Köln – Mit der „Brigade Litauen“ hat die Bundeswehr erstmals einen umfangreichen Kampfverband dauerhaft im Ausland stationiert. Rund 5.000 Bundeswehrangehörige werden künftig in Litauen „dienen und leben“, einschließlich ihrer Familien. Im Wald von Rūdninkai entsteht eine große Militärstadt, die mit Unterkünften, umfangreicher Logistik und modernen Schießplätzen ausgestattet ist. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Belarus und ist im Ernstfall an vorderster Front positioniert.
Symbol der deutschen NATO-Bereitschaft
Die „Panzerbrigade 45“ repräsentiert die Kampfbereitschaft Deutschlands innerhalb der NATO. Im Mai 2025 wurde der Großverband feierlich in der litauischen Hauptstadt Vilnius „in Dienst gestellt“. Die Zeremonie umfasste die Enthüllung einer neuen Truppenflagge, Marschmusik, überfliegende Kampfhubschrauber sowie Reden des deutschen Kanzlers und des litauischen Präsidenten. Bis 2027 soll die Brigade ihre volle Stärke erreichen, was als ein „Leuchtturmprojekt der Zeitenwende“ bezeichnet wird und Deutschland mehrere Milliarden Euro kosten wird.
Investitionen in Litauen
Auch Litauen selbst investiert erheblich in die Infrastruktur. Es werden Unterkünfte, Büros, Schulen, Kindertagesstätten und Übungsplätze für die deutschen Soldatinnen und Soldaten errichtet, wobei mehrere hundert Objekte in Planung sind. Die Bauwirtschaft erlebt einen Aufschwung. Zudem wird in Litauen, in Zusammenarbeit mit Deutschland und anderen Partnerländern, eine bedeutende Rüstungsindustrie aufgebaut. Noch im Jahr 2026 soll in Baisogala eine neue Fabrik für schwere Artilleriemunition, ein Joint Venture mit Rheinmetall, in Betrieb genommen werden, die jährlich mehrere zehntausend Geschosse produzieren wird. In Kaunas entsteht zudem ein Montagewerk zur Fertigung von Leopard-2-Kampfpanzern, die Litauen in Deutschland erwirbt.
Ängste und Zustimmung in der Gesellschaft
Die Furcht vor einem möglichen russischen Übergriff hat in der ehemaligen Sowjetrepublik seit dem großangelegten Angriff Putins auf die Ukraine stark zugenommen. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung fordert mehr Rüstung und eine erhöhte nationale Kampfbereitschaft. Die Stationierung der deutschen Brigade wird in der litauischen Gesellschaft weitgehend unterstützt und ist politisch fest verankert. Dennoch sind die Militarisierung und die damit verbundenen hohen Kosten nicht ohne Kontroversen. Ein aktuelles Beispiel für die geopolitischen Spannungen ist der Angriff der USA im Iran, der auch Auswirkungen auf die Region hat.
Deutschland als militärische Drehscheibe
Für Deutschland stellt der Standort Litauen lediglich den östlichen Vorposten eines umfangreichen militärischen Netzwerks dar. In den Operationsplänen des Westens wird Deutschland im Ernstfall als zentrale Drehscheibe für Truppen und Material betrachtet, über die bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 200.000 Fahrzeuge bewegt werden müssen. Auch diese Abläufe werden bereits geübt.
Dokumentation über den Einsatz
Das ARD Radiofeature „An vorderster Front – Doku über den Bundeswehr-Einsatz in Litauen“ wird ab Montag, dem 02. März 2026, in der ARD Audiothek verfügbar sein.
Lineare Sendetermine
- hr2-kultur: Donnerstag, 05. März 2026, 15:04 Uhr
- SWR Kultur: Freitag, 06. März 2026, 15:05 Uhr
- BR 2: Samstag, 07. März 2026, 13:05 Uhr
- SR kultur: Samstag, 07. März 2026, 09:05 Uhr
- Bremen Zwei: Samstag, 07. März 2026, 18:05 Uhr
- NDR Info: Sonntag, 08. März 2026, 11:05 Uhr
- NDR Spezial: Sonntag, 08. März 2026, 11:05 Uhr
- WDR 5: Sonntag, 08. März 2026, 13:04 Uhr
- MDR Kultur: Dienstag, 03. März 2026, 20:05 Uhr
Diese Produktion des WDR wird im Rahmen des ARD Radiofeatures 2026 ausgestrahlt.
Für weitere Informationen und Fotos besuchen Sie die WDR-Presselounge.
„`
Bildquelle: Shutterstpck / Volodymyr TVERDOKHLIB