Wachsende Vermögen der Milliardäre
Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam äußert vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos Besorgnis über die zunehmende politische Einflussnahme der wohlhabendsten Menschen. Laut einem aktuellen Bericht wächst das Vermögen der Milliardäre weltweit kontinuierlich.
Im vergangenen Jahr besaßen die rund 3000 Milliardärinnen und Milliardäre global ein Vermögen von etwa 15,75 Billionen Euro. Seit 2020 ist ihr Reichtum inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent gestiegen. Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Armut, wie Oxfam betont.
Reichtum konzentriert sich rasant
Die Analyse von Oxfam basiert auf Daten verschiedener Quellen, darunter Schätzungen von „Forbes“ und Informationen der Weltbank sowie des UBS-Weltvermögensreports. Im letzten Jahr wuchs das Vermögen der Milliardäre um rund 16 Prozent, was dreimal schneller ist als im Durchschnitt der Vorjahre. Die zwölf reichsten Personen verfügen nun über mehr Vermögen als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, also über vier Milliarden Menschen.
Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland, kommentiert: „Wir befinden uns in der Ära der Milliardär:innen – und das ist keine gute Nachricht für die Welt.“ Der Reichtum konzentriere sich in einem nie dagewesenen Tempo, allein im vergangenen Jahr hätten Milliardäre 2,15 Billionen Euro hinzugewonnen, was dem Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung entspricht.
Reiche Deutsche im internationalen Vergleich
In Deutschland ist die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre laut Oxfam im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 172 gestiegen, was Deutschland den vierten Platz weltweit sichert. Ihr Gesamtvermögen ist inflationsbereinigt um etwa 30 Prozent auf 722,6 Milliarden Euro gewachsen.
Oxfam schätzt, dass ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen eines deutschen Bürgers verdient. Die Organisation warnt, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich auch in Deutschland einen Nährboden für antidemokratische Tendenzen darstellt. Oxfam fordert die Bundesregierung auf, mit höheren Steuern für die Reichen gegenzusteuern. Die SPD hat zuletzt eine Erhöhung der Erbschaftssteuer für Millionenerbschaften vorgeschlagen, während die Union dies ablehnt.
Politische Macht der Reichen
Oxfam äußert zudem Bedenken, dass die wirtschaftliche Macht der Milliardäre auch in politische Macht umschlägt. Dies sei besonders in den USA zu beobachten und untergrabe die Demokratie, so Becker. Ein Beispiel ist Donald Trump, der während seiner Präsidentschaft sein Vermögen durch den Handel mit Kryptowährungen erheblich steigern konnte.
Dem Bericht zufolge investierten 100 wohlhabende Familien im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf eine Rekordsumme von 2,23 Milliarden Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Milliardär ein politisches Amt bekleidet, ist schätzungsweise 4000 Mal höher als bei einem durchschnittlichen Bürger. Zudem befinden sich sieben der zehn größten Medienhäuser zumindest teilweise im Besitz von Milliardären.
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