Die größten Kraftstoffanbieter in Italien haben die Preise für Benzin und Diesel teils erheblich gesenkt und planen, in den kommenden Wochen keine oder nur geringfügige Erhöhungen vorzunehmen. Dies geschieht in Reaktion auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise, die die italienische Politik in den letzten Monaten stark beschäftigt haben. Statt eines staatlichen Preisdeckels, der von vielen gefordert wurde, appellierte die Regierung an die Mineralölbranche, die Preise zu reduzieren.
Freiwillige Preissenkungen und deren Auswirkungen
Der teilstaatliche Ölkonzern Eni, der mit rund 3900 Tankstellen der größte Anbieter in Italien ist, gab bekannt, den Endverbraucherpreis für einen Liter Superbenzin auf 1,99 Euro und für Diesel auf 2,19 Euro zu senken. Zuvor lagen die Preise um etwa 17 Cent höher. Eni hat angekündigt, dass dieser Preisdeckel zunächst bis Ende Oktober gelten soll, mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis zum Jahresende. Auch Italia Petroli, der zweitgrößte Tankstellenbetreiber, hat ähnliche Maßnahmen angekündigt. Q8, die Tochter des kuwaitischen Ölkonzerns KPC, wird sich ebenfalls an den Preissenkungen beteiligen.
Politische Rahmenbedingungen und Reaktionen
Die italienische Regierung hat in den vergangenen Monaten wiederholt Steuern gesenkt oder vorübergehend ausgesetzt, um den steigenden Spritpreisen entgegenzuwirken. Jedoch läuft die jüngste Senkung der Diesel-Verkaufssteuern im Oktober aus. Statt eines Preisdeckels und einer Übergewinnsteuer, um die Mineralölbranche zur Finanzierung von Entlastungsmaßnahmen zu bewegen, hat die Regierungskoalition bisher auf einen direkten staatlichen Eingriff verzichtet. Ministerpräsidentin Georgia Meloni hat die Unternehmen stattdessen gebeten, ihre Preise freiwillig zu senken.
Wirtschaftliche Überlegungen und Marktreaktionen
Die freiwilligen Preissenkungen könnten für die Unternehmen, je nach Marktentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten, erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten. Schätzungen zufolge könnten Eni allein durch den Verzicht auf etwa 17 Cent pro Liter monatlich rund 100 Millionen Euro an Einnahmen entgehen. Dennoch könnte sich dieser Schritt für Eni als vorteilhaft erweisen. Nach der Bekanntgabe des Preisdeckels stieg die Aktie des Unternehmens an der Börse um etwa drei Prozent. Analysten argumentieren, dass Eni in der Lage ist, sich diese Maßnahme zu leisten, da das Unternehmen in der letzten Zeit durch hohe Preise erhebliche Gewinne erzielt hat. Zudem könnte die freiwillige Preissenkung staatliche Eingriffe wie einen gesetzlichen Preisdeckel oder eine Übergewinnsteuer verhindern. Laut dem Energieexperten Simone Tagliapietra vom europäischen Thinktank Bruegel ist es für Eni kostengünstiger, einen freiwilligen Höchstpreis einzuführen, als sich mit staatlichen Maßnahmen auseinanderzusetzen.
Quellen: n-tv
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