„China wächst.“ Diese Aussage unterstreicht die strategische Entscheidung von BASF, dem weltweit größten Chemiekonzern, in Zhanjiang ein neues Werk zu errichten. Die offizielle Eröffnung der neuen Produktionsstätte ist für Ende März 2026 geplant und wird mit einem Investitionsvolumen von 8,7 Milliarden Euro das größte Einzelprojekt des Unternehmens darstellen.
Der neue Verbundstandort wird ein integriertes Produktionssystem bieten, das Logistik und Materialflüsse miteinander verbindet. BASF zeigt sich zuversichtlich, dass das Engagement in diesem Markt unerlässlich ist, besonders in Anbetracht der Prognosen, nach denen 80 Prozent des Wachstums im Chemiesektor bis zum Jahr 2035 auf die Region Asien-Pazifik entfällt.
Kritik und Herausforderungen
Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich dieser Investition. Kritiker argumentieren, dass BASF sich durch eine starke Abhängigkeit von der chinesischen Führung in einer prekären Lage befinden könnte, insbesondere nach den hohen Abschreibungen in Russland infolge des Ukraine-Konflikts. BASF selbst betont hingegen, dass das Unternehmen in China weiterhin wachsen wolle und dass die dort produzierten Güter hauptsächlich lokal verkauft werden.
Eine Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Peking ergab, dass 84 Prozent der Mitglieder der Chemieindustrie in China in den nächsten fünf Jahren von steigenden Durchschnittswachstumsraten ausgehen. Zudem planen 61 Prozent der Unternehmen, ihre Investitionen in der Region zu erhöhen.
Nachhaltigkeit und Perspektiven
BASF hat versichert, dass das Werk in Zhanjiang vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird und die CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent gegenüber herkömmlichen petrochemischen Standorten gesenkt werden sollen. Der Konzern stellt auch klar, dass Nachhaltigkeitsaspekte ein wichtiger Teil der Planung sind.
Dennoch bleibt die Frage, wie sich die aktuelle Nachfragesituation und die geopolitischen Spannungen auf das Geschäft auswirken werden. Die Chemiebranche sieht sich derzeit mit Herausforderungen konfrontiert, die in der Geschichte kaum vergleichbar sind. BASF hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Lage zu stabilisieren, darunter die Stilllegung defizitärer Anlagen und die Umsetzung von Sparprogrammen.
Angesichts der Überkapazitäten in China wird BASF die Entwicklungen auf dem Markt aufmerksam verfolgen. Der Standort Zhanjiang wird mit einer Fläche von etwa vier Quadratkilometern und 2000 Beschäftigten einer der größten des Unternehmens weltweit sein und wird insbesondere für die Verpackungsindustrie, den Bau und die Automobilbranche produzieren.
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