Die Notwendigkeit von begrünten Dächern in Hamburg wird angesichts der steigenden Temperaturen immer deutlicher. Professor Wolfgang Dickhaut, Leiter des Fachgebiets „Umweltgerechte Stadt- und Infrastrukturplanung“ an der HafenCity Universität, äußert sich besorgt über den aktuellen Stand der Dachbegrünung in der Hansestadt.
Aktuelle Situation der Dachbegrünung
„Bislang sind nur etwa 5,5 Prozent der Dächer in Hamburg begrünt“, erklärt Dickhaut. Dies sei angesichts der zunehmenden Hitzewellen ein alarmierender Zustand. Die Stadt habe zwar eine umfassende Strategie zur Begrünung von Gebäuden entwickelt, die sowohl Fassaden als auch Dächer umfasst. Dazu gehören unter anderem Förderprogramme für private Eigentümer sowie Informationsveranstaltungen. Dennoch bleibt die Umsetzung im Bestand eine große Herausforderung.
Herausforderungen der Umsetzung
„Die größte Hürde liegt im Bestand“, so Dickhaut. „Es gibt bisher keine gesetzliche Regelung, die Eigentümer verpflichtet, ihre Dächer zu begrünen, wenn dies technisch möglich ist.“ Dies könnte sich jedoch ab dem kommenden Jahr ändern, wenn das Klimaanpassungsgesetz in Kraft tritt. Dieses Gesetz wird eine Begrünung sowie die Installation von Solaranlagen ab einer bestimmten Dachgröße zur Pflicht machen.
Technische Machbarkeit
Die technische Umsetzbarkeit von Dachbegrünungen sei in vielen Fällen gegeben. Dickhaut schätzt, dass 80 bis 90 Prozent der Bestandsgebäude mit Flachdächern für eine extensive Begrünung geeignet sind. Bei intensiven Begrünungen, die eine höhere Pflege erfordern, sei die Statik entscheidend.
Kosten und Einsparungen
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Kostenfrage. „Dachbegrünungen sind zunächst teurer als Folienabdeckungen“, so Dickhaut. „Allerdings haben sie eine Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren, was etwa doppelt so lang ist wie die von Folien, die durch UV-Strahlung schneller abgebaut werden.“ Viele Eigentümer würden jedoch vor allem die höheren Investitionskosten im Blick haben, ohne die langfristigen Einsparungen zu berücksichtigen.
Regenwasserbewirtschaftung
Ein weiterer Vorteil der Dachbegrünung ist die Möglichkeit, die Regenwassergebühr zu senken. „Wenn Eigentümer das Regenwasser auf ihrem Grundstück bewirtschaften, können sie diese Gebühr bis auf null reduzieren“, erläutert Dickhaut. Die eingesparten Gelder könnten dann für die Pflege der Begrünung verwendet werden.
Notwendige Veränderungen für mehr Hitzeschutz
Um Hamburg hitzeresilienter zu gestalten, ist laut Dickhaut eine umfassende Umgestaltung der Infrastruktur notwendig. „Eine blau-grüne Infrastruktur, die Grünflächen, Bäume und eine gezielte Regenwasserbewirtschaftung umfasst, ist entscheidend“, betont er. Es gibt bereits einige Pilotprojekte in der Stadt, wie an der Königstraße und der Louise-Schroeder-Straße, jedoch bleibt die systematische Umsetzung im Straßenumbau oft aus.
Regelwerke und deren Bedeutung
Das neue Regelwerk zum Straßenumbau, das nach drei Jahren Bearbeitungszeit eingeführt wurde, soll die Umsetzung der Klimafolgenanpassung stärker fördern. Dickhaut fordert, dass in diesen Regelungen eine wasserwirtschaftliche Kaskade verankert wird, um Regenwasser gezielt zu sammeln und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen weg von der bisherigen Praxis, das Wasser einfach in den Gulli zu leiten“, so Dickhaut. „Das erfordert mehr Platz in den Straßenräumen, was nur durch eine konsequente Verkehrswende erreicht werden kann.“
Die Diskussion um die Begrünung von Dächern und die Schaffung einer hitzeresilienten Stadt wird in Hamburg weiterhin an Bedeutung gewinnen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Stadt die notwendigen Schritte zur Verbesserung der Situation unternimmt.
Quellen: mopo
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