Ob als Maßnahme zur „nationalen Sicherheit“ oder als Druckmittel: Zölle nehmen im Handeln von US-Präsident Donald Trump einen zentralen Stellenwert ein. Dies zeigt sich besonders deutlich auch nach einem Jahr seiner zweiten Amtszeit.
Die Auswirkungen der US-Zölle auf die deutsche Wirtschaft sind bereits eindeutig erkennbar. Ein Abkommen zwischen der EU und den USA, das im Sommer 2025 getroffen wurde, sieht für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vor. Dennoch musste Brüssel dazu erhebliche Zugeständnisse leisten, darunter den zollfreien Import amerikanischer Autos.
Langfristige Folgen für die deutsche Industrie
Das Ifo-Institut prognostiziert, dass die negativen Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft von andauernder Natur sind. In einem aktuellen Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Zölle die Wirtschaftsleistung Deutschlands 2025 um 0,3 Prozentpunkte dämpften, während in diesem Jahr mit einem Rückgang von 0,6 Prozentpunkten zu rechnen ist.
„Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, erklärte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. Die Spuren der Zölle sind insbesondere in der Exportbranche deutlich sichtbar. Der Umsatz mit den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Exportmarkt Deutschlands, sank im vergangenen Jahr um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung belastet den Gesamtexport des Landes, von dem nahezu jeder vierte Arbeitsplatz abhängt.
Starke Einbußen in der Autobranche
Besonders hart trifft die Zollerhebung die deutsche Automobilindustrie, die traditionell zu den bedeutendsten Akteuren im US-Markt zählt. Die Zölle auf Autos betrugen für eine Zeit lang 27,5 Prozent und wurden später auf 15 Prozent gesenkt. Dennoch bleibt dies ein erheblicher Anstieg im Vergleich zu den vorherigen 2,5 Prozent.
Im Jahr 2024 exportierte Deutschland nahezu 450.000 Autos in die USA, was knapp 11 Prozent der Gesamtproduktion ausmachte. Im Vergleich dazu reduzierte sich die Anzahl in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 um 8 Prozent.
Zusätzliche Belastungen im Maschinenbau und der Stahlindustrie
Die Stahlindustrie leidet unter besonders hohen Zöllen von 50 Prozent, was die Unsicherheit innerhalb der Branche verstärkt. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 brachen die Stahlexporte in die USA um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Ferner wirken sich die Zölle auch auf den Maschinenbau aus, der seit drei Jahren in der Produktion zurückgeht.
Trotz der anhaltenden Herausforderungen gibt es einige Sektoren, die von den Zöllen nicht betroffen sind, wie beispielsweise der Dienstleistungssektor und der deutsche Agrarsektor, der von Vorteilen im Handel mit China profitiert.
Fazit: Unsicherheit bleibt bestehen
Die Zahl der Unternehmen, die auf Trumps Drohungen reagiert haben, ist gering. Während einige Firmen bereit sind, ihre Strategien anzupassen, bleibt die Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Zollpolitik bestehen. Analysten prognostizieren, dass die aktuellen Zölle auch weiterhin Auswirkungen auf diverse Wirtschaftsbereiche haben werden.
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