„Sondervermögen“ wurde als Unwort des Jahres 2025 ausgewählt. Dies wurde von der Jury der sprachkritischen Aktion in Marburg bekannt gegeben. Der Begriff, ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache stammend, verberge in der öffentlichen Kommunikation die tatsächlich dahinterstehende Bedeutung – nämlich die Aufnahme von Schulden.
Im vergangenen Jahr fand der Begriff vermehrt Eingang in den öffentlich-politischen Diskurs und prägte die politischen Diskussionen über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme. Die Jury stellte fest, dass die Alltagsbedeutung des Begriffs irreführend sei, da im Alltagsgebrauch „Sondervermögen“ oft als spezielle Menge an Eigentum verstanden wird, während es in der Fachdiskussion einen Nebenhaushalt beschreibt, der zur Erfüllung spezifischer Aufgaben eingerichtet wird und in Verbindung mit Schulden oder Krediten steht.
Jury kritisiert euphemistische Sprache
Die Jury befand, dass sich der Ausdruck im öffentlichen Diskurs verselbstständigt hat und viele Bürgerinnen und Bürger mit der speziellen Bedeutung nicht vertraut sind. Stattdessen orientieren sie sich an der allgemeineren Bedeutung. Constanze Spieß, Jury-Sprecherin und Sprachwissenschaftlerin an der Philipps-Universität Marburg, erklärte: „Wir kritisieren den euphemistischen, verschleiernden und irreführenden Sprachgebrauch, weil er demokratische Debatten unterminiert.“
Spieß betonte die Bedeutung von Klarheit, Transparenz, Angemessenheit und Aufrichtigkeit in der politischen Kommunikation, um sicherzustellen, dass alle Bürgerinnen und Bürger an den Debatten teilnehmen können.
Weitere Begriffe in der Auswahl
Der Ausdruck „Zustrombegrenzungsgesetz“ belegte den zweiten Platz. Dieser Begriff verwendet eine „Wassermetapher“, die Zuwanderung als „Herbeiströmen in großen Mengen“ darstellt, wodurch ein negatives Bild von Zuwanderung gezeichnet wird. Der Jury zufolge ist es wichtig, sensibel mit Sprache umzugehen, um Menschen zu respektieren und nicht zu entmenschlichen.
Die Jury der unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus verschiedenen Sprachwissenschaftlern und Journalisten, die jedes Jahr unterschiedliche Begriffe zur Wahl stellen. In diesem Jahr war unter den Vorschlägen auch „Umsiedlung“, das für die Jury in einem bestimmten Kontext problematisch war, da es ein schwerwiegendes Thema verharmlost.
Insgesamt gab es 2631 Einsendungen für das Unwort des Jahres, aus denen 553 verschiedene Begriffe hervorgingen. Die Jury wählte die Ausdrücke aus, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen oder die als diskriminierend gelten könnten.
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