„Senat und Bezirksamt haben sich klammheimlich von der Projektentwicklung verabschiedet – eine wichtige Möglichkeit der Stadtentwicklung wird fahrlässig verschenkt“, äußerte die CDU-Abgeordnete Birgit Stöver.
Die Hilke-Likörfabrik am Karnapp 15/16 im Harburger Binnenhafen steht seit Jahrzehnten leer und wirft Fragen zur zukünftigen Nutzung auf. Die historische Fabrik, die unter Denkmalschutz steht, wurde ab 1833 für die Produktion von Schnaps genutzt. Trotz ihrer Bedeutung und der Möglichkeit einer neuen Nutzung durch Wohnungsbau auf den umliegenden Flächen, scheinen die Pläne der Stadt Hamburg gescheitert zu sein.
Historische Bedeutung und aktuelle Situation
Das gelb geklinkerte Industriedenkmal wurde 1859 als Wohn- und Geschäftshaus für die Spirituosen- und Likörfabrik Louis Hilke errichtet. Im hinteren Bereich der Anlage wurde später ein Kesselhaus hinzugefügt, und der 1901 errichtete Schornstein ist bis heute ein markantes Wahrzeichen. Laut dem Helms Museum wurden dort Produkte wie „Alter Harburger Doppelkümmel“ und „Hilke’s Pfeffermünz“ hergestellt.
Die Verkaufsräume der Fabrik sollen teilweise noch über alte Stuckdecken verfügen. Der Denkmalverein hebt hervor, dass sich hier ein einzigartiges Ensemble der Industriegeschichte erhalten hat, das als eine der ältesten frühindustriellen Baugruppen in Harburg gilt.
Stadtentwicklung und Abrisspläne
Die Stadt Hamburg hatte ursprünglich Pläne, das Gelände für Wohnungsbau zu entwickeln. Doch wie aus einer Antwort auf eine Senatsanfrage von Birgit Stöver hervorgeht, hat die Stadt diese Pläne stillschweigend aufgegeben. Es wurde geprüft, ob die Hilke-Häuser in eine Gesamtentwicklung einbezogen werden könnten, jedoch führten zahlreiche Gespräche nicht zu einem konkreten Verhandlungsangebot des Eigentümers.
Die Entscheidung, die Entwicklung der Hilke-Häuser nicht weiter zu verfolgen, wurde 2025 getroffen und stellt einen Rückschlag für den aufstrebenden Binnenhafen dar.
Kritik und Zukunftsperspektiven
Die CDU-Abgeordnete Stöver zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung der Stadt und fordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Erhalt des Denkmals. Die Frage bleibt, was der Eigentümer Arne Weber, der die Immobilie seit vielen Jahren besitzt, mit dem Gelände plant. 2019 hatte das Bauunternehmen bereits versucht, eine Genehmigung für den Abriss zu erhalten.
Die Stadt hat jedoch betont, dass der Eigentümer 2022 aufgefordert wurde, die Fabrik statisch zu sichern und vor Feuchtigkeit zu schützen. Dies sei auch geschehen, und der Denkmalschutz habe festgestellt, dass sich der Zustand des Gebäudes nicht verschlechtere.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Produktion in der Hilke-Likörfabrik wurde 1980 eingestellt. Arne Weber hatte bei der Übernahme des Gebäudes angekündigt, eine Sanierung durchführen zu wollen, doch seitdem sind viele Jahre vergangen. Der Abrissantrag von 2019 wurde mit hohen Sanierungskosten von 5,5 Millionen Euro begründet, was der Bezirk jedoch als nicht ausreichend erachtete, da das große Grundstück auch Potenzial für eine rentable Bebauung bietet.
HC Hagemann, das Unternehmen von Weber, hat in der Vergangenheit bereits erfolgreich Bürogebäude im Harburger Hafen errichtet. In einem anderen Fall hatte Weber ein denkmalgeschütztes Gebäude erworben und versucht, es abzureißen. Nachdem dies scheiterte, wurde das Bornemannsche Haus restauriert und zu einer bekannten Galerie umgestaltet. Die Hoffnung bleibt, dass sich eine ähnliche positive Entwicklung auch für die Hilke-Likörfabrik ergeben könnte.
Die Zukunft der Hilke-Likörfabrik bleibt ungewiss, während die Stadt Hamburg und die Anwohner auf eine Lösung hoffen, die sowohl den Erhalt des Denkmals als auch eine sinnvolle Nutzung ermöglicht.
Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert