Wie lässt sich die Lawinengefahr im Tiefschnee erkennen? Nach Neuschnee sollten Wintersportler besonders aufmerksam sein, da abseits der präparierten Pisten das Risiko von Lawinen deutlich erhöht ist.
Die verlockende Frische des Tiefschnees neben den gesicherten Abfahrten zieht viele Skifahrer und Snowboarder an. Doch trotz der scheinbaren Unbedenklichkeit bestehen in diesen Bereichen erhebliche Risiken. Lawinenereignisse in Skigebieten verdeutlichen regelmäßig, dass auch in unmittelbarer Nähe zur Piste Gefahren lauern.
Woran Wintersportler die Gefahr erkennen können
Ein zentrales Problem ist die oft mangelnde Wahrnehmung der Lawinengefahr. „Die Lawine stinkt nicht“, hat der Schweizer Lawinenforscher Werner Munter treffend formuliert. Klare Grundregeln können jedoch helfen, die Gefahren besser einzuschätzen.
„Damit eine Lawine entsteht, braucht es drei Dinge“, erläutert Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Zunächst ist eine ausreichende Steilheit des Hangs erforderlich, daneben sind eine Schwachschicht in der Schneedecke und eine Auslöserstörung notwendig, die häufig durch die Wintersportler selbst provoziert wird. Um das Risiko zu minimieren, ist es ratsam, Hänge einzeln und mit Abstand zu befahren, anstatt in Gruppen.
Steilheit und Lawinengefahrenstufen
Die Analyse der Schneedecke erfordert umfangreiches Fachwissen und ist für Laien oft nicht möglich. Die Steilheit des Hangs lässt sich hingegen einfacher einschätzen. Eine Faustregel besagt, dass Lawinen in der Regel erst bei einem Gefälle von etwa 30 Grad entstehen. „Das sind Hänge, die man nicht mehr direkt aufsteigen kann, sondern nur noch quer und in Kehren“, erläutert Winter.
Nützliche Informationen bieten Neigungskarten oder spezielle Apps, die auf Websites des Alpenvereins oder der App skitourenguru.com zugänglich sind. Diese Tools stellen detaillierte Karten des Alpenraums zur Verfügung.
Achtung ist außerdem geboten, wenn die Lawinengefahrenstufe eine Bewertung von 3 oder höher erreicht. Laut Winter sollten unerfahrene Wintersportler bei dieser Gefahrenstufe keine Hänge über 30 Grad befahren.
Warnzeichen und Handlungsanweisungen
Selbst bei geringer oder moderater Gefahrenstufe gibt es Warnsignale, zum Beispiel „Wumm“-Geräusche, die beim Queren eines Hangs auftreten können. Diese Geräusche deuten auf instabile Schneeschichten hin. Auch das Lösen von Schneeschollen oder das Auftreten kleiner Risse im Schnee sind Zeichen für eine mögliche Gefahrenlage. „In solchen Fällen ist große Vorsicht geboten“, betont Winter und empfiehlt, möglichst schnell zur Piste zurückzukehren.
Spuren im Tiefschnee garantieren nicht zwangsläufig Sicherheit. Zwar können häufig befahrene Hänge stabiler sein, ein Rest-Risiko bleibt jedoch, insbesondere wenn Wintersportler abseits dieser Spuren in unerforschte Bereiche fahren.
Schlussfolgerung und Empfehlungen
Winter rät, innerhalb vorhandener Spuren zu bleiben und Gruppenfahrten zu vermeiden. Es sei wichtig, einzeln zu fahren und neue, unbefahrene Schneefelder zu meiden. Sollten Wintersportler anhalten müssen, sollten sie dies nicht mitten im Hang tun, sondern geschützte Stellen wie Felsen oder Bäume nutzen. So kann man sich im Falle einer Lawine, die oberhalb ausgelöst wird, besser schützen.
Stefan Winter fasst zusammen: Spuren im Tiefschnee sind kein Garant für sichere Verhältnisse. Steile Hänge sollten, insbesondere ab Gefahrenstufe drei, gemieden werden. Ebenso wird empfohlen, nur mit erfahrenen Begleitern in ungesichertes Gelände zu fahren.
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