In der Havelland-Klinikgruppe in Rathenow, Brandenburg, steht ein Kinderarzt im Verdacht, sexualisierte Gewalt an Kindern begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat Anklage gegen den Mediziner erhoben, der in insgesamt 130 Fällen beschuldigt wird.
Die Vorwürfe umfassen schwere sexuelle Übergriffe auf Kinder sowie Vergewaltigung, wobei viele der Taten während seiner Dienstzeit im Krankenhaus stattfanden. Der Kinderarzt befindet sich seit November des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Dimension der Vorwürfe war bis zur Anklageerhebung nicht vollständig bekannt. Laut der Anklagebehörde sollen die Straftaten über einen Zeitraum von zwölf Jahren, konkret zwischen Anfang Dezember 2013 und dem 5. November 2025, begangen worden sein.
Ermittlungen und erste Hinweise
Erste Hinweise auf die Taten kamen im Januar dieses Jahres ans Licht, als bekannt wurde, dass der Arzt während seiner Dienstzeit in Rathenow ein Kind sexuell missbraucht haben soll. Die Mutter des betroffenen Kindes hatte Anzeige erstattet, was zu umfangreichen polizeilichen Durchsuchungen führte. Dabei wurden zahlreiche Datenträger sichergestellt, um mögliche weitere Opfer zu identifizieren. Die Staatsanwaltschaft nannte auch die Wiederholungsgefahr als Grund für die Untersuchungshaft.
Reaktionen der Klinik und der Öffentlichkeit
Die Havelland Klinikgruppe äußerte sich besorgt über die Vorwürfe und betonte, dass das Vertrauen von Patientinnen und Patienten sowie deren Familien erheblich erschüttert worden sei. Um die Situation zu klären, wurde ein Hinweistelefon eingerichtet.
„Die von der Staatsanwaltschaft im Zuge der Anklageerhebung genannte Schwere der Vorwürfe und die nun auch uns bekanntgewordene Dimension erschüttert uns zutiefst“, erklärte die Klinikgruppe in einem Statement.
Die Staatsanwaltschaft hielt sich in den vergangenen Monaten bezüglich weiterer Details bedeckt. Nach der Anklageerhebung am 6. Mai wurden keine zusätzlichen Informationen bereitgestellt, da die Akte der Pressestelle des Landgerichts Potsdam noch nicht vorlag.
Schutzmaßnahmen und zukünftige Schritte
Der frühere Landesinnenminister René Wilke (SPD) lobte die zügigen Ermittlungen der Polizei und betonte, dass durch diese Maßnahmen möglicherweise weitere Gefahren für Kinder abgewendet werden konnten. Die Havelland-Kliniken haben angekündigt, ihre Schutzmechanismen zu überprüfen und den Fall mit Unterstützung von Experten aufzuarbeiten. Dabei wurde festgestellt, dass das geltende Vier-Augen-Prinzip, welches vorschreibt, dass bei der Untersuchung von Kindern immer zwei Personen anwesend sein müssen, nicht eingehalten wurde.
- Das Kinderschutzkonzept wird künftig Bestandteil aller Arbeitsverträge bei Neueinstellungen.
- Mitarbeitende mit regelmäßigem Kontakt zu minderjährigen Patientinnen und Patienten müssen alle drei Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, zusätzliche Sicherheit zu schaffen und die bestehenden Schutzmechanismen weiterzuentwickeln. Angesichts der Vorwürfe gegen den Kinderarzt plant die Landeskrankenhausgesellschaft, sich mit den Kinderschutzkonzepten aller Kliniken in Brandenburg auseinanderzusetzen.
Quellen: mopo
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