Der Buckelwal Timmy, der nach einer langen Odyssee und mehreren Strandungen an der Ostseeküste von einer privaten Initiative in die Nordsee transportiert wurde, gilt nach Einschätzung von Fachleuten als wahrscheinlich tot. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund teilte mit, dass das extrem geschwächte Tier „nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“.
Seit der letzten nachweislichen Sichtung des Wals per Drohne am vergangenen Samstag liegen keine unabhängig verifizierbaren Informationen über seinen Aufenthaltsort oder Gesundheitszustand vor. Das Museum betonte, dass es für den Nachweis einer erfolgreichen Rettung entscheidend sei, dass die Privatinitiative genaue Informationen zu dem an dem Wal angebrachten GPS-Tracker sowie alle Roh- und Livedaten des Ortungsgeräts mit einer unabhängigen Organisation teile.
Unklare Umstände der Freisetzung
Die Experten des Meeresmuseums waren über Wochen in die Rettungsbemühungen für den Wal involviert. Gemeinsam mit Fachleuten von Umweltschutzorganisationen kamen sie vor etwa einem Monat zu dem Schluss, dass dem schwer angeschlagenen Tier nicht mehr zu helfen sei und alle weiteren Hilfsversuche eingestellt werden sollten. Der spätere Transport durch die privat finanzierte Initiative fand ohne Beteiligung des Museums statt, was von vielen Experten kritisiert wurde.
Die Privatinitiative hatte den etwa zwölf Meter langen Wal am Dienstag vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern nach tagelangen Vorbereitungen in einen wassergefüllten Lastkahn bugsiert und mit einem Schleppverband aus der Ostsee bis zur Nordspitze von Dänemark transportiert. Dort wurde das Tier am Samstag unter nicht genau bekannten Umständen auf hoher See freigesetzt. Vertreter der Initiative äußerten danach schwere Vorwürfe gegen die Schiffsbesatzung.
Experten äußern Zweifel an den Informationen
Nach der Freisetzung berichtete die Initiative von Signalen eines an dem Wal angebrachten Peilsenders, der jedoch nur eingeschränkt funktioniere und keine Positionsdaten übertrage. Zudem wurde von Vitalwerten des Tiers gesprochen, was Experten in Zweifel zogen, da GPS-Tracker üblicherweise keine derartigen Vitalwerte erfassen können.
Das Meeresmuseum forderte die Privatinitiative ebenfalls zur Aufklärung auf. Unabhängig überprüfbare Erkenntnisse zum Verbleib des Wals seien für die Aufarbeitung des Falls von großer Bedeutung. Dies sei auch im Hinblick auf den Umgang mit zukünftigen Strandungen von Walen wichtig, da eine Klärung im „wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse“ liege.
Der Zustand des Wals und die öffentliche Debatte
Das Museum verwies auf den „extrem geschwächten Zustand“ des Wals, der am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet wurde und danach wochenlang vor der Ostseeküste umherirrte. Er verfing sich in Fischernetzen und strandete trotz mehrfacher Rettungsversuche wiederholt. Experten betrachten dies als sicheres Zeichen für massive Probleme und äußern Zweifel an der Überlebensfähigkeit des Wals.
Es sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon auszugehen, dass der Wal tot sei, erklärte das Meeresmuseum. In der Vergangenheit sah sich das Museum Anfeindungen von selbsternannten Sympathisanten des Wals ausgesetzt. Das Schicksal des Tiers hat seit Wochen zu emotionalen Debatten geführt, wobei eine Unterstützerszene den Behörden und Experten immer wieder Vorwürfe machte. Auch die Privatinitiative kritisierte diese, während sie gleichzeitig durch interne Querelen in die Schlagzeilen geriet.
Quellen: t-online
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