Ein spektakulärer Massenflug von Maikäfern steht bevor, und Autofahrer sollten sich darauf vorbereiten. Im Hessischen Ried, im Süden von Hessen, wird in diesem Jahr mit einem Ansturm von rund einer halben Milliarde Maikäfern gerechnet, die möglicherweise bereits ab der kommenden Woche vor allem im Landkreis Groß-Gerau und Darmstadt aktiv sein werden. „Ein einzigartiges Naturschauspiel, das nur an wenigen Orten in Deutschland zu beobachten ist”, erklärte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen.
Besondere Umstände für Autofahrer
Besonders Autofahrer, die sich im Bereich des Mönchhof-Dreiecks (A67/A3) aufhalten, sollten in der Dämmerung mit einem massenhaften Tiefflug der Käfer rechnen. Während des letzten Massenflugs im Jahr 2022 war es teilweise nur möglich, mit Schrittgeschwindigkeit voranzukommen. „Die etwa zweieinhalb Zentimeter großen Käfer prallten gegen die Windschutzscheibe. Es war eine apokalyptische Situation”, berichtete Petri.
Regelmäßigkeit des Massenflugs
Der Massenflug der Maikäfer findet in der Regel alle vier Jahre statt, und in der Region Hessisches Ried geschieht dies immer in den Jahren, in denen eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, so der Biologe. Andere Populationen, wie die in Hanau oder nahe Karlsruhe, haben ihre eigenen Zyklen.
Ursachen für das Phänomen
Die Gründe für das massenhafte Auftreten der Maikäfer sind vielschichtig. „Der Maikäfer profitiert im Hessischen Ried von einem menschengemachten ökologischen Desaster”, erklärte Petri. Die jahrhundertelange Entwässerung der ursprünglichen Auenlandschaft hat ideale Bedingungen für die Insekten geschaffen. Diese Art benötigt trockene, warme Böden, in denen die Weibchen ihre Eier ablegen. Bereits im vergangenen Herbst verwandelten sich die Larven in Käfer, und wenn die Witterung stimmt, kommen sie nun alle gleichzeitig aus der Erde.
Folgen für die Wälder
Zusätzlich zur Entwässerung ist der Wald im Hessischen Ried stark durch den Klimawandel beeinträchtigt. Die Trockenheit hat zum Absterben vieler Bäume geführt. Die Maikäfer tragen zur weiteren Schädigung des Waldes bei, indem sie die frischen Blätter von Eichen und Buchen fressen. „Diese Schäden können die Bäume meist durch Neuaustriebe ausgleichen. Problematischer sind jedoch die Engerlinge, die an den Baumwurzeln fressen”, erläuterte Petri.
Umweltbewusstsein und Bekämpfung
Petri betonte die Notwendigkeit eines sorgsamen Umgangs mit Wasser. „Im Hessischen Ried droht eine zunehmende Versteppung der Landschaft, und kostbarer Ackerboden wird durch den Wind davongetragen.” Versuche, die Maikäferpopulation mit chemischen Mitteln oder sanfteren Methoden wie Pilzen oder Fadenwürmern zu bekämpfen, hätten in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Effektiver wäre es, wenn die Region wieder mehr Wasser zur Verfügung hätte.
Erwartungen für die kommenden Tage
Der Experte rechnet in den nächsten Tagen mit zwei bis drei Massenflügen in der Dämmerung. Für viele andere Tiere wird dies eine willkommene Gelegenheit sein, da die Maikäfer eine reichhaltige Nahrungsquelle darstellen. „Füchse, Dachse und viele Vogelarten werden profitieren. Sogar Fledermäuse reisen in Massenjahren von weit her an”, berichtete Petri.
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