„Es ist beunruhigend, wenn bereits sehr junge Menschen bereit sind, ihre Konflikte mit Waffen auszutragen“, sagte Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.
In Hamburg häufen sich seit Anfang September die Vorfälle von Waffengewalt, die sowohl Erwachsene als auch Jugendliche betreffen. Die Polizeigewerkschaften zeigen sich alarmiert und fordern dringende Maßnahmen.
Schüsse in Ottensen und Neugraben-Fischbek
Am 1. September kam es in der Lagerstraße in der Sternschanze zu einem tödlichen Schusswechsel, bei dem zwei Männer ums Leben kamen. Am Montagabend wurde ein 55-Jähriger in der Nähe der Drogenhilfeeinrichtung „Abrigado“ in Heimfeld ins Bein geschossen.
Besonders besorgniserregend ist der Vorfall in Ottensen, wo ein 14-Jähriger am Sonntagabend von mindestens zwei maskierten Angreifern angeschossen wurde. Die Kugeln trafen ihn in die Beine. In der Nähe fanden die Einsatzkräfte einen 20-Jährigen mit einer Stichwunde am Gesäß. Die Polizei vermutet, dass beide Opfer in einem Kulturverein an der Bergiusstraße waren, wo der Angriff stattfand.
Unklare Hintergründe und mögliche Motive
Die genauen Umstände des Vorfalls sind unklar, da alle Beteiligten schweigen und sich nicht zu den Angreifern äußern. Die Polizei sucht Zeugen, die unter der Telefonnummer 428 65 6789 Hinweise geben können. Es wird vermutet, dass der Angriff im Zusammenhang mit Streitigkeiten im Rauschgiftmilieu steht. Beide Opfer haben bereits kleinere Delikte begangen, gehören jedoch keiner größeren Gruppe an.
Schüsse auf einen Linienbus
Nur zwei Tage vor dem Angriff in Ottensen ereignete sich ein weiterer Vorfall in Neugraben-Fischbek. Dort wurden Schüsse auf einen Linienbus abgefeuert, als ein 17-Jähriger eine Waffe zog und mehrfach auf den Bus schoss, nachdem eine 16-Jährige ihm und seinen Freunden nicht gefolgt war. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, jedoch wurden die Fensterscheiben des Busses beschädigt.
Die Polizei konnte den 17-Jährigen am nächsten Morgen in Neuenfelde festnehmen. Bei einer Durchsuchung fand sie im Keller eine Schusswaffe, die Metallkugeln abfeuerte, jedoch keine echte Feuerwaffe war, sondern eine sogenannte „Soft-Air“-Waffe.
Reaktionen der Polizeigewerkschaften
Die Vorfälle haben die Polizeigewerkschaften alarmiert. Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter bezeichnete die Situation als „beunruhigend“. Er betonte, dass die Hemmschwelle für den Einsatz von Schusswaffen insbesondere bei Tätern im Rauschgiftmilieu sinke. Scharfe Waffen würden nicht nur zur Verteidigung, sondern auch als Statussymbol getragen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert ein neues Präventionsprogramm, um junge Menschen über die Gefahren von Gewaltkriminalität und die Methoden krimineller Anwerbung aufzuklären. GdP-Hamburg-Chef Lars Osburg erklärte, dass es wichtig sei, frühzeitig zu handeln, um zu verhindern, dass aus der Faszination für Waffen und schnelles Geld eine kriminelle Karriere entsteht.
Forderungen nach gezielten Maßnahmen
Die Polizeigewerkschaften plädieren für gezielte Maßnahmen gegen illegalen Waffenbesitz und -handel sowie für einen schnelleren Austausch von Informationen zwischen den Behörden. Es wird betont, dass ein präventives Vorgehen in Schulen, der Jugendhilfe und sozialen Medien notwendig ist, um Jugendliche vor dem Abdriften in die Kriminalität zu bewahren.
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Quellen: mopo, tagesschau, NDR
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