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Was Kiews Bürger im eisigen Winter ertragen müssen

„Wir sind auf den Kanaren. Wir sind auf den Malediven“, scherzte ein Kiewer Bürger über seine prekäre Wohnsituation. Angesichts von zweistelligen Minusgraden und vermehrten Stromausfällen…

Was Kiews Bürger im eisigen Winter ertragen müssen

„Wir sind auf den Kanaren. Wir sind auf den Malediven“, scherzte ein Kiewer Bürger über seine prekäre Wohnsituation. Angesichts von zweistelligen Minusgraden und vermehrten Stromausfällen kämpfen die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt mit den enormen Herausforderungen des Winters.

Schwerster Winter seit Kriegsbeginn

Der Winter 2023/2024 stellt für die Ukraine, insbesondere für Kiew, eine der härtesten Prüfungen seit dem russischen Einmarsch im Jahr 2022 dar. Die massiven Angriffe Russlands auf Energieinfrastruktur haben dazu geführt, dass Hunderttausende Menschen in der Hauptstadt und anderen großen Städten wie Charkiw, Dnipro und Odessa kein Licht und keine Heizung haben. Die Temperaturen sinken nachts bis auf minus 20 Grad.

Alltag in der Kälte

Die Straßen Kiews sind gefüllt mit Menschen, die in dicken Jacken und Mützen bei minus zwölf Grad auf ungeräumten und teilweise vereisten Bürgersteige vorsichtig navigieren. In vielen Geschäften laufen Notstromaggregate, während diese aufgrund der Stromknappheit oft nur eingeschränkte Waren anbieten können.

Die Kälte und der ständige Kampf um Wärme haben dazu geführt, dass viele Stadtbewohner Ziegelsteine auf Gasherden aufheizen, um sie als Wärmequelle in ihren Betten zu nutzen. Vitalik Klitschko, der Bürgermeister Kiews, betont, dass die Mitarbeiter der Energieunternehmen rund um die Uhr arbeiten, um die Schäden zu beheben. Dennoch sind rund 300 Wohnblöcke oft komplett ohne Heizungen.

Vorbereitungen und Herausforderungen

Um einen Teil der schockierenden Folgen der Energiemängel zu mildern, wurden in Kiew über 1200 Aufwärmpunkte eingerichtet. Diese Einrichtungen bieten den Bürgern die Möglichkeit, sich bei einer Tasse Tee aufzuwärmen und ihre Mobilgeräte aufzuladen. Trotz dieser Maßnahmen bleibt eine spürbare Unsicherheit, da der öffentliche Nahverkehr und viele alltägliche Aktivitäten durch die fortwährenden Stromausfälle stark beeinträchtigt sind.

Kritik und politische Spannungen

Die schwierige Lage führt auch zu Spannungen zwischen Klitschko und Präsident Wolodymyr Selenskyj. Letzterer hat die Stadtregierung für eine vermeintliche Unzulänglichkeit bei den Vorbereitungen kritisiert. Klitschko wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von „Manipulationen“ und „offenkundiger Unwahrheit“.

Die Prognosen deuten darauf hin, dass die frostigen Temperaturen noch mindestens drei Wochen anhalten werden, was die Lage in Kiew weiter zuspitzen könnte.

Bildquelle: Bildquelle: Wolfgang Weiser auf Unsplash

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