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Vetternwirtschaft & Co.: Die AfD tut genau das, was sie vorgibt zu bekämpfen

Die AfD sieht sich mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft konfrontiert, während sie gleichzeitig die Korruption der „Altparteien“ anprangert. Fälle in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern zeigen, wie tief die Parteiführung in fragwürdige Machenschaften verstrickt ist.

Vetternwirtschaft & Co.: Die AfD tut genau das, was sie vorgibt zu bekämpfen

Die AfD zeigt sich überzeugt: Nichts und niemand kann uns aufhalten, irgendwann werden wir an die Macht kommen! Doch zu Beginn des „Superwahljahres“ 2026, das fünf Landtagswahlen umfasst, gerät die vermeintlich bürgerliche Fassade der Partei erheblich ins Wanken. Sie wird durch Vetternwirtschaft, interne Machtkämpfe und gravierende Fehltritte in den Fokus gerückt. Diese Entwicklungen könnten weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen.

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Die AfD hat stets betont, dass die „Altparteien“ keine Politik im Sinne der Bürger machen, sondern sich lediglich an staatlichen Mitteln bereichern. Diese Erzählung hat der Partei bisher viel Erfolg beschert, obwohl sie selbst bereits durch fragwürdige Finanzpraktiken aufgefallen ist. Umso peinlicher ist es, dass die AfD nun selbst mit gravierender Vetternwirtschaft in mehreren Landesverbänden sowie im Europaparlament konfrontiert ist. Besonders brisant ist der Fall in Sachsen-Anhalt, wo der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund offenbar ein System etabliert hat, von dem führende Abgeordnete und Funktionäre profitieren.

„Familiennachzug“ in der AfD

Das zugrunde liegende Prinzip ist häufig eine Über-Kreuz-Anstellung: Wenn du meinem Mitarbeiter einen Job gibst, stelle ich im Gegenzug deine Verwandte in meinem Büro ein. So soll Siegmunds Vater einen Job im Büro eines AfD-Bundestagsabgeordneten erhalten haben, der mit über 7700 Euro monatlich dotiert ist. Der AfD-Politiker selbst spielt die Vorwürfe herunter und äußert sich nicht weiter.

Doch nicht nur dieser Fall sorgt innerhalb der Partei für Kopfschütteln. Co-Parteichef Tino Chrupalla räumte in einer Talkshow ein, dass die Situation in Sachsen-Anhalt ein „Geschmäckle“ habe. Der rechte Publizist und AfD-Vordenker Götz Kubitschek äußerte sich noch deutlicher: Es sei nichts schönzureden, der Schaden sei bereits angerichtet und die Glaubwürdigkeit der AfD habe Risse bekommen. „Tünche reicht nicht, aufräumen muss man“, so sein Fazit.

Betroffene Abgeordnete und interne Konflikte

Es gibt jedoch viel zu tun. Ähnliche Vorwürfe der Vetternwirtschaft sind auch in Brandenburg und Niedersachsen laut geworden. Im Bundestag geht man sogar davon aus, dass etwa die Hälfte der 151 AfD-Abgeordneten in Berlin „direkt oder indirekt“ von diesen Über-Kreuz-Anstellungen betroffen ist. Besonders brisant sind die Anschuldigungen gegen den Landesvorstand in Niedersachsen, die von eigenen Mitgliedern stammen. Diese haben einen Brief an Parteichefin Alice Weidel verfasst, in dem sie sie auffordern, im Landesverband für Klarheit zu sorgen. Weidel hat sich vorerst darauf zurückgezogen, dass sie sich noch kein abschließendes Bild machen könne. Dies verstärkt den Eindruck, dass die Parteiführung dem korrupten Verhalten ihrer Funktionäre tatenlos zusieht.

Im Europaparlament wurde erneut die Immunität des ehemaligen AfD-Spitzenkandidaten Petr Bystron aufgehoben. Der Vorwurf lautet, dass Bystron während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter eine Reinigungskraft für seine privaten Räumlichkeiten aus Steuermitteln bezahlt haben soll.

Politische Uneinigkeit und interne Differenzen

Zusätzlich zu diesen Skandalen bröckelt auch die politische Einigkeit innerhalb der AfD. Dies zeigt sich beispielsweise in der Außenpolitik: Während Chrupalla ungeniert russische Propaganda verbreitet und den Kreml als potenziellen Partner sieht, bleibt Weidel eng mit Donald Trump verbunden.

Die Differenzen innerhalb der Partei sind auch bei innenpolitischen Themen deutlich. So gibt es Streit über die Wehrpflicht. Der verteidigungspolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Rüdiger Lucassen, kritisierte kürzlich eine Aussage von Björn Höcke, der sinngemäß erklärt hatte, dass es dieses Deutschland nicht wert sei, verteidigt zu werden. Lucassen erhielt für seine öffentliche Kritik an Höcke eine offizielle „Missbilligung“ durch den Parteivorstand. Dieser Konflikt steht symbolisch für einen Richtungsstreit innerhalb der AfD – zwischen jenen, die den bestehenden Staat in ihrem Sinne verändern wollen, und denen, die das gesamte System umstürzen möchten.

Blamagen und Umfragewerte

Darüber hinaus gibt es in den Reihen der AfD Personen, die durch Geltungssucht und Ignoranz die Partei blamieren und Argumente für ein mögliches Verbotsverfahren liefern. Ein Beispiel ist der Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf, der kürzlich auf einer Plattform äußerte, dass man auch in Deutschland Richter verhaften könne und solle. Dies bezog sich auf angebliche Verhaftungen in den USA. Obwohl man Trump grundsätzlich alles zutrauen kann, war Moosdorf in diesem Fall offensichtlich auf Fake News hereingefallen. Obwohl er den Tweet nach einigen Stunden löschte, wird der Verfassungsschutz dies dennoch zur Kenntnis genommen haben.

Die AfD befindet sich also zu Beginn eines Jahres, in dem sie eigentlich mindestens einen Ministerpräsidenten-Posten anstreben wollte, in einer prekären Lage. Auch in den Umfragen zeigt sich die Unruhe: Die AfD stagniert seit geraumer Zeit, während die Union bereits seit Wochen wieder die stärkste Kraft im Land ist. Die AfD könnte somit nicht die erste rechte Bewegung sein, die mit großen Versprechen Erfolge erzielt und dann durch eigene Dummheit und Korruption alles wieder zunichte macht.

Bildquelle: Frank Rietsch auf Pexels

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