Die zentrale Streitfrage dreht sich um die Rolle griechischer Reeder in der globalen Schifffahrtsindustrie und deren wirtschaftliche Macht. Trotz internationaler Krisen, wie dem Ukraine-Konflikt, verzeichnen sie ein bemerkenswertes Wachstum und steigende Gewinne.
Griechische Reeder dominieren den LNG-Markt
Griechenland, ein kleines EU-Land mit nur zehn Millionen Einwohnern, hat sich zu einer wirtschaftlichen Großmacht auf den Weltmeeren entwickelt. Fast 20 Prozent aller Transportschiffe weltweit gehören griechischen Reedern, die über die größten Transportkapazitäten verfügen. Branchenberichte zeigen, dass die Reeder in diesem Jahr mehr als 14 Milliarden US-Dollar in ihre Flotten investieren.
Wachstum trotz Krisen
Der Transport von Flüssiggas (LNG) hat sich als besonders lukrativ erwiesen. Aufgrund der Sanktionen gegen Russland ist der Bedarf an LNG in der EU stark gestiegen. Experten prognostizieren, dass der Anteil des verflüssigten Erdgases bis 2029 über die Hälfte der Gasversorgung in der EU ausmachen wird.
„Griechische Reedereien kontrollieren derzeit den größten Teil des weltweiten LNG-Transports“,
erklärt der Schifffahrtsexperte Georgios Fokianos. Zudem haben die Reeder den größten Auftragsbestand in diesem Bereich.
Wirtschaftliche Bedeutung der Schifffahrt für Griechenland
Die griechischen Reedereien sind nicht nur für den internationalen Handel von Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Griechenland. Nach eigenen Angaben investieren die Unternehmer jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro im Land. Laut Fokianos hängen rund 200.000 Arbeitsplätze von diesen Unternehmen ab, darunter in der Schifffahrt, Verwaltung, bei Ersatzteillieferanten und Werften.
Darüber hinaus engagieren sich griechische Reeder in sozialen Projekten und spenden Millionenbeträge für den Bau von Schulen, Krankenhäusern und Bibliotheken. Der Reeder Evangelos Marinakis, einer der reichsten Griechen, ist zudem Eigentümer eines großen Medienhauses und des Fußballklubs Olympiakos Piräus.
Politischer Einfluss und Lobbyarbeit
Die Interessen der Reeder scheinen sich in der Politik durchzusetzen. Während der Finanzkrise 2015 mussten Bürger und kleinere Unternehmen in Griechenland harte Sparmaßnahmen hinnehmen, während die Schiffsunternehmer weitreichende Steuerprivilegien behielten.
„Die Lobby der griechischen Reeder hat sich auch bei niedrigeren Umweltauflagen durchgesetzt“,
sagt der Ökonom Max Johns. Die angestrebte CO2-Neutralität der Schifffahrt bis 2050 scheint durch das Lobbying der Reeder gefährdet.
Kontroversen um den Handel mit Russland
Die griechischen Reeder haben auch Einfluss auf die EU-Politik bezüglich Sanktionen gegen Russland. Im Juli blockierten sie ein Sanktionspaket, das den Transport von russischem Flüssigerdgas durch EU-Schiffe an Drittländer erschweren sollte.
„Der einzige Grund für Griechenlands Blockade waren die Reeder“,
ist sich Johns sicher. Diese wollen weiterhin Gas und Öl aus Russland transportieren und profitieren von Ausnahmeregelungen.
Zusätzlich verkaufen griechische Reeder alte Tanker an Russland. Laut einer Studie der Brookings Institution gehörte mehr als jedes dritte Schiff der russischen Schattenflotte früher einem griechischen Unternehmer.
Risiken und Gewinne in der Schifffahrt
Die Reeder setzen auch auf riskante Routen, wie die Durchfahrt durch die Straße von Hormus, wo sie hohe Gewinne erzielen können.
„Bis zu 500.000 US-Dollar am Tag kann man aktuell mit solchen Fahrten verdienen“,
erklärt Max Johns. Dies entspricht bis zu zehnmal höheren Einnahmen als üblich. Die panhellenische Seemannsgewerkschaft kritisiert diese Praktiken scharf und warnt vor den Gefahren für die Besatzungen. Gewerkschaftsführer Antonis Ntalakogiorgos bezeichnet das Vorgehen als „inakzeptabel und verbrecherisch“.
Dennoch geht Johns davon aus, dass die Seeleute für die gefährlichen Aufträge hohe Bonuszahlungen erhalten. Die Reeder können sich solche zusätzlichen Ausgaben leisten, was ihre wirtschaftliche Macht unterstreicht.
Quellen: deutschlandfunk, tagesschau, FAZ
Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.