„Wir waren ein Team“: Frau erhält ihr plastiniertes Herz zurück
Martina Grabsch hält stolz ihr eigenes Herz in den Händen. Nach 30 Jahren im eigenen Körper hat sie es nun zurückbekommen – plastiniert und in einem Ehrenplatz in ihrem Regal aufbewahrt. „Das erinnert mich daran, wie stark ich sein kann“, erklärt die 32-Jährige.
Der Tag, an dem Martina Grabsch ihr Herz zurückerhält, ist für sie von großer Bedeutung. Ihr Herz hat seit ihrer Geburt in ihrem Körper geschlagen, war jedoch nie gesund. Dennoch beschreibt sie die Beziehung zu ihrem Herzen mit den Worten: „Mein Herz und ich waren ein Team.“ Die Rückgabe des präparierten Organs, das im Plastinarium im brandenburgischen Guben aufbereitet wurde, symbolisiert für sie den langen Kampf ums Überleben, der von zahlreichen Elektroschocks und Operationen geprägt war. Im vergangenen Jahr erhielt sie schließlich ein Spenderherz.
Ein Herz, das 30 Jahre lang in ihrer Brust schlug
„Ich wollte nicht, dass mein Herz einfach zerschnitten und weggeworfen wird“, erinnert sich Grabsch, die in Wunstorf, Niedersachsen, lebt. Die Vorstellung, es ansehen und anfassen zu können, war für sie viel schöner. Während sie im Januar 2025 auf dem Operationstisch lag, entwickelten ihre Eltern einen Plan: Sie kontaktierten das Plastinarium, das durch den Mediziner Gunther von Hagens und die bekannten „Körperwelten“-Ausstellungen mit plastinierten Menschen bekannt ist, um zu fragen, ob das entnommene Herz präpariert werden könnte.
Das Plastinarium stimmte zu. Der Prozess des Plastinierens ist langwierig und beinhaltet unter anderem das Durchtränken des Organs mit Silikonkautschuk. In den Ausstellungen sind Menschen in verschiedenen Alltagssituationen zu sehen, darunter beim Schachspielen, Sport oder beim Sex. Zudem stellt das Unternehmen auch Lehrpräparate für Hochschulen und Kliniken her. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gubener Plastinate GmbH erhielt Grabsch nun ein besonderes Geschenk: ihr Herz, das drei Jahrzehnte lang in ihrer Brust geschlagen hat.
Ein Platz im Regal für das Herz – umgeben von Schutzengeln
Für das plastinierte Herz plant die 32-Jährige, einen kleinen Schrein einzurichten. Sie hat einen Platz im Regal freigeräumt, wo neben Lichterketten, kleinen Schutzengeln und ihrem alten Defibrillator auch das Herz stehen soll. „Immer wenn ich mich schlecht fühle, kann ich da hinschauen und mir sagen, das habe ich geschafft“, sagt Grabsch. „Das erinnert mich daran, wie stark ich sein kann.“
Ein einmaliges Projekt
Die Entscheidung des Plastinariums, Grabsch dieses Geschenk zu machen, erläutert die Sprecherin Anne Bennewitz: „Normalerweise führen wir solche Auftragsarbeiten nicht durch, das ist ein einmaliges Projekt.“ Ein Großteil des Unternehmens richtet sich an die medizinische Lehre, in der sowohl einzelne Organe als auch zusammenhängende Teile wie der Verdauungstrakt bestellt werden können. Körperspender haben nicht für eine private Nutzung gespendet. „In diesem Fall hätten wir es jedoch nicht übers Herz gebracht, das Herz einfach zu entsorgen“, so Bennewitz.
Zusätzlich kommt hinzu, dass die Familie von Grabsch Notfallsanitäter ausbildet und Erste-Hilfe-Kurse anbietet. „Das Herz wird direkt auch für die Lehre genutzt“, betont Bennewitz. Auch Grabsch hebt hervor: „Wir können zeigen, wie ein nicht gesundes Herz aussieht.“ Ihr Herz sei nie richtig zusammengewachsen. „Man sieht die ganzen Operationsnähte und was alles an meinem Herzen gemacht wurde, zum Beispiel die Kuhhaut, die über ein Loch genäht wurde.“
Kritik an der Plastination
Die 32-Jährige kann die Kritik an der Plastination von Organen und Menschen nicht nachvollziehen. „Ich finde das großartig, weil man so viel sehen und verstehen kann, was im Körper vorgeht.“ Ein Plastikmodell könne dies nicht so anschaulich darstellen – auch den Studierenden helfe die Plastination. Zudem hätten sich alle Menschen, die gespendet haben, bewusst für diese Entscheidung entschieden. Auch ihre Mutter überlegt, ob sie ihren Körper an eine Universitätsklinik oder das Plastinarium spenden soll.
„Das, womit man geboren wurde, war einfach weg“
Heute geht es Grabsch gut. Sie hat sich an ihr neues Herz gewöhnt und beschreibt sich weiterhin als Rentnerin. „Es hat sich anfangs etwas seltsam angefühlt, aber langsam verstehen wir uns“, erklärt sie. Ihr Körper akzeptiert das Spenderherz. „Es fühlt sich manchmal anders an, weil mein altes Herz anders geschlagen hat.“
„Jetzt habe ich zwei Herzen“, sagt die 32-Jährige und ist froh, ihr erstes zurückzuhaben: „Es war komisch, davon getrennt zu sein. Das, was zu mir gehört hat, womit ich geboren wurde, war einfach weg.“
Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert