Ökologischer Kalter Krieg: Eine neue geopolitische Dimension
Wie wird sich die globale Energiepolitik in den kommenden Jahren entwickeln? Diese Frage stellte sich der Historiker Nils Gilman in seinem kürzlich veröffentlichten Essay mit dem Titel: „Der bevorstehende ökologische Kalte Krieg“. Er warnt darin vor einem kommenden Konflikt, der die Energiewende ins Zentrum geopolitischer Auseinandersetzungen rücken könnte. Laut Gilman befinden sich die etablierten Mächte, die auf fossile Energien angewiesen sind, in einem zunehmend angespannten Verhältnis zu Ländern, die aus ihrer Abhängigkeit von diesen Ressourcen eine Gelegenheit zur Eigenständigkeit ableiten.
US-Intervention in Venezuela: Ein Beispiel
Die Richtigkeit von Gilmans Einschätzungen offenbarte sich bereits Anfang Januar, als die USA militärisch gegen Venezuela vorgingen. Im Gegensatz zu früheren Konflikten, wie dem im Irak, gab US-Präsident Donald Trump diesmal ohne Umschweife zu, dass es um den Zugang zu Ölreserven gehe. Venezuela, als einer der größten Ölproduzenten der Welt, wird ins Visier genommen, um die Kontrolle über die dort lagernden riesigen Rohstoffvorkommen zu erlangen.
Gleichzeitig wird China durch diese Maßnahmen teilweise vom venezolanischen Öl abgeschnitten. Laut dem Center on Global Energy Policy hat Venezuela im vergangenen Jahr die Hälfte seines stark sanktionierten Öls an China exportiert, um Schulden zu begleichen. Dennoch macht das venezolanische Öl lediglich drei Prozent von Chinas gesamten Ölimporten aus, wodurch der Verlust für Peking handhabbar bleibt. Dennoch könnte diese Situation die chinesische Regierung in ihrer eigenen Energiestrategie weiter bestärken.
China als Herausforderer der USA
Im Kontext dieses neuen Kalten Krieges bildet China den Hauptkontrahenten der USA. Auch wenn Ressourcen wie Kohle und Öl nach wie vor eine zentrale Rolle im chinesischen Energiemix spielen, verfolgt das Land seit über einem Jahrzehnt eine Strategie, die auf die Überlegenheit in grünen Technologien abzielt. Xi Jinping, der 2013 als Staatspräsident an die Macht kam, erklärte bereits im Juni 2014 die Notwendigkeit einer „Energierevolution“. Er erkannte frühzeitig, was Europa erst 2022 schmerzhaft erleben musste: Die Abhängigkeit von fossilen Energien birgt erhebliche geopolitische Risiken. Staaten, die wie China ambitionierte Ziele verfolgen, müssen die Kontrolle über ihre Energiequellen sicherstellen.
Die Entstehung zweier Blöcke
Im neuen Kalten Krieg kristallisieren sich zwei Blöcke heraus, die beide auf Energiedominanz ausgelegt sind. Auf der einen Seite stehen die Petrostaaten, deren Macht im 20. Jahrhundert auf Öl und Gas basierte. Zu diesen gehören die USA unter Donald Trump, Russland sowie Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Auf der anderen Seite formieren sich die Elektrostaaten, die im 21. Jahrhundert einen Wandel von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Ressourcen anstreben, um den Petrostaaten die Machtgrundlagen zu entziehen. An vorderster Front steht China, das von der „Financial Times“ im Mai 2025 als „erster Elektrostaat der Welt“ bezeichnet wurde. Auch die Europäische Union und einige lateinamerikanische Länder zählen zu diesem Block. Der Kampf um Einfluss führt wie im ursprünglichen Kalten Krieg um den Globalen Süden: Indien, Südostasien und afrikanische Nationen sind die Zielregionen in diesem neuen geopolitischen Wettstreit.
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