Die Anleihemärkte stehen vor einer kritischen Situation, die durch stark steigende Renditen geprägt ist. Bill Gross, ein renommierter Anleiheexperte, äußert sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen und rät Anlegern dringend davon ab, Anleihen zu kaufen.
Renditen erreichen historische Höchststände
Die Renditen an den Anleihemärkten haben Niveaus erreicht, die seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurden. Gross warnt in der „Financial Times“: „Kauft keine Anleihen“. Der Hintergrund dieser Warnung liegt in der Tatsache, dass neue Anleihen höhere Zinsen bieten, was die Attraktivität bereits ausgegebener Papiere mit niedrigeren Zinsen verringert und deren Kurse fallen lässt. Besonders langlaufende Anleihen sind hiervon betroffen, während Gross lediglich für einjährige US-Staatsanleihen eine Ausnahme macht.
Auslöser des Ausverkaufs
Der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen hat im September einen dramatischen Höhepunkt erreicht, der als der schlechteste Monat seit vier Jahren gilt. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries stieg auf 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der fallenden Anleihekurse, die durch steigende Renditen verursacht werden. Der Markt für US-Staatsanleihen, der ein Volumen von 32 Billionen Dollar umfasst, ist von zentraler Bedeutung für das globale Finanzsystem.
Globale Auswirkungen und Inflationssorgen
Die Turbulenzen am US-Markt haben auch die Nachfrage nach Staatsanleihen weltweit beeinträchtigt. Die Märkte stehen seit Monaten unter dem Druck wachsender Inflationssorgen, die vor allem durch den Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs ausgelöst wurden. Zudem gibt es Bedenken, dass die US-Wirtschaft überhitzen könnte. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft um 2,2 Prozent im Jahresvergleich, was die Erwartungen an steigende Leitzinsen weiter anheizt und die Kurse bestehender Anleihen belastet. Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins erst im September 2023 wieder angehoben.
Wachsende Verschuldung als weiterer Faktor
Ein weiterer Grund für die steigenden Renditen ist die zunehmende Verschuldung in mehreren Industrieländern, insbesondere in den USA, wo die Schuldenmarke von 40 Billionen US-Dollar überschritten wurde. Hohe Zinsen stellen ein erhebliches Problem für Regierungen dar, da sie die Neuaufnahme von Schulden erheblich verteuern. Auch Deutschland bleibt von diesem Ausverkauf nicht verschont, da die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,6 Prozent gestiegen ist.
Technische Faktoren verstärken den Verkaufsdruck
Der Ausverkauf wird nicht nur durch fundamentale Sorgen, sondern auch durch technische Faktoren verstärkt. Hedgefonds und Immobilienfonds, die große Bestände an hypothekenbesicherten Wertpapieren halten, verkaufen derzeit langlaufende US-Staatsanleihen, um das zusätzliche Zinsrisiko auszugleichen. Diese Verkäufe treiben die Renditen weiter nach oben und lösen einen Kreislauf aus, in dem steigende Renditen neue Verkäufe nach sich ziehen.
Die Situation bleibt angespannt, solange die Konjunktur und die Energiepreise den Inflationsdruck aufrechterhalten und gleichzeitig Käufer für langlaufende Anleihen fehlen. Der Ausverkauf könnte sich somit selbst verstärken, was zu noch höheren Renditen führen würde.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Bildquelle: Patrick Weissenberger auf Unsplash
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