Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran haben nicht nur in der Zivilbevölkerung, sondern auch innerhalb der Streitkräfte für erhebliche Unruhe gesorgt. Immer mehr Soldaten ziehen in Erwägung, den Kriegsdienst zu verweigern, was auf eine tiefgreifende Unzufriedenheit hinweist.
Entscheidung zum Ausstieg nach einem Schock
Taylor Highland, ein Soldat in seinen 30ern, entschied sich im Frühjahr, die Streitkräfte zu verlassen, nachdem die USA und Israel den Krieg gegen Iran begonnen hatten. Der entscheidende Moment war ein verheerender Angriff auf eine Mädchenschule im südiranischen Minab, der am ersten Tag des Konflikts stattfand und mehr als 150 Menschen, darunter viele Kinder, das Leben kostete.
Highland, dessen richtiger Name nicht genannt wird, äußerte sich zu den Auswirkungen dieses Vorfalls:
„Ich wollte herausfinden, ob meine Überzeugungen mit den Gründen übereinstimmen, die üblicherweise zur Kriegsdienstverweigerung führen.“
Gesellschaftliche Verantwortung und persönliche Überzeugungen
In Texas stationiert und als Familienvater hat Highland die Armee als Mittel zur Finanzierung seines Medizinstudiums gewählt. Über ein Jahrzehnt diente er im Militär, geprägt von den Werten seiner Jugend, in der der Militärdienst als Ausdruck des Patriotismus galt.
„Es erschien mir als eine gute Möglichkeit, meinem Land zu dienen,“
so Highland.
Doch die Rolle eines Arztes im Militär begann er zu hinterfragen:
„Ich half den Menschen bei der Genesung, aber es ging immer nur darum, dass sie sich gerade so weit erholten, um wieder von anderen beschossen zu werden oder selbst wieder schießen zu können.“
Verweigerung und die Realität im Militär
Die Möglichkeit, als Kriegsdienstverweigerer aus den US-Streitkräften auszutreten, besteht, jedoch ist der Prozess langwierig und kann Monate in Anspruch nehmen. Während des Vietnamkriegs wählten Hunderttausende diesen Weg, um der Wehrpflicht zu entkommen. Seit der Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 1973 sind es nun aktive Soldaten, die diesen Ausstieg anstreben.
Highland ist nicht allein in seiner Entscheidung. Er kennt etwa zwölf Kameraden, die ebenfalls den Weg der Kriegsdienstverweigerung eingeschlagen haben.
„Die Zahl mag im Vergleich zu den rund 1,3 Millionen aktiven Militärangehörigen gering erscheinen, aber es zeigt, dass es ein wachsendes Unbehagen gibt,“
erklärt er.
Stimmung unter den Soldaten und die Rolle des Pentagons
Bill Galvin, ein Mitarbeiter der GI Rights Hotline, berichtet von einer besorgniserregenden Stimmung innerhalb der US-Truppen. Früher erhielt er nur sporadisch Anfragen von Soldaten, die den Dienst verweigern wollten.
„Jetzt rufen täglich mehrere Soldaten an, um sich zu erkundigen, wie sie den Dienst verweigern können,“
sagt Galvin. Besonders der Angriff auf die Mädchenschule hat viele Soldaten betroffen gemacht.
Im März, dem ersten Monat des Krieges, übernahm Galvins Organisation über 80 neue Fälle von Soldaten, die eine Kriegsdienstverweigerung anstreben – fast doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.
Politische Einflüsse und deren Auswirkungen
Die aktuelle Politik des Pentagons unter Verteidigungsminister Pete Hegseth wird von vielen als schädlich für die Moral der Soldaten angesehen. Hegseth hat sich gegen alles ausgesprochen, was er als „woke“ betrachtet, und damit das Militär in die kulturellen Konflikte der US-Gesellschaft verwickelt.
„Die Politik des Ministers schadet der Moral unter den Soldaten,“
so Galvin.
Kritiker argumentieren, dass die rechtlich fragwürdigen Einsätze unter der Trump-Administration, wie die Stationierung der Nationalgarde in US-Städten und der Angriff auf Iran, den Kampfgeist der Truppe beeinträchtigt haben. Highland berichtet, dass viele seiner Kameraden skeptisch gegenüber dem Konflikt sind:
„Sie sind nicht ganz überzeugt davon, warum das passiert. Das macht es ihnen schwer, all das andere zu rechtfertigen, was mit den Handlungen in einem Konflikt zusammenhängt.“
Persönliche Konsequenzen und Empfehlungen
Obwohl Highland nur noch ein Jahr bei den Streitkräften hätte, wird er aufgrund seiner vorzeitigen Entlassung die Kosten für sein Medizinstudium zurückzahlen müssen. Er sieht dies jedoch als kein Problem an und empfiehlt anderen Soldaten, die an ihrer Arbeit zweifeln, sich beraten zu lassen:
„Schließlich sind sie nicht allein.“
Die Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium, die von Trump vorangetrieben wurde, steht kurz bevor. Der Gesetzesentwurf hat die erste Hürde im Repräsentantenhaus genommen und wartet nun auf die Zustimmung des Senats. Die Namensänderung könnte bald offiziell werden, was die Diskussion über die Rolle des Militärs in der US-Gesellschaft weiter anheizen dürfte.
Quellen: tagesschau
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