Stuttgart
23.04.2026 / 18:31
Der Sportwagenhersteller Porsche sieht sich mit einem signifikanten Gewinneinbruch, einem Rückgang der Verkaufszahlen und einem umfassenden Sparprogramm konfrontiert. Diese Entwicklungen haben nun auch direkte Auswirkungen auf die Mitarbeiter in Deutschland, die erstmals seit Jahren auf eine Prämie verzichten müssen.
Ein Sprecher des MDax-Konzerns bestätigte auf Anfrage, dass es aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2025 keine freiwillige Sonderzahlung geben wird. Die Belegschaft sei bereits über diese Entscheidung informiert worden.
Für das Jahr 2023 hatten Unternehmensleitung und Betriebsrat noch eine Prämie von bis zu 9.690 Euro vereinbart, während diese im darauffolgenden Jahr auf bis zu 5.250 Euro gesenkt wurde. In der Vergangenheit erhielten alle festangestellten Mitarbeiter an deutschen Standorten, einschließlich der über 27.000 Beschäftigten im Porsche-Werk in Leipzig, diese Sonderzahlung.
Historie der Sonderzahlungen bei Porsche
Porsche war über viele Jahre hinweg bekannt für die hohen Boni, die an seine Mitarbeiter ausgezahlt wurden. Das entsprechende System existiert seit 1997. Ob es in der Vergangenheit bereits einmal zu einem Aussetzen der freiwilligen Sonderzahlung kam, ist derzeit unklar. Fest steht jedoch, dass das Unternehmen seit mindestens 2007 in jedem Geschäftsjahr eine Mitarbeiterprämie ausgezahlt hat.
Vergleich mit anderen Automobilherstellern
Die gegenwärtige Krise in der Automobilbranche hat im Jahr 2025 alle deutschen Hersteller betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Während Porsche keine Prämien auszahlt, erhalten andere Unternehmen wie Mercedes-Benz voraussichtlich bis zu 3.139 Euro an Boni für berechtigte Mitarbeiter. Auch Volkswagen, trotz anfänglicher Absage, wird nun eine Prämie von 1.250 Euro an Tarifbeschäftigte auszahlen. Audi und BMW beteiligen sich ebenfalls an der Prämienzahlung.
Ursachen für den Gewinneinbruch
Im März 2026 meldete Porsche einen dramatischen Rückgang des Konzernüberschusses um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, als dieser noch bei fast 3,6 Milliarden Euro lag. Der Umsatz fiel um nahezu zehn Prozent auf etwa 36,3 Milliarden Euro.
Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig: Die Geschäfte in China stagnieren, die US-Zollpolitik verursacht hohe Kosten, und die Elektro-Modelle von Porsche stoßen auf weniger Interesse als erwartet. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Oliver Blume hatte vor seinem Rücktritt die Unternehmensstrategie geändert, um durch eine verstärkte Produktion von Verbrennern wieder Wachstum zu generieren. Diese Umstellung führte zu Kosten in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro.
Weitere Maßnahmen zur Kostensenkung
Um den finanziellen Druck zu mindern, sieht sich Porsche gezwungen, die Kosten erheblich zu reduzieren und Stellen abzubauen. Ein neues Sparprogramm wird derzeit verhandelt.
Folgen für das Management
Die schlechten Jahreszahlen haben auch Auswirkungen auf die Führungsebene von Porsche: Die Vorstandsmitglieder erhalten keinen Jahresbonus, und die Grundvergütung des Managements wird, wie im Vorjahr, nicht erhöht. Dennoch können die Aktionäre voraussichtlich mit einer Dividende rechnen, die jedoch mehr als halbiert werden soll – von 2,31 Euro je Vorzugsaktie auf 1,01 Euro.
Ausblick auf die Marktbedingungen
Das Management unter dem neuen CEO Michael Leiters erwartet für 2026 weiterhin „sehr herausfordernde Marktbedingungen“. Von Januar bis März sanken die Verkaufszahlen erneut. Das Unternehmen strebt einen Umsatz von etwa 35 bis 36 Milliarden Euro an, wobei die Konzernumsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent liegen soll. Im Jahr 2025 betrug diese lediglich 1,1 Prozent. Leiters hat zu Beginn des Jahres die Nachfolge von Blume angetreten, der sich nun auf die Leitung des Volkswagen-Konzerns konzentriert.
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