„In diesem Winter hat der Tulpenanbau uns richtig Geld gekostet“, erklärt Gerrit Knoblauch, der Inhaber von „Knobi-Blumen“ in Neuengamme. Trotz der hohen Energiekosten und des Drucks durch ausländische Konkurrenz wagt er den Schritt, sein Gewächshaus für ein innovatives Forschungsprojekt zu beschatten.
Forschungsprojekt zur Nutzung von Solaranlagen
Die Blumen- und Gemüseproduktion in den Vier- und Marschlanden sieht sich zunehmend Herausforderungen gegenüber. Steigende Kosten, der Druck durch günstige Importe und das Fehlen von Hofnachfolgern führen dazu, dass immer mehr Gewächshäuser leer stehen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird nun ein wegweisendes Forschungsprojekt in Hamburg initiiert.
Die aktuellen hochsommerlichen Temperaturen lassen die kalten Wintermonate schnell vergessen, doch Knoblauch hat die hohen Heizkosten noch im Gedächtnis. Um die steigenden Energiekosten zu bewältigen, wird auf einem 400 Quadratmeter großen Dach eines seiner Gewächshäuser eine Solaranlage installiert. „Allerdings handelt es sich nur um einen Dummy, bei dem wir keinen Strom erzielen oder ins Netz einspeisen“, so Knoblauch.
Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen
Dieses Projekt wird von der Hamburger Umweltbehörde, mehreren Universitäten und dem Fraunhofer-Institut unterstützt. Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit Gewächshäuser mit Solaranlagen ausgestattet werden können, ohne dass die Pflanzen unter der Beschattung leiden. „Das Fraunhofer Institut testet mit den Dummies, was sie im regulären Betrieb produzieren würden“, erläutert Knoblauch.
Im Rahmen des Projektes werden verschiedene Photovoltaik-Technologien untersucht, darunter auch durchsichtige Anlagen, die jedoch weniger Strom erzeugen als herkömmliche Modelle. Vor Ort wird dokumentiert, wie die sonnenhungrigen Rosen mit der Beschattung zurechtkommen. Dabei wird etwa 20 Prozent der Dachfläche mit Paneelen belegt. Knoblauch wird die Ertragsmengen und die Qualität der Blumen genau protokollieren.
Ertrag und Qualität im Fokus
Die zentrale Frage bleibt, ob Rosen eine Beschattung durch Solaranlagen tolerieren können. „Wenn die Ersparnis durch den selbstproduzierten Strom von einer geringeren oder schlechteren Ernte aufgefressen wird, lohnt sich das natürlich nicht“, betont der junge Unternehmer, der auch Präsident des Gartenbauverbandes in Hamburg ist.
Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt, von 2026 bis 2028. Ein weiterer Aspekt ist der Klimaschutz: Im Gartenbau müssen große Flächen beheizt werden, was derzeit meist mit Erdgas geschieht. Um die ehrgeizigen Klimaziele Hamburgs zu erreichen, ist eine Umstellung auch im Blumenanbau notwendig. „Wir suchen gerade nach Alternativen zum Gas und überlegen, mit Wärmepumpen zu arbeiten“, sagt Knoblauch. Der benötigte Strom könnte dann über die Photovoltaikanlagen bereitgestellt werden, wobei die Erntezeit von Oktober bis Ostern eine Herausforderung darstellt, da die Solarausbeute in dieser Zeit nicht optimal ist.
Rückgang der Anbauflächen
Der Zierpflanzenanbau in den Vier- und Marschlanden steht unter erheblichem Druck. Im vergangenen Jahr sind die Anbauflächen um zehn Prozent gesunken, und die Zahl der Betriebe hat sich um 24 Prozent auf 133 reduziert. In Bergedorf, nahe der Krapphofschleuse, wurden neue Wohnhäuser errichtet, wo zuvor große Gewächshäuser für den Rosenanbau standen.
Nach Abschluss des Projektes in Neuengamme soll es laut Fraunhofer-Institut eine praxisnahe Empfehlung für den Einsatz von Photovoltaik in Gewächshäusern geben. Zudem wird es entscheidend sein, zu klären, ob Rosen auch im Schatten gedeihen können, um die Hamburger Klimaziele zu erreichen.
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Quellen: mopo
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