In einem Bremer Kindergarten wurde ein Kind positiv auf Tuberkulose getestet, nachdem zuvor eine dort beschäftigte Person an der ansteckenden Krankheit erkrankt war. Die Infektion wurde während einer Auslandsreise der betroffenen Mitarbeiterin festgestellt, die sich weiterhin im Ausland aufhält, wie das Gesundheitsressort Bremen mitteilte.
Das betroffene Kind erhielt nach einem Klinikbesuch Antibiotika, um mögliche Komplikationen zu vermeiden. Ob es sich bei diesem Fall um eine offene, also ansteckende Form der Tuberkulose handelt, wird derzeit noch untersucht.
Gesundheitsamt testet 100 Kinder in der Kita
Seit Freitag führt das Gesundheitsamt Tests an rund 100 Kindern der Einrichtung durch, um eine mögliche Infektion mit dem Tuberkulose-Bakterium auszuschließen. Im Anschluss sollen auch die Erwachsenen, die mit den Kindern in Kontakt standen, getestet werden. Eine Sprecherin des Gesundheitsressorts betonte, dass keine Gefahr für die allgemeine Bevölkerung bestehe.
Tuberkulose: Eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung in Deutschland
Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die vor allem die Lunge, aber auch andere Organe wie Nieren, Harnröhre, Lymphknoten, Knochen oder Hirnhaut befallen kann. In der Regel ist die Erkrankung heilbar.
Weltweit erkranken jährlich etwa zehn Millionen Menschen an Tuberkulose, wobei über eine Million Menschen an dieser schweren Krankheit sterben. In Deutschland sind die Fallzahlen vergleichsweise gering; das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 4.070 Erkrankungen, darunter 228 Fälle bei Kindern, wobei Kleinkinder unter fünf Jahren am häufigsten betroffen sind.
Die Krankheit wird in der Regel durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht, das durch die Luft übertragen wird, insbesondere wenn erkrankte Personen husten oder sprechen.
Erkennung der Symptome einer aktiven Tuberkulose
Tuberkulose ist normalerweise nicht hoch ansteckend. Um sich anzustecken, müssen Betroffene längere Zeit in engem Kontakt mit einer erkrankten Person stehen und eine geschwächte Immunabwehr aufweisen.
Zu den häufigsten Symptomen zählen:
- Husten, manchmal mit blutigem Auswurf
- Gewichtsverlust (historisch auch als „Schwindsucht“ bekannt)
- Appetitverlust
- Nachtschweiß
- Fieber
- Atemnot und Brustschmerzen
- Müdigkeit und allgemeines Schwächegefühl
Heilungschancen bei Tuberkulose
Die Krankheit ist medikamentös gut behandelbar, sodass laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 90 Prozent der Tuberkulose-Patienten geheilt werden können. Unbehandelt führt eine aktive Tuberkulose jedoch in etwa 50 Prozent der Fälle zum Tod.
Eine frühzeitige Diagnose und sofortige Behandlung sind entscheidend, um Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen. Das RKI hebt in seinem Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2024 hervor, dass auch Kontaktpersonen von Infizierten getestet werden sollten.
Infektion bedeutet nicht zwangsläufig Erkrankung
Schätzungen zufolge ist etwa ein Viertel der Weltbevölkerung mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert. Die meisten dieser Personen erkranken jedoch nicht und bemerken die Infektion nicht. Bei dieser sogenannten latenten Tuberkulose sind die Betroffenen nicht ansteckend.
Nur fünf bis zehn Prozent der infizierten Personen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine aktive Tuberkulose. Das Risiko ist in den ersten zwei Jahren nach der Ansteckung am höchsten. Zu den Risikogruppen zählen neben Kindern und immungeschwächten Personen auch Menschen mit:
- HIV
- Mangelernährung
- Diabetes
- hohem Tabak- und Alkoholkonsum
Die Hauptursachen für die weit verbreitete Erkrankung in vielen Entwicklungsländern sind Mangelernährung und unzureichende medizinische Versorgung.