Der ehemalige britische Prinz Andrew wurde an seinem Geburtstag von der Polizei für mehrere Stunden festgenommen. Die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Skandal um Jeffrey Epstein sind gravierend. Wie wird die königliche Familie reagieren?
Festnahme und Freilassung von Andrew
Der Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bringt das britische Königshaus in eine beispiellose Krise. Am Donnerstag wurde der 66-jährige Andrew festgenommen, ihm wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Knapp zwölf Stunden nach seiner Festnahme wurde er am Abend wieder freigelassen, während die Ermittlungen der Polizei weiterhin andauern.
„Wir können zudem bestätigen, dass unsere Durchsuchungen in Norfolk nun abgeschlossen sind“, erklärte die Polizei in einer Mitteilung. Weitere Details zu den Ermittlungen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Vorwürfe und königliche Reaktion
Andrew wird beschuldigt, in seiner früheren Funktion als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 verstorbenen US-Unternehmer weitergegeben zu haben. In den Festnahmeunterlagen werden keine mutmaßlichen Sexualdelikte erwähnt. Die Festnahme fand an Andrews Geburtstag statt. Ex-Prinz Andrew an seinem Geburtstag festgenommen
König Charles III. (77) reagierte mit „größter Besorgnis“ auf die Festnahme seines Bruders. „Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“, betonte der König in einer schriftlichen Erklärung. Die Polizei könne auf seine „uneingeschränkte und vorbehaltlose Unterstützung und Zusammenarbeit“ zählen.
Konsequenzen für Andrew
Andrew, der aufgrund seiner Verbindungen zu Epstein bereits alle Titel und Ehren verloren hat, äußerte sich zunächst nicht zu den Entwicklungen, die in Großbritannien für Aufregung sorgten. Die Thames Valley Police hatte am Vormittag Durchsuchungen an mehreren Adressen in Berkshire und Norfolk durchgeführt.
Das Vergehen des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt kann laut Crown Prosecution Service mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden. Ein ehemaliger hochrangiger Polizeibeamter erklärte, dass die Festnahme den Beamten Zugang zu Computerausrüstung, Dateien, Fotos und anderen Beweismitteln verschaffen würde. Der Druck auf die Ermittler sei in den letzten Tagen stetig gewachsen.
Ermittlungen und Vorwürfe gegen Andrew
König Charles III. kündigte an, dass nun ein „umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren“ folgen werde, in dem die Angelegenheit von den zuständigen Behörden untersucht wird. Während dieses Verfahrens wolle er sich nicht weiter zu den Vorwürfen äußern.
Die Festnahme Andrews erfolgte nach der Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Ermittlungsakten zu Epstein durch das US-Justizministerium. Britische Medien berichteten von E-Mails, die darauf hindeuten, dass Andrew Berichte über offizielle Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an Epstein weitergeleitet hat. Epstein hatte ein Vermögen durch die Verwaltung und Anlage des Geldes anderer Menschen angehäuft.
Reaktionen von Giuffres Familie
Die polizeilichen Ermittlungen gegen Andrew bedeuten nicht automatisch, dass er sich strafbar gemacht hat. Eines der bekanntesten Epstein-Opfer, die mittlerweile verstorbene Virginia Giuffre, hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrfach missbraucht zu haben, auch als sie minderjährig war. Andrew wies diese Vorwürfe stets zurück.
Die Familie von Giuffre reagierte erleichtert auf die Festnahme. „Endlich, heute wurden unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie“, teilten die Geschwister mehreren Medien mit. Andrew sei „nie ein Prinz“ gewesen.
Der Druck auf das Königshaus
Für das Königshaus stellt Andrew seit langem eine Belastung dar. Bereits seine früheren Äußerungen zum Epstein-Fall wurden in der Öffentlichkeit kritisch bewertet. Die königliche Familie hielt sich lange zurück, bis Charles III. im vergangenen Herbst entschied, die Titel und Ehren seines Bruders zu entziehen. Andrew musste auch aus einem Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen und lebt nun als Zivilist.
Charles III. hatte bereits vor der Festnahme angekündigt, die Polizei bei möglichen Ermittlungen gegen Andrew zu unterstützen. Der König hatte seine tiefe Besorgnis über die Vorwürfe hinsichtlich des Verhaltens seines Bruders deutlich gemacht. Ein Sprecher des Palastes betonte, dass die Gedanken und Sympathien des Königspaars stets bei den Opfern jeglichen Missbrauchs seien.
Thronfolger Prinz William (43) soll maßgeblich an der öffentlichen Positionierung beteiligt gewesen sein und hat längst den Kontakt zu seinem Onkel abgebrochen. Berichten zufolge war der Palast nicht über die Planung der Festnahme Andrews informiert.
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Bildquelle: Kelly Sikkema auf Unsplash