München/Kyjiw – Laut einer Untersuchung der humanitären Organisation Handicap International (HI) ist rund ein Viertel des ukrainischen Staatsgebiets potenziell durch Landminen, Streumunition und andere explosive Kriegsreste kontaminiert. Diese Gefahren stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar und beeinträchtigen die Arbeit von Hilfskräften sowie die Rückkehr von Vertriebenen. Bislang hat HI 230.000 Menschen über die Risiken von Blindgängern informiert.
Umfang der Kontamination in der Ukraine
Die Ukraine zählt zu den am stärksten betroffenen Ländern weltweit. „Wie unsere Studie aus Juni 2025 zeigt, sind etwa 138.503 km² Land und 14.000 km² Wasser in der Ukraine potenziell durch explosive Kriegsreste verseucht. Diese Kontamination behindert die landwirtschaftliche Produktion, erschwert den Wiederaufbau und schränkt den Zugang zu humanitärer Hilfe ein. Viele Gemeinden haben den Zugang zu wichtigen Flächen für Ackerbau und Weidewirtschaft verloren, was ländliche Haushalte in eine noch tiefere Armut treibt und ihre Abhängigkeit von Hilfe verstärkt“, erklärt Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland.
Aufklärung der Zivilbevölkerung über Gefahren
Die Folgen der explosiven Kriegsreste werden Generationen lang spürbar sein. Das genaue Ausmaß der Gefahren kann jedoch erst nach Beendigung der Kampfhandlungen ermittelt werden. Um die Risiken durch Blindgänger zu minimieren, bietet Handicap International in der Ukraine Schulungen für die Zivilbevölkerung an. Seit 2022 haben die Experten von HI 230.000 Menschen über die Gefahren aufgeklärt, insbesondere in frontnahen Gebieten und unter Kindern. Zudem wurden humanitäre Hilfskräfte informiert. Die Teams von HI zeigen den Menschen, wie sie verschiedene Sprengfallen, Minen und Munitionsreste erkennen, was im Falle eines Fundes zu tun ist und wie sie Verletzte sicher evakuieren können. Darüber hinaus werden Informationsplakate verteilt und Warnungen über das Radio verbreitet.
Verurteilung der Angriffe auf Zivilisten
Handicap International verurteilt aufs Schärfste die wahllosen Angriffe auf Zivilisten, medizinisches und humanitäres Personal sowie auf zivile Einrichtungen wie Gesundheitseinrichtungen und Schulen. „Wir beobachten eine ernsthafte Schwächung des Grundsatzes zum Schutz der Zivilbevölkerung. Dieser Grundsatz besagt, dass Zivilisten vor den Auswirkungen bewaffneter Konflikte geschützt werden müssen. Wir verurteilen die weit verbreitete Nutzung von Explosivwaffen mit großflächiger Wirkung in bevölkerten Gebieten, die verheerende Schäden für die Zivilbevölkerung verursachen und das humanitäre Völkerrecht eklatant missachten“, so Fischer. „Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, die völkerrechtlichen Verpflichtungen zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich umzusetzen.“
Bildquelle: Florian Wehde auf Unsplash