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Mission saubere Hauptstadt: Touristen sollen den Müll in Berlin aufsammeln

Berlin startet eine innovative Initiative, um die Stadt von Müll zu befreien: Touristen sollen beim Kajakfahren auf der Spree Abfälle sammeln und dafür Gutscheine erhalten. Dies ist Teil eines umfassenden Plans, der auch höhere Bußgelder für Müllsünder und eine mögliche Verpackungssteuer umfasst.

Mission saubere Hauptstadt: Touristen sollen den Müll in Berlin aufsammeln
Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Berlin – Die Hauptstadt, die oft als Müllhauptstadt bezeichnet wird, sucht nach innovativen Ansätzen, um die zahlreichen unschönen Ecken zu beseitigen. Die neueste Initiative sieht vor, dass Touristen im Sommer Abfälle aus der Spree fischen und dafür mit Gutscheinen belohnt werden. Das Konzept zielt darauf ab, sowohl den Gästen Ersparnisse zu bieten als auch die Stadt sauberer zu gestalten.

Vor Pfingsten soll das Tourismusprojekt „BerlinPay“ vorgestellt werden. „Wir möchten uns an dem sehr sauberen Kopenhagen orientieren“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD). Ähnlich wie beim dänischen „CopenPay“ werden derzeit Partner für umweltfreundliche Aktivitäten an und auf den Berliner Gewässern gesucht. In Dänemark erhalten die engagierten Touristen Anreize wie kostenlosen Eintritt, Führungen oder ein Getränk.

Maßnahmen zur Müllreduzierung

Zusätzlich plant Berlin einen „Einstellungs-Turbo“ für Müllsheriffs. Auch die Einführung einer Verpackungssteuer wird diskutiert, die bereits im benachbarten Potsdam ab Juli für etwa 650 Gastronomiebetriebe in Kraft tritt. Diese Steuer sieht beispielsweise 50 Cent für To-Go-Becher und 20 Cent für Besteck vor.

„Wer seinen Müll einfach auf die Straße wirft, wirft auch ein Stück Respekt vor unserer Stadt weg. Und das geht nicht“, kritisierte die Wirtschaftssenatorin die aktuelle Müllsituation.

Im Jahr 2025 musste die Stadtreinigung BSR allein 13 Millionen Euro für die Entsorgung illegal abgelagerter Abfälle aufbringen.

Erhöhte Bußgelder für Müllsünder

Als erste Maßnahme hat der CDU/SPD-Senat die Bußgelder für Müllsünder seit Ende letzten Jahres deutlich erhöht. So kostet beispielsweise das Wegwerfen eines Einwegbechers nun 250 Euro, zuvor waren es nur 55 Euro. Auch für nicht entsorgten Hundekot müssen Gassigeher ab 80 Euro zahlen.

„Wenn wir es schaffen, dass Berlin wieder sauberer und lebenswerter wird, wird das auch international wahrgenommen und sicherlich mehr Touristen anziehen“, äußerte sich Kai Wegner (53, CDU) zu den Maßnahmen.

Neue Müll-Sheriffs im Einsatz

Der Regierende Bürgermeister besuchte kürzlich eine spezielle Anti-Müll-Truppe in Neukölln. In diesem Bezirk gibt es 13 Hotspots für Müll, darunter Bauabfälle, Matratzen und Elektrogeräte, die täglich von einem zweiköpfigen Team kontrolliert werden.

In der Gradestraße, nur 200 Meter von einem Recyclinghof mit kostenloser Entsorgung entfernt, fanden die Fahnder Überreste einer Kinderzimmer-Renovierung, einschließlich eines Märchenbuchs mit dem Titel „Es war einmal“. Die Ermittler suchen in solchen Fällen nach Hinweisen auf die Verursacher und setzen sogar Nachtsichtgeräte ein, um die Übeltäter zu beobachten.

In den kommenden Wochen werden alle zwölf Bezirke der Hauptstadt insgesamt 68 Müll-Sheriffs einstellen, die kleinere Verstöße wie das Wegwerfen von Zigaretten und Plastiktüten ahnden sollen. Diese Beamten müssen jedoch Geduld mitbringen, da sie erst eingreifen dürfen, wenn sich die Müllsünder entfernt haben, um die Rechtmäßigkeit der Bußgelder zu gewährleisten.

Verpackungssteuer in der Diskussion

Ob Berlin eine Verpackungssteuer einführen wird, wie es bereits in Tübingen, Freiburg und bald auch in Potsdam der Fall ist, bleibt umstritten. In den Wahlprogrammen von Grünen und SPD wird diese Möglichkeit nach der Berlin-Wahl am 20. September diskutiert. Der Rat der Bezirksbürgermeister fordert den Senat auf, diese Steuer zu prüfen, die potenziell 20 bis 30 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen generieren könnte.

„Bereits jetzt fallen im Gastgewerbe pro Woche rund 14 Stunden Bürokratie an, um bis zu 125 Vorgaben zu erfüllen“, warnte Manja Schreiner (47), Geschäftsführerin der IHK Berlin. „Die Wirksamkeit der Verpackungssteuer konnte bislang in Städten mit entsprechender Regelung nicht nachgewiesen werden. Attraktivere Pfand- und Mehrwegsysteme sind vielversprechender als eine neue Steuer.“

Bildquelle: Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

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