Die steigenden Lebenshaltungskosten stellen für viele Menschen in Deutschland eine ernsthafte Bedrohung dar. Die Angst, dass das eigene Geld nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern, wächst. Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit mit der politischen Situation auf einem historischen Tiefpunkt. Dennoch zeigen sich die Deutschen in einigen Bereichen optimistischer als im Vorjahr.
Angstindex zeigt leichte Zunahme
Die Ergebnisse der Studie „Die Ängste der Deutschen“ der R+V-Versicherung belegen, dass die Bevölkerung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Zunahme der Ängste verzeichnet. Der sogenannte Angstindex stieg um einen Prozentpunkt von 37 auf 38 Prozent. Laut Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch liegt das Angstniveau jedoch „deutlich unter dem Spitzenwert von 52 Prozent im Jahr 2016“.
Hauptsorge: Lebenshaltungskosten
Die größte Angst der Befragten betrifft die weiter steigenden Lebenshaltungskosten. „Insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung befürchten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht“, erklärt Brower-Rabinowitsch. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um sieben Prozent. „Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist“, so der Studienleiter.
Angst-Index in Deutschland
- 59 % der Bevölkerung fürchten, dass ihr Geld nicht ausreicht.
- 53 % haben Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen.
- 52 % befürchten eine Überforderung des Staates durch Geflüchtete.
- 51 % sorgen sich um eine schlechtere Wirtschaftslage.
- 50 % empfinden das Wohnen in Deutschland als unbezahlbar.
Sinkendes Vertrauen in die Politik
Die zweitgrößte Angst der Befragten betrifft Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen, wobei 53 Prozent große Sorgen äußern (plus vier Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Brower-Rabinowitsch merkt an: „Für die Finanzierung von Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur will der Staat viel Geld in die Hand nehmen.“ Professorin Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg ergänzt: „Den Bürgerinnen und Bürgern ist klar, dass die steigenden Ausgaben entweder durch höhere Abgaben, geringere Leistungen oder zusätzliche Verschuldung ausgeglichen werden müssen.“ Diese Sorgen sind eng verbunden mit der Frage nach der Fairness, wer die Kosten der Modernisierung tragen soll.
Vertrauensverlust in die Regierung
Ein ähnlicher Trend zeigt sich beim Vertrauen in die Politik. 48 Prozent der Befragten (2025: 42 Prozent) äußern die Befürchtung, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist. Brower-Rabinowitsch spricht von einem „deutlichen Vertrauensverlust“. Die Befragten wurden aufgefordert, Regierung und Opposition mit Schulnoten zu bewerten. Der Notendurchschnitt liegt in diesem Jahr bei 4,1, was auf ein Langzeit-Tief hinweist. „Noch schlechter waren die Noten zuletzt während der Regierung Merkel im Jahr 2018“, so der Studienleiter.
Weniger Sorgen in anderen Bereichen
Im Gegensatz zu den steigenden Ängsten in Bezug auf die Lebenshaltungskosten gibt es auch Bereiche, in denen die Deutschen weniger besorgt sind als im Vorjahr. So ist die Angst vor Naturkatastrophen von 36 auf 27 Prozent gesunken. Auch die Sorgen über den Klimawandel sind zurückgegangen, von 36 auf 30 Prozent. Borucki erklärt: „Die Folgen der Klimakrise sind für die Menschen deutlich erlebbar. Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen wird das Gefühl der Angst offenbar durch Resignation überlagert.“ Sie fordert die Regierung auf, zukunftsgerichtete Klimapolitik zu betreiben, was eine Chance für das Land und die Wirtschaft darstellen könnte.
Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit
Die Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage hat hingegen zugenommen. 51 Prozent der Befragten äußern diese Sorge, was einen Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. „Die Angst vor einer Rezession ist um zehn Prozentpunkte gestiegen – stärker als jede andere Sorge“, so Brower-Rabinowitsch. Im Gegensatz dazu ist die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes auf einem Tiefstwert angekommen: „Nur 20 Prozent der Erwerbstätigen befürchten, ihren Job zu verlieren.“
Für die repräsentative Stichprobe wurden 2400 Personen im Alter ab 14 Jahren befragt, davon 1600 in West- und 800 in Ostdeutschland. Die Erhebung fand von Mitte Mai bis Ende Juli statt. Die Befragten äußerten sich in persönlichen Interviews zu geschlossenen Fragen und sollten auf einer Skala von 1 (gar keine Angst) bis 7 (sehr große Angst) antworten. Die Werte 5, 6 und 7 wurden als „große Angst“ zusammengefasst.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Bildquelle: nrd auf Unsplash
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.