Im Nahen Osten hat ein Konflikt zwischen den verbündeten Staaten Israel und den USA auf der einen Seite sowie dem Iran auf der anderen Seite begonnen. In diesem Zusammenhang setzt Teheran nun sein bedeutendstes Druckmittel ein: die Straße von Hormus.
Nach der Erklärung des Iran, die Meerenge nach den jüngsten Angriffen zu sperren, haben mehrere Reedereien, Ölgesellschaften und Handelsunternehmen ihre Fahrten durch diese Passage eingestellt. Händler berichten von stillliegenden Schiffen und Staus in Häfen wie Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Diese Blockade könnte erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Handel haben, auch die deutsche Wirtschaft könnte betroffen sein.
Wichtige Schifffahrtsroute
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und gilt als eine der entscheidenden Routen für den weltweiten Ölexport. Monatlich passieren rund 3.000 Schiffe diese Meerenge. Die Fahrrinnen sind jeweils fast zwei Meilen breit und durch eine Pufferzone voneinander getrennt.
Täglich transportieren etwa 20 Millionen Barrel Öl auf rund 30 bis 40 großen Tankschiffen diese Route, was etwa einem Fünftel des globalen Bedarfs entspricht. Zudem spielt die Meerenge eine zentrale Rolle im Bereich Flüssigerdgas: Rund ein Viertel des weltweiten LNG-Handels erfolgt über diese Passage, insbesondere Exporte aus Katar, die zur Versorgungssicherheit in Europa beitragen.
Eine Luftaufnahme der Straße von Hormus zeigt die zentrale Bedeutung der Meerenge für die Handelsschifffahrt. Das Mullah-Regime, beziehungsweise die Übergangsregierung in Teheran, nutzt dieses strategische Nadelöhr offenbar als militärisches Druckmittel. Laut einem Vertreter der EU-Marinemission Aspides haben mehrere Schiffe in der Region eine Funkdurchsage der iranischen Revolutionsgarden erhalten, die besagt, dass kein Schiff die Straße von Hormus passieren darf.
Reaktionen der Schifffahrt
Die Tankervereinigung Intertanko hat mitgeteilt, dass die US-Marine vor Fahrten in der gesamten Region gewarnt hat – einschließlich des Persischen Golfs, des Golfs von Oman, des Nordarabischen Meeres und der Straße von Hormus –, da die Sicherheit der Schifffahrt nicht gewährleistet werden könne. Auch das griechische Schifffahrtsministerium riet Schiffen, die Region zu meiden. Die britische Marine erklärte hingegen, dass die iranischen Anweisungen nicht rechtsverbindlich seien, riet jedoch zu besonderer Vorsicht.
Bereits mehrere LNG-Tanker haben sichtbar reagiert: Bei mindestens 14 Schiffen wurde beobachtet, dass sie langsamer fuhren, wendeten oder stoppten. Die deutsche Container-Reederei Hapag-Lloyd hat nach eigenen Angaben alle Durchfahrten durch die Straße von Hormus bis auf Weiteres ausgesetzt; die französische CMA CGM wies ihre Schiffe an, einen Schutzhafen anzulaufen. Die dänische Reederei Maersk erklärte, dass sie sich eng mit Sicherheitspartnern abstimme, jedoch weiterhin Fracht im Nahen Osten annehme.
Militärische Überlegenheit der USA
Es bleibt abzuwarten, wie lange der Iran die derzeitige Durchfahrtssperre aufrechterhalten kann. Militärisch ist Teheran den US-Seestreitkräften unterlegen. Die iranische Marine, ausgestattet mit Korvetten, kleinen Schnellbooten, dieselbetriebenen U-Booten und einem Drohnen-Trägerschiff, stellt keine ernsthafte Bedrohung für die hochgerüsteten US-Schiffe dar.
Dennoch könnte der Iran durch den Einsatz von Minen, Drohnen oder gezielten Angriffen den Verkehr durch die enge Passage erheblich stören und zumindest vorübergehend lahmlegen. Dies könnte den globalen Energiemarkt stark belasten.
Eine langfristige vollständige Sperrung gilt als unwahrscheinlich, da sie massive militärische Gegenreaktionen auslösen würde, möglicherweise auch von Staaten, die bislang nicht in den Konflikt im Nahen Osten involviert sind. Selbst eine teilweise Blockade hätte jedoch spürbare Auswirkungen auf Angebot, Preise und Markterwartungen.
Preisanstieg und wirtschaftliche Folgen
Bereits die Androhung von Störungen kann eine Risikoprämie auf den Ölpreis treiben. Händler berücksichtigen mögliche Ausfälle, Staaten prüfen ihre strategischen Reserven und Unternehmen sichern sich Lieferungen. Infolgedessen steigt der Preis vorsorglich, um potenzielle Engpässe vorwegzunehmen. Steigende Energiepreise stellen dann eine zusätzliche Belastung für Industrie und Verbraucher dar.
Wenn der Iran glaubhaft drohen sollte, Tanker in der Straße von Hormus zu beschießen, würden Versicherungen schnell keine Durchfahrten mehr in der Region zulassen, erklärte Steffen Bukold, Geschäftsführer der Hamburger Beratungsfirma Energycomment. Es hängt also entscheidend von Teheran ab, ob es nur zu einem kurzfristigen Preisanstieg kommt oder ob eine länger anhaltende Störung der Weltmärkte zu erwarten ist.
Folgen für den Energiemarkt
Von einer möglichen Blockade der Meerenge könnten insbesondere US-amerikanische Energiekonzerne profitieren. Die USA sind der größte Erdölproduzent und der größte LNG-Exporteur weltweit. Sollten LNG-Ausfuhren aus Katar wegfallen, wäre Europa noch abhängiger von Flüssigerdgas aus den USA, so Bukold. Derzeit wird Europa zu etwa 60 Prozent mit US-LNG versorgt.
Die internationale Handelsschifffahrt befürchtet bereits jetzt spürbare Auswirkungen. Die aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten, was sich unmittelbar auf die Reedereien und ihre Besatzungen auswirkt, erklärte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR).
Unsere Schiffe stehen für offene Märkte und stabile Lieferketten und dürfen nicht in militärische Eskalationen hineingezogen werden, so Kröger weiter. Nach Angaben des Verbands befürchten die rund 300 in Deutschland ansässigen Reeder eine weitere Ausweitung der Konfliktdynamik, die erhebliche Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region mit sich bringt.
Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit
Ein anhaltender Preisschub bei Öl und Gas könnte die Inflation in vielen Industrieländern erneut anheizen. Höhere Energiepreise verteuern Produktion, Transport und zahlreiche Vorprodukte. Zentralbanken könnten gezwungen sein, geplante Zinssenkungen zu verschieben oder vorsichtiger zu agieren, was Investitionen bremsen und die Konjunktur belasten würde.
Für energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl oder Grundstoffindustrie wären steigende Preise besonders problematisch. Auch Haushalte mit geringem Einkommen wären von einem Energiepreisschock überproportional betroffen.
Ob es bei einem kurzfristigen Preisschock bleibt oder eine längere Phase wirtschaftlicher Unsicherheit folgt, hängt letztlich von der Dauer und Intensität der Eskalation ab. Solange die Straße von Hormus offen bleibt, könnte die Weltwirtschaft einen Krieg im Nahen Osten verkraften. Sollte sie jedoch zum strategischen Druckmittel werden, könnten die Folgen weit über die Region hinausreichen.
In diesem Kontext ist es auch wichtig, die jüngsten Ereignisse im Iran zu betrachten. 45 Tote nach Protesten im Iran: Gewalt und Internet-Blackout eskalieren und die geopolitischen Spannungen, die sich daraus ergeben, könnten die Situation weiter verschärfen. Zudem könnte ein Kommentar von Arye Sharuz Shalicar zu den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran als Wendepunkt im Nahen Osten interpretiert werden.
Welche Bedeutung die Straße von Hormus für den Welthandel hat
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Bildquelle: Bildquelle: Timothy Newman auf Unsplash