Ein Vorfall im Finnischen Meerbusen wirft Fragen auf: Der Frachter Västerbotten wurde von russischen Grenzschützern festgehalten, während er auf dem Weg nach Estland war. Dies berichtet der estnische Rundfunk ERR. Das unter zypriotischer Flagge fahrende Schiff gehört einer Firma aus Niedersachsen und befand sich auf der Route vom schwedischen Mönsterås zum estnischen Hafen Sillamäe, als es in russische Hoheitsgewässer einfuhr.
Unklare Gründe für die Festhaltung
Laut den Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Vesselfinder passierte die Västerbotten zunächst die russischen Territorialgewässer. Anschließend ankerten die Besatzung und das Schiff mehrere Stunden in diesen Gewässern, was mutmaßlich während einer Kontrolle durch die russischen Behörden geschah. Inzwischen hat der Frachter seine Fahrt fortgesetzt und den Hafen von Sillamäe erreicht.
Rechtliche Grundlagen der Kontrolle
Die Gründe für die Festhaltung des Frachters sind bislang unklar. Die estnische Transportverwaltung hat nach Angaben von ERR keine Erklärung von russischer Seite erhalten. Grundsätzlich ist die friedliche Durchfahrt durch russische Gewässer erlaubt, was durch eine Vereinbarung zwischen Russland, Estland und Finnland geregelt ist. Diese Regelung ermöglicht es Schiffen, sicherer durch die Gewässer zu navigieren, als es in den flacheren estnischen Gewässern der Fall wäre. Dennoch bedeutet die Erlaubnis zur Durchfahrt nicht, dass Schiffe von Kontrollen ausgenommen sind.
„Jedes Land hat das Recht, Schiffe in seinen Territorialgewässern zu kontrollieren“,
erklärte Are Piel von der estnischen Transportverwaltung.
Geopolitische Spannungen im Hintergrund
Die Festsetzung des Frachters fällt in eine Zeit, in der die Spannungen zwischen Russland und europäischen Staaten auf See zunehmen. Kremlchef Wladimir Putin drohte im August, auf die Kontrolle von Schiffen der russischen Schattenflotte durch europäische Staaten mit ähnlichen Maßnahmen gegen europäische Handelsschiffe zu reagieren. Ob die Kontrolle der Västerbotten in Zusammenhang mit diesen Drohungen steht, bleibt unklar.
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