Um sich gegen die fortwährenden russischen Angriffe zu behaupten, ist die Ukraine auf der Suche nach leistungsfähigen Drohnen, die gleichzeitig kostengünstig sind. Europäische Modelle sind bislang häufig zu teuer.
Strategische Abfangdrohnen im Einsatz
Eine Drohne schwebt über einen Hügel in der Ostukraine, rund 20 Kilometer von den Kampfhandlungen entfernt. „Hier befindet sich eine Kampfposition, wo wir Shaheds und andere feindliche Drohnen ausschalten“, erläutern zwei Soldaten der Luftabwehr, die sich White und Kleiner Opa nennen.
Die beiden Soldaten setzen sogenannte Interceptors ein – agile Abfangdrohnen, die speziell dafür konzipiert sind, die Luftfahrzeuge des Gegners zu neutralisieren. Der P1-Sun, im Volksmund auch „Pisyun“ genannt, was im Ukrainischen für Penis steht, wird über dem Hügel eingesetzt.
Die Abfangdrohne hat sich in den letzten Monaten als äußerst effektiv erwiesen und kostet lediglich etwa 1.000 Dollar. Mit dieser Technologie sind die Soldaten in der Lage, feindliche Drohnen abzuschießen, deren Kosten vergleichbar mit einem Kleinwagen sind. Ihre gesamte Ausstattung, einschließlich Computer und Radartechnologie, ist in einem Container untergebracht und durch Tarnnetze geschützt.
Kampf um preiswerte Technologie
Ein alter Jeep bringt die Gruppe weiter. Am Steuer sitzt der 28-jährige Kommandeur Garden, der die Herausforderungen der gegenwärtigen technologischen Entwicklung beschreibt.
„Wir benötigen die asymmetrische Waffe des Preises. Wenn der Gegner eine Drohne für 50.000 Dollar einsetzt, müssen wir mit etwas antworten, das 2.000 Dollar kostet. Ansonsten verlieren wir diesen Krieg wirtschaftlich“, erklärt Garden.
Diese Denkweise ist nicht nur auf Drohnen, sondern auch auf andere militärische Technologien anwendbar. Der Abnutzungskrieg hat sich in eine Phase der Massenproduktion kostengünstiger Drohnen gewandelt, wobei stetige Innovationen das Tempo bestimmen.
Teure militärische Produkte aus dem Westen
Garden äußert sich auch zu den Schwierigkeiten, die europäische und amerikanische Militärs haben, den Anforderungen des Krieges gerecht zu werden:
„Das große Problem ist, dass sie keine Erfahrung haben und oft nicht verstehen, wie dieser Krieg tatsächlich abläuft.“
Er selbst war Teil einer ukrainischen Delegation, die kürzlich westlichen Militärführern in Berlin über den aktuellen Stand des Konflikts berichtete. Auch Unternehmen aus NATO-Ländern besuchen regelmäßig die ukrainische Einheit, um ihre neuen Drohnen unter realen Kampfbedingungen zu testen. Allerdings ist ein Großteil der angebotenen Technologien zu teuer und für die lokalen Einheiten nicht brauchbar, so Garden.
Ukraine als Testfeld für neue Technologien
Deshalb setzen die Soldaten größtenteils auf ukrainische Produkte wie den P1-Sun. Der Drohne ist mittlerweile auch in Europa ein großes Interesse zuteil geworden. Im Juni wurde eine strategische Partnerschaft zwischen Airbus und dem ukrainischen Hersteller Skyfall verkündet, in Anwesenheit des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius.
In Zukunft könnte der P1-Sun auch zur Verteidigung des europäischen Luftraums eingesetzt werden. Gardens Vorgesetzter, Oleksandr Worobjow, Kampfname Zhan, der häufig an Militärkonferenzen in Westeuropa teilnimmt, teilt seine Erfahrungen mit NATO-Vertretern.
„Leider ist die Ukraine mittlerweile zu einem der größten Übungsplätze weltweit geworden. Das ist eine bittere Realität, die sich nicht ändern lässt. Aber da es so ist, nutzt diesen Übungsplatz bitte. Testet eure Waffen hier. Wir werden stärker, wenn ihr es auch seid“, so Zhan.
Deutsche Drohnen finden nur selten Anwendung im Konflikt. Derzeit wird eine Drohne eines Münchner Start-ups getestet, dessen Ergebnisse jedoch vertraulich sind.
Feindliche Drohnen werden immer raffinierter
Zurück an der Frontlinie. White und Kleiner Opa steuern ihren P1-Sun erneut über den Hügel. Ihre Erfahrung zeigt, dass mehr als die Hälfte der feindlichen Drohnen erfolgreich abgefangen werden kann. Hunderte solcher Positionen sind entlang der Front in der Ostukraine zu finden.
„Die Technologie entwickelt sich rasant weiter. Anfänglich war es einfach, feindliche Drohnen abzuschießen. Doch mittlerweile hat der Gegner seine Drohnen verbessert. Diese können jetzt ausweichen“, berichten die Soldaten. Somit ist auch der P1-Sun keine Wunderwaffe, sondern lediglich ein weiterer Schritt im unaufhörlichen Wettlauf um fortschrittlichere und günstigere Drohnentechnologie.
Quellen: tagesschau
Bildquelle: C.Stadler/Bwag via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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