Die US-Regierung unter Donald Trump hat an die Regierungen von Deutschland und Frankreich appelliert, ihre Diesel-Notreserven abzubauen. Sollte dies verweigert werden, droht Washington mit einem möglichen Exportverbot für Diesel aus den USA, wie vertrauliche Quellen berichten.
Innerhalb der nächsten sechs Monate fordert die USA von der Europäischen Union die Freigabe von insgesamt 120 Millionen Barrel Diesel. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die globalen Kraftstoffpreise zu senken. Die Regierung Trump erhofft sich durch die Freisetzung der Notreserven eine Stabilisierung der Märkte, die durch verschiedene geopolitische Spannungen unter Druck geraten sind.
Erhöhter Druck auf die EU
In den Kreisen der US-Regierung wird die Kritik an den Regierungen in Berlin und Paris lauter. Ihnen wird vorgeworfen, die zugesagten Ölreserven nicht vollständig bereitzustellen. Diese Vereinbarung zur Freigabe nationaler Reserven wurde Anfang des Jahres im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA) getroffen, um die durch den Konflikt mit dem Iran verursachten Lieferengpässe abzumildern.
Im März beschloss die IEA, weltweit etwa 400 Millionen Barrel an Notreserven freizugeben. Die USA haben zugesagt, 172 Millionen Barrel zur Verfügung zu stellen, während die EU-Staaten sich verpflichtet haben, 20 Prozent des gesamten Volumens beizutragen.
Strategische Dieselreserven in Deutschland und Frankreich
Deutschland und Frankreich halten zusammen mehr als ein Drittel der strategischen Dieselreserven der EU. Deutschland verfügt über 5,6 Millionen Tonnen Diesel, während Frankreich 8,2 Millionen Tonnen bereitstellt. Die EU-Vorschriften verlangen von den Mitgliedstaaten, dass sie Notfallölreserven vorhalten, die mindestens 90 Tage Nettoimporte oder 61 Tage Inlandsverbrauch abdecken.
Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat die EU verstärkt daran gearbeitet, ihre Abhängigkeit von russischem Treibstoff zu reduzieren. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten sind die heimischen Raffineriekapazitäten erheblich gesenkt worden, was Europa zwingt, auf Dieselimporte aus den USA zurückzugreifen. Dies wird umso dringlicher, da die Konflikte im Nahen Osten die Lieferwege erheblich beeinträchtigen.
Reaktionen aus der EU
Auf eine Anfrage zu den Vorwürfen aus Washington hat die Europäische Union bislang keine Stellungnahme abgegeben. Die Situation wirft die Frage auf, ob Europa in neue Abhängigkeiten geraten könnte, während es gleichzeitig versucht, bestehende abzubauen.
Die Diskussion über die Dieselreserven und die Verpflichtungen der EU-Staaten bleibt kontrovers. Die Forderungen aus den USA könnten weitreichende Folgen für die Energiepolitik der EU haben und die Dynamik der internationalen Beziehungen im Energiesektor beeinflussen.
Quellen: Focus, Handelsblatt
Bildquelle: The White House via Wikimedia Commons (Public domain)
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