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Anthropics „Claude“ – der große KI-Rivale von ChatGPT von OpenAI

Anthropic positioniert sich im Wettlauf um KI als verantwortungsbewusster Akteur. Mit dem KI-Modell Claude verfolgt das Unternehmen einen Ansatz, der menschliche Werte in die Entscheidungsfindung integriert. Doch die Sicherheitsbedenken rund um das neueste Modell, Claude Mythos, werfen Fragen auf.

Anthropics „Claude“ – der große KI-Rivale von ChatGPT von OpenAI
Foto von <a href="https://unsplash.com/de/@markusspiske?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Markus Spiske</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/fotos/text-XrIfY_4cK1w?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>

Der Wettbewerb unter den großen US-Technologiefirmen ist intensiv, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Rivalität zwischen den Unternehmen OpenAI und Anthropic ist jedoch besonders ausgeprägt, da viele der heutigen Mitarbeiter sowie der Mitgründer von Anthropic, Dario Amodei, zuvor bei OpenAI tätig waren. Anthropic versucht, sich als verantwortungsbewusster und ethischer Akteur in der KI-Branche zu positionieren. Doch wie realistisch ist diese Selbstwahrnehmung?

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Anthropic: Menschliches Denken in der KI

Claude ist der Chatbot, den Anthropic entwickelt hat. Amanda Askell, eine Philosophin und KI-Forscherin, leitet das Team, das Claude eine „Persönlichkeit“ verleiht. Der Chatbot erhält eine Art „Verfassung“, ähnlich wie es bei OpenAI mit ChatGPT der Fall ist.

Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass Claudes „Verfassung“ nicht in Form eines Gesetzes, sondern als Brief verfasst ist. Diese Herangehensweise soll dem Chatbot grundlegende Werte vermitteln, die ihm in unerwarteten Situationen helfen, angemessene Entscheidungen zu treffen. Der Gedanke dahinter ist, dass eine Liste von Verhaltensregeln niemals alle möglichen Szenarien abdecken kann.

Während viele Forscher der Meinung sind, dass Chatbots keine Gefühle oder ein Bewusstsein haben sollten, vertritt Askell eine andere Sichtweise: KI-Sprachmodelle seien nicht mit den traditionellen Vorstellungen von Robotern vergleichbar. Sie verhalten sich menschlicher als die kalten Maschinen aus der Science-Fiction. Ein Großteil der Trainingsdaten besteht aus Texten, die das Menschsein thematisieren.

Nach dieser Auffassung werden KI-Modelle nützlicher, wenn sie wie Menschen behandelt werden. Askell ist der Meinung, dass KI-Sprachmodelle nicht starr auf eine bestimmte Aufgabe programmiert werden sollten. Stattdessen sei es besser, mit ihnen zu kommunizieren und Probleme präzise zu beschreiben.

Claude Mythos: Sicherheitsbedenken oder Marketingstrategie?

Im April 2026 gab Anthropic bekannt, dass das neueste KI-Modell Claude Mythos nicht veröffentlicht wird, da es als zu gefährlich erachtet wird. Bei Tests soll Mythos eigenständig Tausende von Sicherheitslücken in weit verbreiteter Software und Internet-Browsern entdeckt haben. In den falschen Händen könnte es sich als gefährliche Cyberwaffe erweisen.

Um die digitale Infrastruktur zu schützen, strebt Anthropic eine Allianz mit führenden Tech-Unternehmen an. Diese Initiative, genannt „Project Glasswing“, soll es Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft ermöglichen, Zugang zu Claude Mythos zu erhalten, um ihre Sicherheitslücken zu schließen.

Die Reaktionen auf diese Initiative sind gemischt. OpenAI-CEO Sam Altman kritisierte „Project Glasswing“ als Versuch, die Kontrolle über KI in den Händen einer kleinen Gruppe zu halten. Er stellte die Frage, ob die Entscheidung, Claude Mythos zurückzuhalten, als „fear-based-marketing“, also als panikmachendes Marketing, zu werten sei.

In der Tech-Welt gibt es unterschiedliche Meinungen: Einige Experten begrüßen die Ankündigung und betonen, dass KI verantwortungsvoll entwickelt werden kann. Andere hingegen werfen Anthropic vor, einen Hype zu erzeugen und die entdeckten Sicherheitslücken als weniger beeindruckend darzustellen.

Das Verhältnis von Anthropic zur US-Regierung

Die Beziehung zwischen Anthropic und der US-Regierung ist derzeit angespannt. Ein Streit über den Einsatz der Anthropic-KI in militärischen Anwendungen hat zu dieser Situation beigetragen. Das Unternehmen weigerte sich, Sicherheitsvorkehrungen zu lockern und forderte Garantien, dass seine KI nicht in autonomen Waffen oder zur Massenüberwachung eingesetzt wird.

Infolgedessen untersagte US-Präsident Trump Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie. Das Pentagon stufte das Unternehmen als „Supply Chain Risk“ (Lieferkettenrisiko) ein, was bedeutete, dass Firmen, die mit dem Militär zusammenarbeiten, keine Produkte von Anthropic verwenden dürfen. Das Unternehmen kündigte daraufhin rechtliche Schritte an.

Nach einem Treffen von Dario Amodei mit hochrangigen Regierungsvertretern gibt es jedoch wieder Hoffnung auf Staatsaufträge. Trump äußerte sich positiv über die Gespräche und bezeichnete Anthropic als „sehr schlau“ und potenziell nützlich. Aktuellen Berichten zufolge arbeitet die US-Regierung an einer Regelung, die es Bundesbehörden ermöglichen könnte, Anthropic nicht länger als Sicherheitsrisiko einzustufen.

Die Konkurrenz zwischen Anthropic und OpenAI

Im Silicon Valley wird die Rivalität zwischen OpenAI und Anthropic mit anderen berühmten Tech-Konflikten verglichen, wie etwa zwischen Apple und Microsoft. Neben der wirtschaftlichen Konkurrenz vertreten die beiden Unternehmen unterschiedliche Ansätze in Bezug auf die Herausforderungen, die die KI-Branche mit sich bringt. Fragen wie der Umgang mit dieser tiefgreifenden Technologie und die Festlegung von Regeln sind zentral.

Anthropic vertritt die Ansicht, dass KI mächtig ist und die Welt verändern wird. Daher sei es entscheidend, dass KI für „das Gute“ eingesetzt wird. Entwickler müssen sicherstellen, dass die KI „Gutes“ bewirken möchte.

OpenAI verfolgt ebenfalls das Ziel, dass KI der Menschheit zugutekommt, verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. OpenAI möchte, dass die gesamte Welt Zugang zu den neuesten Modellen hat, um Erfahrungen zu sammeln und Feedback zu geben. Dies bedeutet, dass Sicherheit durch Transparenz und Offenheit gewährleistet wird.

Rivalität und Kooperationen: Strategische Allianzen in der Tech-Welt

Anthropic steht nicht nur in direkter Konkurrenz zu OpenAI, sondern auch zu anderen großen Tech-Unternehmen wie Google. Gleichzeitig ist Anthropic jedoch durch strategische Partnerschaften mit vielen dieser Firmen verbunden.

Diese Entwicklung ist typisch für die KI-Branche, in der große Unternehmen Allianzen bilden, um den KI-Boom voranzutreiben. Diese sogenannten Kreislauf-Deals ermöglichen es, Investitionen teilweise als Gegenleistung für Chips oder Rechenleistung zurückzuerhalten.

So investierte Google zehn Milliarden Dollar in Anthropic, wobei weitere 30 Milliarden von bestimmten Entwicklungszielen abhängig gemacht werden. Google ist bereits seit Jahren ein Geldgeber von Anthropic, das im Gegenzug spezielle KI-Chips von Google bezieht.

Darüber hinaus hat Amazon kürzlich fünf Milliarden Dollar in Anthropic investiert, mit der Aussicht auf weitere 20 Milliarden in den kommenden Phasen. Zudem gab Anthropic eine Kooperation mit Elon Musk bekannt, die es dem Unternehmen ermöglicht, Rechenleistung aus einem großen Rechenzentrum von Musks Firma SpaceX zu beziehen.

Diese Entwicklung überrascht, da Anthropic ein direkter Konkurrent von Musks KI-Entwickler xAI ist und es in der Vergangenheit öffentliche Konflikte zwischen Musk und Amodei gab. Dennoch scheinen solche Differenzen in der KI-Branche keine Hindernisse für profitable Geschäfte darzustellen.


Quellen: deutschlandfunk

Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash

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