Nordkorea: Schwere Menschenrechtsvorwürfe wegen „Squid Game“
Nordkorea sieht sich erneut massiver Kritik aufgrund schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Berichten zufolge sollen Schüler hingerichtet worden sein, weil sie die Serie „Squid Game“ konsumiert haben. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem System brutaler Repression und drastischen Strafen für den Besitz ausländischer Medien.
Strenge Strafen für den Konsum südkoreanischer Medien
Aktuellen Berichten von Amnesty International zufolge wurden in Nordkorea Menschen, darunter auch Jugendliche, wegen des Konsums südkoreanischer Medien, wie der Netflix-Serie „Squid Game“ und südkoreanischer Popmusik, hart bestraft. Diese Informationen stammen aus Interviews mit nordkoreanischen Flüchtlingen, die von öffentlichen Hinrichtungen, Arbeitslagern und anderen repressiven Maßnahmen berichteten.
- Das nordkoreanische Regime betrachtet den Konsum südkoreanischer Serien als politisch gefährlich.
- In der Provinz Yanggang, nahe der chinesischen Grenze, sollen Schüler hingerichtet worden sein, nachdem sie „Squid Game“ gesehen hatten.
- Die Weitergabe der Serie an andere Personen führte ebenfalls zu extremen Strafen.
Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut
Amnesty International führte Interviews mit etwa 25 Personen, die zwischen 2012 und 2020 aus Nordkorea geflohen sind. Demnach wird der Konsum verbotener Inhalte durch das seit 2020 geltende Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut und Kultur kriminalisiert. Dieses Gesetz stuft südkoreanische Medien als „verrottete Ideologie“ ein, die es zu bekämpfen gilt. Wer solche Inhalte konsumiert oder besitzt, riskiert mehrere Jahre Zwangsarbeit, während die Verbreitung noch härtere Strafen, einschließlich der Todesstrafe, nach sich ziehen kann.
Ein System der Angst und Korruption
Die Interviews zeigen, dass nicht jeder, der beim Konsum ausländischer Medien erwischt wird, gleich hart bestraft wird. Oft bestimmen finanzielle Verhältnisse und persönliche Beziehungen das Strafmaß: Wohlhabendere Personen können durch Bestechung mildere Strafen oder Verwarnungen erhalten, während ärmere Menschen ohne Schutz härter bestraft werden.
Zeugen berichteten zudem, dass Kinder und Jugendliche gezwungen werden könnten, an öffentlichen Hinrichtungen teilzunehmen. Dies geschieht angeblich im Rahmen einer staatlich verordneten „ideologischen Erziehung“, die darauf abzielt, ein Klima der Angst vor ausländischen Einflüssen zu schaffen.
Hintergrund: Strenge Informationskontrolle
Nordkorea gilt als eines der am stärksten abgeschotteten Länder weltweit, in dem der Zugang zu externen Nachrichten und Medien streng kontrolliert wird. Der Besitz ausländischer Filme, Serien oder Musik ist offiziell verboten; Radios und Fernseher müssen auf staatliche Sender fest eingestellt sein. Diese Maßnahmen dienen der politischen Kontrolle und der Abschottung der Bevölkerung von externen Einflüssen.
Trotz dieser strengen Verbote konsumieren ehemalige Bewohner und Menschenrechtsgruppen zufolge viele Menschen heimlich ausländische Unterhaltung, häufig über Schmuggelware auf USB-Sticks oder SD-Karten. Solche Medieninhalte werden oft durch Nachbarn, Freunde oder das Internet verbreitet, was zu Konflikten mit den Behörden führen kann.
Internationale Reaktionen
Menschenrechtsorganisationen und internationale Beobachter haben die Berichte scharf verurteilt. Sie sehen darin einen weiteren Ausdruck der extrem restriktiven Informationspolitik des nordkoreanischen Regimes und eine gravierende Verletzung grundlegender Menschenrechte, zu denen auch das Recht auf freien Zugang zu Informationen zählt.