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Ein Belugawal im Rhein: Erinnerungen an Moby Dick vor 60 Jahren

Vor 60 Jahren sorgte ein verirrter Belugawal im Rhein für Aufsehen. Wochenlang versuchten Schaulustige und Rettungsteams, dem Tier zu helfen, während es die Menschen entlang des Flusses in seinen Bann zog.

Ein Belugawal im Rhein: Erinnerungen an Moby Dick vor 60 Jahren
Airam Dato-on auf Pexels

Am 1. Juni 1966 schwamm ein Belugawal, bekannt als Moby Dick, im Rhein und sorgte für großes Aufsehen. Wochenlang bangten die Menschen um das Schicksal des verirrten Tieres.

Die Geschichte eines Wals, der sich verirrt hat, ist nicht neu. So wie der Buckelwal, der derzeit vor Poel in der Ostsee für Schlagzeilen sorgt, erregte vor fast 60 Jahren ein Belugawal im Rhein die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Auch damals gab es zahlreiche Rettungsversuche, die jedoch oft deutlich rabiater waren als die heutigen Methoden in der Ostsee.

Der Beginn einer außergewöhnlichen Geschichte

Die Ereignisse nahmen ihren Anfang am 18. Mai 1966, als zwei Rheinschiffer bei Duisburg eine erstaunliche Entdeckung machten. Sie informierten die Wasserschutzpolizei über einen weißen Wal im Rhein. Die Beamten waren zunächst skeptisch und ordneten eine Alkoholkontrolle für die beiden Schiffer an.

Doch die Geschichte war wahr: Ein etwa vier Meter langer Belugawal, der normalerweise in den kalten Gewässern der Arktis lebt, war tatsächlich im Rhein unterwegs. Rund einen Monat lang schwamm er flussaufwärts, vorbei an Städten wie Düsseldorf und Köln, bis er schließlich in Rolandseck, Rheinland-Pfalz, ankam.

Schaulustige und politische Aufregung

Wochenlang versammelten sich Schaulustige am Rheinufer, in der Hoffnung, einen Blick auf das arktische Säugetier zu erhaschen. „Hin und wieder konnte man sehen, wie er eine Wasserfontäne hochblies“, erinnerte sich ein Zeitzeuge.

Als der Wal in Bonn am damaligen Bundestag vorbeischwamm, sorgte er sogar für Aufregung in der Politik: Die Pressetribüne war plötzlich leer, berichteten Korrespondenten. Einmal hätte Moby Dick beinahe ein Schiff zum Kentern gebracht. Als die Passagiere der „Bismarck“ den Wal entdeckten, rannten alle gleichzeitig zur Reling, was dazu führte, dass das Schiff Schlagseite bekam und Porzellan sowie Gläser aus den Schränken fielen, wie der Steuermann berichtete.

Die Suche nach Erklärungen

Die Gründe für das Erscheinen des Wals in dem stark verschmutzten Rhein wurden im Laufe der Jahre von verschiedenen Quellen unterschiedlich interpretiert. Eine Theorie besagt, dass der Wal auf einem Schiff zu einem britischen Zoo transportiert werden sollte, aber während eines Unwetters über Bord fiel.

Die Wissenschaft hat jedoch nie eine klare Erklärung dafür gefunden, warum der Belugawal in den Rhein schwamm. Zwar können Belugas in flachen Gewässern leben, jedoch ist es äußerst ungewöhnlich, dass sie Hunderte von Kilometern einen Fluss hinaufschwimmen.

Misslungene Rettungsversuche

Bereits damals formierten sich verschiedene Initiativen, die dem Wal helfen wollten, den Weg zurück ins Meer zu finden. Er wurde mit Schiffen verfolgt und versucht, mit Netzen und Stangen in die richtige Richtung zu lenken. Zudem gab es Überlegungen, den Wal als neue Attraktion in den Duisburger Zoo zu bringen. Viele der Rettungsversuche waren jedoch umstritten.

Alle Bemühungen blieben letztlich erfolglos. Moby Dick schwamm weiterhin den Fluss auf und ab, ohne den Weg ins offene Meer zu finden. Dabei verlor der Weißwal seine strahlend weiße Farbe und wurde zunehmend grau.

Ein unerwartetes Ende

Nach vier Wochen nahm der Wal schließlich aus eigener Kraft Kurs auf die Rhein-Mündung in den Niederlanden und erreichte am 16. Juni 1966 die Nordsee. Dort verlor sich seine Spur. Ob er den Weg zurück in seine Heimatgewässer in der Arktis fand, bleibt ungewiss.

Bildquelle: Airam Dato-on auf Pexels

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