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Zuckersteuer: ja oder nein?

Die Debatte um eine Zuckersteuer in Deutschland nimmt Fahrt auf. Während Gesundheitsexperten eine Abgabe fordern, um den Zuckerkonsum zu senken, warnen Hersteller vor Marktverzerrungen. Ein spannender Konflikt zwischen Gesundheit und Wirtschaft.

Zuckersteuer: ja oder nein?

Steht der hohe Zuckergehalt in Softdrinks bald auf der Abschussliste?

Viele gesundheitliche Probleme sind auf einen übermäßigen Zuckerkonsum zurückzuführen. Jährlich könnten weltweit über zwei Millionen Fälle von Typ-2-Diabetes und mehr als eine Million Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermieden werden, wenn Hersteller von Limonade ihre Produkte mit weniger Zucker anbieten oder den Verkauf reduzieren würden.

Einige europäische Staaten, wie Großbritannien, haben bereits eine Zuckerabgabe eingeführt, was zu einem Rückgang des Zuckergehalts in Getränken geführt hat. Auch in Deutschland fordern Ernährungsexperten eine Zuckersteuer, während drei große Unternehmen und deren Verbände sich dagegen aussprechen und von einer Marktverzerrung sprechen.

Zuckerkonsum in Deutschland

Der durchschnittliche Zuckerkonsum in Deutschland liegt bei etwa 90 Gramm pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen eine maximale Zufuhr von etwa 50 Gramm pro Tag. Besonders problematisch sind zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, da sie eine geringe Sättigungswirkung haben und beim Konsum große Zuckermengen auf einmal aufgenommen werden.

Ein übermäßiger Zuckerkonsum kann zu Diabetes und Herzkrankheiten führen. Die Risiken für Adipositas, Schlaganfälle, Bluthochdruck und Fettleber steigen. Seit 1990 hat sich die Adipositasrate bei Frauen weltweit verdoppelt, bei Männern verdreifacht und bei Kindern und Jugendlichen ist sie sogar viermal so hoch. In Deutschland leidet etwa jeder Zehnte an Typ-2-Diabetes.

Zuckersteuer: mögliche Maßnahme gegen Überkonsum

Ein breites Bündnis hat sich mittlerweile zusammengeschlossen, um gegen den übermäßigen Zuckerkonsum vorzugehen. Neben der Bundesärztekammer und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin fordern auch das Deutsche Kinderhilfswerk und Verbraucherschützer Maßnahmen wie eine Steuer auf gezuckerte Getränke sowie einen Verzicht auf Werbung, die sich an Kinder richtet.

Insgesamt 46 Organisationen und Verbände haben vor dem CDU-Parteitag in Stuttgart im Februar 2026 einen offenen Brief verfasst, in dem sie die CDU-Politiker auffordern, sich für eine Herstellerabgabe einzusetzen. Diese Abgabe soll dazu führen, dass der Zuckergehalt in Getränken reduziert wird. Der Aufruf betont, dass eine gestaffelte Abgabe, die sich nach dem Zuckergehalt richtet, den Zuckerkonsum verringern würde.

Contra Zuckersteuer

Auf der anderen Seite stehen die Zuckerproduzenten. Der Rübenanbau ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Deutschland, wo mehr Zucker produziert wird als konsumiert. Etwa ein Drittel der Produktion wird exportiert, hauptsächlich in andere EU-Länder.

In Deutschland gibt es eine hohe Marktkonzentration in der Zuckerproduktion, da nur drei Unternehmen – die Nordzucker AG, die Südzucker AG und Pfeiffer & Langen – den Markt dominieren. Diese Unternehmen haben sich in der Vergangenheit gegen Abgaben gewehrt. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, sprach sich auf der Grünen Woche in Berlin im Januar klar gegen eine Zuckersteuer aus.

Weitere Gegner, wie Dr. Philipp Prinz von der Wirtschaftlichen Vereinigung ZUKAR, argumentieren, dass in Ländern mit Zuckersteuern die Übergewichtsrate dennoch ansteigt. In Großbritannien beispielsweise wird Zucker in Getränken durch Süßstoffe ersetzt, was nicht zu einem Rückgang des Übergewichts geführt hat. Prinz plädiert stattdessen für Maßnahmen zur Förderung von Bewegung und Ernährungsbildung.

Pro Zuckersteuer

Weltweit haben bereits über 100 Länder, darunter Mexiko, Indien, Brasilien, Finnland, Portugal, Frankreich und England, eine Zuckersteuer eingeführt. Befürworter argumentieren, dass dies der effektivste Weg sei, den Zuckerkonsum über Getränke zu reduzieren. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Foodwatch zeigt, dass die Mehrheit der deutschen Verbraucher eine Abgabe auf stark gesüßte Getränke befürwortet. 60 Prozent der Befragten unterstützen eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer, während 38 Prozent dagegen sind.

Großbritannien führte 2018 eine gestaffelte Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein, die den Zuckergehalt um etwa 30 Prozent reduzierte. Seit der Ankündigung im Jahr 2016 halbierte sich der Zuckerkonsum bei Kindern nahezu, bei Erwachsenen sank er um ein Drittel.

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Steuer verringerte sich der Zuckerkonsum bei Kindern um fünf Gramm pro Tag und bei Erwachsenen um elf Gramm. Studien der University of Cambridge aus den Jahren 2023 und 2024 zeigen, dass die Adipositasrate bei Mädchen unter sechs Jahren seit Einführung der Zuckersteuer in Großbritannien um etwa acht Prozent gesunken ist.

Experten wie der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Hans Hauner von der TU München sind sich einig, dass eine Zuckersteuer allein das Adipositas-Problem nicht lösen kann, sie jedoch ein wichtiger Bestandteil sein sollte. Hauner nennt als ergänzende Maßnahmen ein Verbot zuckergesüßter Getränke in Schulen und Einschränkungen bei der Werbung, wie sie in vielen Ländern bereits üblich sind. In Chile gibt es sogar Warnhinweise auf Limonadenflaschen, ähnlich wie auf Zigarettenschachteln.

Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash

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