Ein ICE auf den Gleisen. (Symbolbild)
28.12.2025 / 13:19
Die Deutsche Bahn und der Bund setzen mit Rekordsummen einen bedeutenden Schritt zur Sanierung des Schienennetzes. Dennoch kämpfen Fahrgäste weiterhin mit Verspätungen und defekten Gleisen, was verschiedene Ursachen hat.
Im kommenden Jahr plant die Deutsche Bahn, mehr als 23 Milliarden Euro in die Modernisierung des Schienennetzes zu investieren, was einen historischen Höchstwert darstellt. „Mehr als die Hälfte des Geldes fließt in das Bestandsnetz“, erklärte der Geschäftsführer des Infrastrukturunternehmens DB InfraGo, Philipp Nagl. „Die restlichen Mittel werden in die Digitalisierung, den Neubau, den Ausbau sowie in kleine und mittlere Maßnahmen für Bahnhöfe und andere Projekte investiert.“
Vorangegangene Investitionen und Fortschritte
In diesem Jahr hat die Bahn bereits rund 19 Milliarden Euro in die Verbesserung der als überaltert und überlastet geltenden Schieneninfrastruktur gesteckt. Dabei wurden Tausende Weichen und Hunderte Kilometer Oberleitungen erneuert sowie fast 2300 Kilometer Gleise erneuert. Außerdem wurden 60 neue Stellwerke in Betrieb genommen, nicht jedoch am Kölner Hauptbahnhof, wo die Inbetriebnahme aufgrund von Softwareproblemen im September trotz Komplettsperrung nicht erfolgreich war.
Zu den bedeutenden Bauprojekten des ablaufenden Jahres zählen unter anderem die Generalsanierung der Strecke zwischen Hamburg und Berlin, die Verbesserung der Anbindung des Flughafens Berlin-Brandenburg an die Berliner Innenstadt sowie der Wiederaufbau der von der Flut 2021 beschädigten Ahrtalbahn in Rheinland-Pfalz.
Herausforderungen und Ausblick
„Wenn wir die Investitionen ins Bestandsnetz auf diesem Niveau dauerhaft fortführen, kann das Netz stetig besser werden“, betonte Nagl. 2025 zählte die Bahn insgesamt rund 26.000 Baustellen, für das kommende Jahr werden es voraussichtlich 28.000 sein. Im ablaufenden Jahr hat die InfraGo auch vermeldet, dass sie rund 950 ihrer 5700 Bahnhöfe modernisiert hat.
Trotz der enormen Summen, die in die Infrastruktur investiert werden, erleben die Fahrgäste nach wie vor täglich die schlechten Bedingungen des Schienennetzes in Deutschland. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist auf einem historisch niedrigen Niveau. Viele Baustellen beeinträchtigen weiterhin den Zugverkehr, und unvorhergesehene Störungen sind häufig.
„Diese Anlagen wurden niemals so lange mit dieser Belastung betrieben, etwa ein altes Relais-Stellwerk“, so der InfraGo-Chef. „Die Systeme sind für 40 Jahre ausgelegt – viele sind jedoch bereits seit 70 Jahren in Betrieb.“ Irgendwann erreiche jedes Bauteil die Grenze der Nutzbarkeit, insbesondere da der Verkehr auf diesen Anlagen stetig zunehme.
Zukunftsprojekte und Digitalisierung
Bund und Bahn haben sich das Ziel gesetzt, bis Mitte der 2030er Jahre insbesondere vielbefahrene Strecken in Deutschland umfassend zu erneuern. Begonnen wird 2024 mit der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Doch auch dort hat die Bahn bei den Störungen nicht das gewünschte Ziel erreicht. „Wir haben seit der Wiederinbetriebnahme der Strecke im Schnitt über 60 Prozent weniger Störungen als zuvor“, berichtete Nagl. Das angestrebte Ziel war jedoch 80 Prozent. Nagl bleibt optimistisch, dass dieses Ziel noch realisierbar ist.
Ein zusätzliches Problem stellt die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik, genannt ETCS, dar. „Das System ist bislang nur im Südabschnitt in Betrieb“, erläuterte der Manager. Das liege auch daran, dass die Züge in der Regel noch nicht mit der neuen ETCS-Technik ausgestattet seien. Bei der derzeit laufenden Generalsanierung zwischen Hamburg und Berlin wurde auf den meisten Streckenabschnitten noch kein ETCS installiert.
Insgesamt gibt es im Schienennetz bisher nur wenige Strecken mit ETCS, genaugenommen 683 Kilometer, davon 157 Kilometer neu im Jahr 2025.
Wie sich der Zustand des Netzes und der Anlagen entwickelt, dokumentiert die InfraGo in dem jährlich erscheinenden sogenannten Zustandsbericht. Die nächste Aktualisierung soll im April 2026 veröffentlicht werden.
Bildquelle: Quelle: Foto: Wolfgang Weiser