Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken durch längere Arbeitszeiten
29.05.2026, 04:01 Uhr
Die erneute Diskussion über eine mögliche Anpassung der Arbeitszeiten sorgt für Unmut bei den Gewerkschaften. Sie sehen in einer Abkehr vom traditionellen Acht-Stunden-Tag eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit der Arbeitnehmer. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hingegen zeigt sich offen für diese Idee und hat einen Vorschlag unterbreitet.
In der Debatte um eine Reform des Arbeitszeitgesetzes äußern die Gewerkschaften Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen einer möglichen Aufweichung des Acht-Stunden-Tages.
„Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die nicht nur den Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem“,
erklärte Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie fügte hinzu:
„Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten. Änderungen am Arbeitszeitgesetz lehnen wir ab: Das aktuelle Gesetz sichert die Gesundheit der Beschäftigten und verhindert, dass Menschen wie Maschinen behandelt werden.“
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) äußerte sich kritisch zu einer möglichen Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Ihr Vorsitzender Guido Zeitler warnte vor einem „Rückschritt in Zeiten, die wir nicht zurückhaben möchten“. Er verwies auf arbeitsmedizinische Studien, die belegen, dass lange Arbeitszeiten gesundheitsschädlich sind.
„Das Arbeitszeitgesetz ist seit jeher ein Schutz für Beschäftigte vor den Ansprüchen und der Willkür ihrer Vorgesetzten“,
betonte Zeitler.
„Heute scheinen die Belastbarkeitsgrenzen von Beschäftigten jedoch vergessen zu sein.“
Er sieht die Absicht der Arbeitgeber in der aktuellen Diskussion darin, „ihre Beschäftigten nach Belieben einzusetzen“. Zudem gibt es Berichte, dass Mercedes Fahrzeuge wegen Antriebsfehlern zurückgerufen werden.
Historie des Acht-Stunden-Arbeitstags
Der Acht-Stunden-Arbeitstag ist seit 1918 in Deutschland etabliert. Die Bundesregierung plant nun eine Reform des Arbeitszeitgesetzes, die eine wöchentliche Höchstarbeitszeit anstelle des starren Acht-Stunden-Tages einführen soll, um mehr Flexibilität zu ermöglichen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte an, in Kürze einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.
Vorschläge des Instituts der deutschen Wirtschaft
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt vor, die Arbeitszeit zunächst nur für bestimmte Berufsgruppen zu erweitern.
„Wenn man zu große Sorgen um den Arbeitsschutz hat, könnte man in einem ersten Schritt die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte konzentrieren, wo keine Gesundheitsrisiken drohen: die Bürobeschäftigten“,
erklärte Oliver Stettes, Arbeitsmarktexperte des IW, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er plädiert für eine Reform der Regelungen zur täglichen Arbeitszeit.
„Eine Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit kann Beschäftigten und Unternehmen helfen, private Wünsche und Anforderungen mit betrieblichen Notwendigkeiten besser auszubalancieren.“
„`
Quellen: n-tv