Um die Bearbeitung von Massendelikten künftig effizienter und ressourcenschonender zu gestalten, bündeln Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg ihre Kräfte. Ab dem 15. April 2026 wird die neue „Gemeinsame Eingangs- und Bearbeitungsstelle“ (GEBS) im Probebetrieb ihre Arbeit aufnehmen. In dieser Pilotphase werden insgesamt 56 Mitarbeitende des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft eng zusammenarbeiten. Hamburg nimmt mit dieser innovativen Strafverfolgungsstrategie eine Vorreiterrolle in Deutschland ein und setzt neue Maßstäbe in der Kooperation zwischen Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden.
Die Initiative zur Einrichtung der GEBS stammt von einer Arbeitsgruppe, die über einen längeren Zeitraum klare Kriterien und Standards für die gemeinsame Bearbeitung von Verfahren im Bereich der Massenkriminalität entwickelt hat. Zu den Massendelikten zählen unter anderem Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung und Hausfriedensbruch. Neu eingehende Strafverfahren werden nicht mehr wie bisher getrennt bearbeitet, sondern gemeinsam und zielgerichtet.
Ziele der neuen Bearbeitungsstelle
- Schnellere Strafverfolgung und zügige Verfahrenserledigung
- Vermeidung von Doppelarbeit zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft
- Stärkung des Vertrauens in die Strafverfolgungsbehörden und den Rechtsstaat
Um die Verfahren effektiver zu bearbeiten und gegebenenfalls notwendige weitere Ermittlungen zu fördern, wird unmittelbar nach Eingang einer Strafanzeige in der GEBS – unter Berücksichtigung festgelegter Standards und Kriterien – eine Entscheidung über das Verfahren getroffen. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenführung mehrerer Strafverfahren, insbesondere bei Wiederholungstätern, um diese konsequenter verfolgen zu können. Auch können Entscheidungen über Strafbefehlsanträge oder die Erhebung von Anklagen schneller getroffen werden. Verfahren können frühzeitig eingestellt werden, wenn beispielsweise kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht oder keine Ermittlungsansätze vorliegen.
Die Zusammenarbeit unter einem Dach erleichtert die Abstimmungen und minimiert Doppelarbeit, was zu beschleunigten Verfahrensabläufen führt.
Zusammensetzung der GEBS
Zu den 56 Mitarbeitenden der GEBS gehören 40 Mitarbeitende der Polizei, darunter Entscheiderinnen und Entscheider sowie Kriminalassistentinnen und Kriminalassistenten. Die Staatsanwaltschaft stellt 16 Mitarbeitende, darunter Dezernentinnen und Dezernenten sowie Servicekräfte. Die Hamburger Polizei rechnet damit, jährlich rund 35.000 Verfahren aus dem entsprechenden Deliktskatalog in die GEBS zu leiten. Der Probebetrieb ist zunächst auf mindestens ein Jahr angelegt, danach sollen die Ergebnisse und Erfahrungen evaluiert werden.
Stimmen der Verantwortlichen
Innensenator Andy Grote erklärte: „In Hamburg arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt an zwei Seiten des gleichen Schreibtisches zusammen. Die gemeinsame Eingangs- und Bearbeitungsstelle ist eine bundesweite Innovation, die die Effizienz und Leistungsfähigkeit der Strafverfolgungsbehörden deutlich erhöht und Doppelarbeit vermeidet. Wiederholungstäter können schneller zur Rechenschaft gezogen werden, während bei fehlenden Ermittlungsansätzen keine Ressourcen aufgebracht werden, die für die Verfolgung schwerer Verbrechen besser eingesetzt werden können.“
Justizsenatorin Anna Gallina ergänzte: „Hamburg entwickelt die Strafverfolgung weiter und optimiert die Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die hohen Zahlen bei Massendelikten erfordern neue Lösungsansätze. Die räumliche Nähe erleichtert Abstimmungen und beschleunigt die Verfahren, was das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat stärkt.“
Polizeipräsident Falk Schnabel betonte: „Diese bundesweit einmalige Form der Zusammenarbeit wird die Kriminalitätsbekämpfung in Hamburg deutlich effektiver gestalten. Die Abläufe werden beschleunigt, und die Bürgerinnen und Bürger erhalten schneller Rückmeldungen zu ihren Strafanzeigen.“
Generalstaatsanwalt Dr. Jörg Fröhlich äußerte sich ebenfalls positiv: „Nach intensiver Vorbereitung freue ich mich, dass wir durch die elektronische Akte und eine Professionalisierung der Strukturen bessere Ergebnisse im Bereich der Massendelikte erzielen können, ohne Personal aufstocken zu müssen.“
Im Koalitionsvertrag der 23. Legislaturperiode der Hamburgischen Bürgerschaft haben SPD und Grüne vereinbart, die Effektivität der Strafverfolgung durch eine gemeinsame Strategie zu erhöhen. Die Pilotierung der GEBS soll dazu beitragen, Ressourcen gezielter einzusetzen und die Bearbeitung von Massendelikten ökonomisch zu gestalten.
Medienanfragen
Für Rückfragen stehen folgende Ansprechpartner zur Verfügung:
- Behörde für Justiz und Verbraucherschutz: Dennis Sulzmann, Telefon: 040 42843-3143, E-Mail: pressestelle@justiz.hamburg.de
- Behörde für Inneres und Sport: Daniel Schaefer, Telefon: 040 42839 2673, E-Mail: pressestelle@bis.hamburg.de
- Generalstaatsanwaltschaft Hamburg: Pressestelle der Staatsanwaltschaften, Telefon: 040 42843-2588, E-Mail: Pressestelle-Staatsanwaltschaft@sta.justiz.hamburg.de
Für aktuelle Informationen können Interessierte den WhatsApp-Kanal der Polizei Hamburg abonnieren.
„`
Bildquelle: Shutterstock