jahren steigen.
Die genauen Gebühren für den digitalen Euro sind zwar noch nicht abschließend geklärt, jedoch betonen alle relevanten Akteure, dass sie in etwa so hoch sein sollen wie die aktuellen Gebühren für die Girokarte, was für Händler kostengünstiger wäre als Kreditkarten.
Welche Kritik gibt es am digitalen Euro?
In der Finanz- und Bankenbranche wird der digitale Euro kritisch betrachtet. Europäische Banken verdienen auch an der Nutzung von Visa-Karten durch Verbraucher. Zudem befürchten sie um den Erfolg von Wero, einem privatwirtschaftlichen digitalen Bezahlsystem, das 2024 von der European Payments Initiative, einem Zusammenschluss europäischer Banken, ins Leben gerufen wird.
Die Integration des digitalen Euros in die bestehenden Systeme der Banken erfordert erhebliche Investitionen, was laut Christian Schäfer vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband Mittel für eigene innovative Projekte bindet.
Es bestehen auch Bedenken, dass der digitale Euro Bargeld ersetzen könnte. Um diese Ängste zu zerstreuen, hat die EU-Kommission parallel zum Gesetzesvorschlag zum digitalen Euro eine Initiative gestartet, die sicherstellen soll, dass Bargeld weiterhin weit verbreitet akzeptiert wird. Dazu sollen die Gebühren an Geldautomaten transparenter gestaltet werden, und Einzelhändler müssen Münzen und Scheine wechseln, ohne dass Kunden etwas kaufen müssen.
Kann der digitale Euro erfolgreich sein?
Die EZB betritt mit diesem Vorhaben technisches Neuland, da der Aufbau einer neuen europäischen Zahlungsinfrastruktur erforderlich ist, die mit den marktbeherrschenden US-Anbietern wie Visa, Mastercard oder Paypal konkurrieren kann.
Der digitale Euro kann nur dann erfolgreich sein, wenn er sowohl von Händlern als auch von Verbrauchern akzeptiert wird. Da die Gebühren für Kartenzahlungen oft für die Kunden unsichtbar sind, muss die EZB klar kommunizieren, welche Vorteile das neue System bietet.
Erfahrungen mit digitalen Zahlungsmitteln aus verschiedenen Ländern zeigen, wie herausfordernd die Umsetzung sein kann. So hat die norwegische Zentralbank angekündigt, ihr Projekt einer Zentralbankwährung einzustellen, da die Kosten im Verhältnis zum Nutzen zu hoch seien. Schweden hat nach Testversuchen mit einer „E-Krone“ noch keine Entscheidung über die Einführung getroffen.
In Brasilien wurde die digitale Währung PIX zwar von der Bevölkerung breit angenommen, jedoch sind gleichzeitig die Konsumschulden stark angestiegen, wie die Wirtschaftssoziologin Barbara Brandl anmerkt. Gegen eine solche Entwicklung müssen Vorkehrungen getroffen werden.
Quellen: deutschlandfunk
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