„Es ist schmerzhaft zu sehen, wie ein Schiff, das einst stolz war, nun dem Abwrackprozess unterzogen wird“, äußert ein Seemann betroffen, während er dem langsamen Ende eines Trawlers auf der Abwrackwerft zusieht.
Ein Blick auf die DDR-Hochseeflotte
Der Dokumentarfilm „Trawler Tales“ beleuchtet die Geschichten von vier Schiffen der DDR-Hochseeflotte und thematisiert die harte Arbeit der Fischer sowie die Bedeutung von Heimat auf See. Regisseur Tom Fröhlich, der in Rostock aufwuchs, beschreibt sein Werk als „Heimatfilm der See“ und begibt sich auf eine Reise von Grönland bis Spanien, um die Schicksale dieser Schiffe zu dokumentieren.
Die Schiffe und ihre Geschichten
„Die Flotte der Hochseefischer war der Stolz der DDR. Sie verloren nie ein Schiff an die See“, erklärt der Schauspieler Charly Hübner, der für seine Rolle als Kommissar im Rostocker „Polizeiruf“ bekannt ist. Diese Aussage steht jedoch im Kontrast zu den nüchternen Erzählungen des Films, die von der harten Realität der Fischer und den Herausforderungen berichten, die ihre Schiffe nach der Wende durchlebten.
Besonders eindrucksvoll ist das Schicksal der „Seefuchs“, die einst als „Heringshai“ bekannt war und als schwimmende Kommune diente. Später wurde sie als Rettungsschiff „LIFE“ im Mittelmeer eingesetzt, um den Ärmsten zu helfen. Heute liegt sie im Hafen von Huelva, nachdem sie in kriminelle Machenschaften verwickelt war. Ob die „Seefuchs“ eine Zukunft hat, bleibt ungewiss.
Thematische Tiefe und visuelle Eindrücke
Der Dokumentarfilm überzeugt durch kraftvolle Bilder und leise Momente, während er große Themen wie Überfischung und Migration anreißt, ohne sie umfassend zu erklären. „Es ist das eigene Leben, das auf See an einem vorbeizieht“, reflektiert einer der Fischer über seine Erfahrungen.
Ein besonders bewegender Moment tritt ein, als ein Kran der Abwrackwerft den Bug des Kutters „Blauwal“ ergreift und ihn zerdrückt. Diese Szene lässt die Zuschauer im Kinosessel zusammenzucken und wirft die Frage auf, warum ein einst stolzes Schiff nicht erhalten bleiben kann. Fröhlichs Film regt zum Nachdenken an: Warum wird das maritime Erbe in Städten wie Rostock, Bremerhaven oder Hamburg nicht mehr gewürdigt?
Ein musikalischer Abschluss
In der letzten Szene des Films erklingt das „Hochseefischerlied“, das einst vom Betriebschor des „VEB Fischfang Rostock“ komponiert wurde, durch eine noch erhaltene Halle des Kombinats. Obwohl nicht jede Note perfekt sitzt, vermittelt der Gesang einen trotzig-optimistischen Geist. Der Film endet mit einem Gefühl der Melancholie und der Erinnerung an den Traum, unsinkbar zu sein.
Fazit
„Trawler Tales“ ist mehr als nur eine Dokumentation über Schiffe; es ist eine Hommage an die Seele der Seefahrt und die Geschichten, die mit ihr verbunden sind. Der Film regt dazu an, über die eigene Identität und die Bedeutung von Heimat nachzudenken, sowohl an Land als auch auf See.
Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert