Die E-Zigaretten-Industrie in Deutschland sieht sich einem potenziellen Rückschlag gegenüber, der durch die Pläne der Bundesregierung ausgelöst wird, 13 Inhaltsstoffe zu verbieten, darunter auch Menthol. Branchenvertreter warnen vor einem möglichen Anstieg des Schwarzmarkts und dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen.
Diese 13 Inhaltsstoffe sind entscheidend für den süßen Geschmack der Vape-Produkte. Dustin Dahlmann, Vorsitzender des Verbands Bündnis für tabakfreien Genuss (BfTG), äußerte sich besorgt: „Ohne diese Inhaltsstoffe wird Vaping für viele Konsumenten unattraktiv – die Nachfrage nach legalen Produkten könnte stark zurückgehen.“ Zudem befürchtet er, dass ein Verkaufsverbot, das bereits sechs Monate nach der Bekanntgabe in Kraft treten soll, zu Lieferengpässen führen könnte. „Die Regale wären leer, der legale Markt würde stagnieren, während der Schwarzmarkt florieren würde,“ so Dahlmann weiter.
Elfbar fordert mehr Zeit für Anpassungen
Die Vaping-Marke Elfbar äußert ebenfalls Bedenken hinsichtlich der kurzen Fristen. Kommunikationsdirektor Jacques Li betont: „Wir benötigen mehr Zeit für den Übergang“ und warnt vor einer möglichen Zunahme des Schwarzmarkts. Seine Firma arbeitet bereits an der Anpassung ihrer Rezepturen, unabhängig von einem möglichen Verbot.
E-Zigaretten, auch Vapes genannt, sind elektronische Geräte, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Flüssigkeit wird durch ein batteriebetriebenes Heizelement erhitzt, verdampft und anschließend inhaliert. Laut BfTG betrug der Umsatz im deutschen Vaping-Markt im Jahr 2025 2,4 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 25 Prozent entspricht.
Die Bedeutung der 13 Inhaltsstoffe
Das Bundesernährungsministerium hat im Januar einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der den Verzicht auf zwölf Kühlstoffe (Cooling Agents) sowie das Süßungsmittel Sucralose vorsieht. Menthol ist der bekannteste dieser Kühlstoffe. Dahlmann erklärt: „Diese Stoffe verstärken die Fruchtaromen und sorgen für ein angenehmes Geschmackserlebnis. Ohne sie würde der Erdbeergeschmack beispielsweise unangenehm wirken.“
Es existieren bereits Liquids, die diese 13 Inhaltsstoffe nicht enthalten, was bedeutet, dass es Konsumenten gibt, die freiwillig darauf verzichten. Dennoch ist Dahlmann skeptisch: „Nur etwa zehn Prozent der in Deutschland legal verkauften Liquids sind bereits frei von diesen Inhaltsstoffen – das ist eine Nische, die nicht jedem Vaper zusagt.“ Eine Umfrage des BfTG unter 432 Vaping-Händlern und -Herstellern zeigt, dass fast 90 Prozent der Unternehmen befürchten, dass Konsumenten auf Schwarzmarktprodukte ausweichen werden. Lediglich 14 Prozent glauben, dass die Kunden auf andere legale Liquids umsteigen würden. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass aufgrund der sinkenden Nachfrage Personalabbau notwendig wäre, was 10.000 der etwa 15.000 Arbeitsplätze in der Branche gefährden könnte.
Gesundheitsrisiken im Fokus der Politik
Das Ministerium rechtfertigt die Verbotspläne mit gesundheitlichen Risiken. Bei mehreren der betroffenen Stoffe wird auf mögliche Schäden an Leber und Nieren hingewiesen; Sucralose könnte sich beim Erhitzen in gesundheitsschädliche Chlorverbindungen zersetzen, während Menthol mit Leberveränderungen und Apathie in Verbindung gebracht wird.
Die Einschätzungen des Ministeriums basieren auf Informationen des Bundesamts für Risikobewertung (BfR). Dessen Experten warnen vor möglichen Missverständnissen, da viele mentholhaltige Arzneimittel existieren und E-Zigaretten-Nutzer fälschlicherweise annehmen könnten, dass Menthol in Liquids ebenfalls gesundheitlich unbedenklich sei.
Widerstand aus der Wissenschaft
Die Pläne der Regierung stoßen auf Widerstand von Suchtforschern. Acht Professoren haben in einem offenen Brief an das Bundesernährungsministerium kritisiert, dass es an belastbaren Erkenntnissen für ein Mentholverbot fehle. Sie fordern stattdessen weitere Forschungen. Heino Stöver, ein Frankfurter Suchtforscher, warnt vor drastischen Folgen eines Verbots: „Das wäre der Tod der E-Zigarette,“ äußerte er sich.
Politische Unterstützung für die Verbotspläne
Die Regierungspläne finden jedoch Unterstützung im Bundestag. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler erklärt, dass die betroffenen Inhaltsstoffe größtenteils einen kühlenden Effekt haben, der tiefere Inhalationen ermöglicht und somit die Lunge stärker schädigen kann. Sie hält die Kritik der Branche für unbegründet und verweist darauf, dass das klassische Tabakrauchen trotz des Anstiegs beim Vaping nicht zurückgeht.
Der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen unterstützt ebenfalls das Verbot und betont, dass weniger verführerische Produkte notwendig seien, um die Suchtgefahr zu reduzieren. Die Argumentation, dass das Aromaverbot den Umstieg für erwachsene Raucher unattraktiver mache, bezeichnet er als „Marketing-Lüge der Industrie“.
Johannes Steiniger von der CDU fordert eine praxisgerechte und wissenschaftlich fundierte Aromenregulierung, die gezielt Produkte anspricht, die für Jugendliche attraktiv sind.
Bildquelle: Chris Bahr auf Unsplash