„Ich kann nicht arbeiten, weil diese ganzen Artikel rausgekommen sind“, äußerte Jonathan G. am Mittwoch vor dem Landgericht Hamburg. Der schwedisch-israelische Model, der im Block-Prozess als Zeuge auftrat, schilderte seine Erfahrungen und belastete dabei Christina Block.
Erste Einblicke in die Zeugenaussage
Jonathan G. wurde vor einem Jahr erstmals im Zusammenhang mit dem Block-Prozess erwähnt, als er als „blonder Riese“ bezeichnet wurde. Er soll Teil des Entführungskommandos gewesen sein, das in der Silvesternacht 2023/2024 aktiv war. Für seine Aussage wurde sein Haftbefehl vorübergehend ausgesetzt.
Am Mittwochmorgen betrat der 35-Jährige in Jeans und Sakko den Gerichtssaal, begleitet von seinem Anwalt Christian Hermanussen und seinem Vater. In seiner Aussage berichtete er von einem Treffen mit Christina Block, das wenige Tage vor der Entführung stattgefunden haben soll.
Treffen im Grand Elysée
G. erzählte, dass er zehn bis zwölf Tage vor der Entführung über einen Bekannten in Israel an die Gruppe um David Barkay vermittelt wurde. „Ich fühlte mich geehrt, an einer Mossad-Operation teilzunehmen“, sagte er. In Hamburg habe Barkay ihm erklärt, dass es um „die reiche Familie Block“ gehe und dass die Kinder in Dänemark in Gefahr seien. G., der elf Jahre in Hamburg gelebt hatte, wurde als Dolmetscher eingesetzt.
Er berichtete von einem Treffen im Grand Elysée, bei dem Christina Block anwesend gewesen sein soll. „Sie schien sehr traurig und sie hat auch geweint. Es gab keinen Zweifel, dass diese Frau wirklich leidet. Wir im Raum waren wirklich berührt“, so G. Blocks Anwalt Ingo Bott wies die Existenz dieses Treffens zurück und versuchte, Widersprüche in den Aussagen der Zeugen herauszuarbeiten.
Erlebnisse in der Silvesternacht
In Bezug auf die Silvesternacht schilderte G. bizarre Szenen. Er berichtete, dass er von einem Polizeihund verfolgt wurde, den er von den Kindern weglocken wollte. „Der Hund hat aus einer Pfütze getrunken und ich habe auch aus der Pfütze getrunken“, erinnerte er sich. Zur Entführung selbst äußerte er sich vage und betonte, dass alles sehr schnell gegangen sei. Er widersprach dem Mitangeklagten Tal S., der behauptete, G. habe den Kindsvater Stephan Hensel verprügelt.
Folgen der Aussage
Die Vorsitzende Richterin stellte G. Fragen zu seiner Rolle in der Gruppe und hinterfragte, warum er als Fitnesstrainer und Model ausgewählt wurde. G. erklärte, dass er dachte, man habe ihn wegen seiner sozialen Fähigkeiten ausgewählt, da er mit Kindern arbeite. „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass ich dem Mossad Fragen stellen konnte“, fügte er hinzu.
Am Ende seiner Aussage wirkte G. sichtlich angeschlagen. „Ich muss Alkohol missbrauchen. Ich bin paranoid und habe Angst“, gestand er. Nach seiner Aussage verließ er den Gerichtssaal mit Tränen in den Augen, während sein Haftbefehl ab Sonntag wieder aktiv wird.
Ein komplexer Fall
Der Block-Prozess bleibt ein komplexes und emotional aufgeladenes Verfahren, in dem die Aussagen von Zeugen wie Jonathan G. entscheidend sein könnten. Die Verstrickungen und die Schicksale der beteiligten Personen werfen Fragen auf, die über den Gerichtssaal hinausgehen.
Quellen: mopo, t-online, stern