Richterbund schlägt Alarm wegen Rekordzahl an unerledigten Strafverfahren in Deutschland
Die deutsche Strafverfolgung befindet sich an einem kritischen Wendepunkt: Über eine Million Verfahren sind derzeit unbearbeitet. Der Deutsche Richterbund (DRB) zeigt sich besorgt und spricht von einer „Strafverfolgung nach Kassenlage“. Diese Aussage illustriert die erheblichen Probleme, mit denen die Staatsanwaltschaften kämpfen müssen.
Unerledigte Verfahren übersteigen 1,1 Millionen
Aktuellen Informationen des DRB zufolge sind zum Ende des ersten Halbjahres 2026 mehr als 1,1 Millionen Strafverfahren bundesweit offen. Dies entspricht einem Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 belief sich die Zahl noch auf etwa 709.367 offene Verfahren, was die alarmierende Entwicklung innerhalb der deutschen Justiz verdeutlicht.
Neuer Anstieg der Fallzahlen bei Staatsanwaltschaften
Im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Staatsanwaltschaften laut DRB über 2,7 Millionen neu eingegangene Verfahren, was einem Anstieg von etwa 52.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Es wird erwartet, dass die Gesamtzahl der neuen Verfahren im gesamten Jahr 2026 die Marke von 5 Millionen überschreiten könnte, was einen neuen Rekord darstellen würde.
Unterschiedliche Belastungen in den Bundesländern
Die Arbeitsbelastung der Staatsanwaltschaften zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während Schleswig-Holstein einen Anstieg der offenen Verfahren um über 43 Prozent verzeichnete, lag der Zuwachs in Mecklenburg-Vorpommern bei knapp 40 Prozent. In Hessen zählte man Ende Juni 2026 etwa 122.500 offene Fälle, was ebenfalls einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Nordrhein-Westfalen meldete 300.100 unerledigte Verfahren, was einem Zuwachs von 12,4 Prozent entspricht.
Forderungen nach gezielten Entlastungsmaßnahmen
Angesichts der steigenden Fallzahlen und der wachsenden Aktenbestände fordert der DRB von den Landesregierungen entschlossenes Handeln. Trotz der Schaffung neuer Stellen in einigen Bundesländern wächst die Zahl der Verfahren schneller als die Verfügbarkeit von Personal, was in vielen Staatsanwaltschaften zu anhaltenden Überlastungen führt.
Politische Antworten und geplante Maßnahmen
Die Bundesregierung sowie die Länder haben den „Rechtsstaatspakt“ ins Leben gerufen, der die Schaffung von 2000 zusätzlichen Stellen für Richterinnen und Staatsanwälte vorsieht. Diese Initiative soll dazu dienen, die Situation in der Justiz zu verbessern und das Vertrauen der Bevölkerung in die Strafverfolgung zu stärken. Der DRB warnt jedoch, dass der Eindruck einer mangelhaften Strafverfolgung das Vertrauen der Bürger in die Justiz gefährden könnte.
Quellen: n-tv, Die Zeit
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