„Tesa ist ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens anlässlich des 90-jährigen Jubiläums.
Im Jahr 1936 wurde das berühmte Klebeband Tesa-Klebefilm auf den Markt gebracht. Heute, 90 Jahre später, ist es aus dem deutschen Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob beim Verpacken von Geschenken, beim Basteln oder beim Organisieren von Notizen – Tesa hat sich als der unsichtbare Halt etabliert, der alles zusammenhält.
Die Anfänge von Tesa
Die Geschichte von Tesa beginnt im Jahr 1890, als der jüdische Apotheker Oscar Troplowitz das Labor des Hamburger Apothekers Paul C. Beiersdorf übernimmt. Troplowitz hat das Ziel, ein neuartiges Wundpflaster zu entwickeln. Bei seinen Experimenten entsteht jedoch ein Klebestreifen, der so stark haftet, dass er sich nur schwer wieder entfernen lässt und die Haut reizt. Diese hohe Klebekraft erweist sich jedoch als vorteilhaft für technische Anwendungen.
Bereits 1896 bringt Troplowitz das erste technische Klebeband, das Cito-Sportheftpflaster, auf den Markt, das sich besonders für das Flicken von Fahrradreifen eignet. Unter Troplowitz entwickelt Beiersdorf weitere Produkte, die das Unternehmen groß machen, darunter das medizinische Fixierpflaster Leukoplast und die bekannte Hautcreme Nivea.
Die Entstehung des Markennamens
Der Name Tesa stammt von der Mitarbeiterin Elsa Tesmer, die 1906 bei einem Markennamenwettbewerb die ersten beiden Buchstaben ihres Nachnamens mit den letzten beiden Buchstaben ihres Vornamens kombinierte. Zunächst wird der Markenname für andere Produkte verwendet, darunter eine patentierte Zahncreme und eine künstliche Wurstpelle, die jedoch keinen Erfolg haben.
Der Durchbruch mit dem Tesa-Klebefilm
1935 bringt Beiersdorf den transparenten „Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm“ auf den Markt. Hugo Kirchberg, der 1934 als Industriekaufmann bei Beiersdorf anfängt, entwickelt die Idee, Klebebänder nicht nur auf Bestellung, sondern auch für Endverbraucher und den Einzelhandel zu produzieren. Am 17. Februar 1936 wird der Begriff „Tesa-Klebefilm“ erstmals in den Firmenunterlagen erwähnt.
Der entscheidende Durchbruch gelingt, als Kirchberg einen Abroller entwickelt, der das Abrollen, Abtrennen und Aufbewahren des Klebefilms ermöglicht. Erst mit diesem Zubehör wird der Tesa-Klebefilm zu einem praktischen Gebrauchsgegenstand.
Herausforderungen während der NS-Zeit
Der Aufstieg des Tesa-Films fällt in die Zeit des Nationalsozialismus. Als das Produkt 1936 auf den Markt kommt, hat Deutschland bereits seit drei Jahren eine nationalsozialistische Regierung. Beiersdorf, mit einer jüdischen Unternehmensgeschichte, sieht sich zunehmend unter Druck. Jüdische Mitarbeiter werden aus dem Unternehmen gedrängt, während Beiersdorf versucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten und Märkte zu sichern.
Trotz dieser Herausforderungen wächst das Tesa-Geschäft weiter. Am 24. April 1940 wird der Name Tesa offiziell registriert, und ab 1941 fasst Beiersdorf seine selbstklebenden Produkte unter diesem Namen zusammen. Der „Tesa-Klebefilm“ wird bald als „Tesafilm“ bekannt.
Die Nachkriegszeit und der Weg zum Alltagsprodukt
Nach dem Zweiten Weltkrieg, der für Beiersdorf eine Zäsur darstellt, muss das Unternehmen wiederaufgebaut werden. In den 1950er-Jahren entwickelt Tesa ein selbstklebendes Abdichtungsprofil, das 1955 unter dem Namen Tesamoll auf den Markt kommt. Dieses Produkt hilft, Zugluft zu reduzieren und Wärme zu halten, ohne dass Handwerker oder teure Werkzeuge benötigt werden.
Im Zuge des Wirtschaftswunders wird Tesa zum Alltagsprodukt. Tesafilm findet sich in Schreibtischen und Bastelkisten, während Tesakrepp beim Streichen hilft. Die Nachfrage steigt sowohl im Inland als auch im Export.
Werbung und Markenentwicklung
In den 1970er-Jahren wird Tesa durch eine Reihe von TV-Werbespots bekannt, in denen ein Mädchen namens Kati erklärt, wie die Klebebänder von Tesa das Leben im Haushalt erleichtern. Diese Werbung läuft drei Jahre lang freitags vor den Nachrichten und spiegelt die veränderten Familienbilder und das zunehmende Interesse am Heimwerken wider.
1974 wird Tesa zu einer eigenen Sparte innerhalb der Beiersdorf AG, und 2001 wird sie zur Tesa AG. Seit 2009 firmiert das Unternehmen als Tesa SE und hat seinen Sitz in Norderstedt. Tesa ist heute in über 100 Ländern aktiv und gehört weiterhin vollständig zur Beiersdorf AG.
Aktuelle Entwicklungen und Produkte
Heutzutage erzielt Tesa den größten Teil seines Umsatzes nicht mehr mit Produkten für den Haushalt, sondern mit Klebelösungen für die Industrie. Im Werk Offenburg werden jährlich rund 200 Millionen Quadratmeter Tesafilm produziert, was einer Fläche von etwa 2800 EM-tauglichen Fußballfeldern entspricht. Insgesamt führt Tesa rund 7000 Produkte für Industriekunden und Endverbraucher.
Der Klassiker bleibt jedoch die kleine Rolle im Abroller. Tesafilm ist unauffällig und wird oft erst dann bemerkt, wenn er fehlt. Er ist nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Alltags.
Quellen: mopo
Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash