Die Sorgen um ihre Mutter sind groß: Anna Hoffmann (29) und ihr Bruder Artem Jahnke (33) bangen um das Wohlergehen ihrer Mutter Elena Brandt, die im März abgeschoben wurde. Nach 24 Jahren in Hamburg lebt sie nun mehr als 2000 Kilometer entfernt in Krasnodar, Russland, während der Rest der Familie in Deutschland bleibt.
„Sie hat dort niemanden. Sie hat Schmerzen und geht kaum vor die Tür. Es geht ihr nicht gut“, berichtet Anna Hoffmann, während sie ein Bild ihrer Mutter in einem möblierten Zimmer zeigt.
Abschiebung unter dramatischen Umständen
Der Schock über die Abschiebung sitzt bei der Familie tief. Am 19. März bereitete sich Anna darauf vor, ihre Tochter zur Schule zu bringen, als sie einen Anruf von ihrer Mutter erhielt. „Du musst sofort kommen. Sie sind hier. Ich werde abgeschoben“, sagte Elena. Anna kehrte um und fand ihre Mutter in einem Chaos vor: Acht Beamte von der Ausländerbehörde und der Polizei waren vor Ort, während ihr Sohn Konstantin (6) verwirrt zusah.
„Sie hatte nur wenige Minuten Zeit, um ihr Leben in einen kleinen Koffer zu packen“, erinnert sich Anna. „Wie eine Schwerkriminelle“, kritisiert sie die Behandlung ihrer Mutter. Als ihr Bruder Artem ankam, war es bereits zu spät – Elena war bereits in einem Transporter auf dem Weg zur Abschiebung.
Von Deutschland nach Kirgistan
Elena Brandt wurde von Frankfurt nach Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, geflogen. Obwohl in ihrem Pass die kirgisische Nationalität vermerkt ist, hat sie keine Verbindung zu diesem Land. „Sie spricht kein Wort Kirgisisch und hat dort keine Verwandten oder Bekannten“, erklärt Anna.
Elena war 2002 mit ihrem Mann, einem deutschen Spätaussiedler, nach Hamburg gezogen. Nach der Scheidung 2012, die durch jahrelangen Missbrauch geprägt war, kämpfte sie allein für ihre Kinder. Ihre gesundheitlichen Probleme führten dazu, dass sie ihren Job verlor, was schließlich zur Abschiebung führte.
Rechtsstreit und gesundheitliche Probleme
Die Ausländerbehörde schaltete sich ein, als Elena aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme nicht mehr arbeiten konnte. Ein Anwalt, den sie beauftragte, legte zwar Widerspruch ein, jedoch ohne diesen zu begründen. Wertvolle Zeit verstrich, während Elena im Krankenhaus war und sich einer Knieoperation unterziehen musste.
Am 16. März erließ die Innenbehörde einen Durchsuchungsbeschluss, und am 19. März wurde Elena ohne Vorwarnung abgeschoben. „Ich habe die Kinder zu meinem Bruder gebracht und die nächste Maschine nach Bischkek genommen“, berichtet Anna. Dort verbrachte sie einige Tage mit ihrer Mutter in einem Hotel, doch aufgrund der Sprachbarriere konnten sie nichts erreichen.
Zukunft ungewiss in Russland
Die Geschwister entschieden, Elena nach Krasnodar zu bringen, wo sie sich wenigstens verständigen konnte. Doch auch dort hat sie keine Möglichkeit zu arbeiten, da sie als Kirgisin ein Arbeitsvisum benötigt. Zudem hat sie die Geburt ihres dritten Enkelkindes verpasst.
Die Hamburger Innenbehörde äußerte sich nicht zu Einzelfällen, verwies jedoch darauf, dass Betroffene beim Chancenaufenthaltsrecht 18 Monate Zeit hätten, um die Voraussetzungen für einen Daueraufenthalt zu schaffen. Vor einer Abschiebung bestehe die Möglichkeit zur freiwilligen Ausreise, die keine Wiedereinreisesperre nach sich ziehe.
Angst um die Sicherheit der Mutter
Elena Brandt lebt nun in einer Region, die von ukrainischen Drohnenangriffen betroffen ist. „Wir machen uns solche Sorgen um sie“, sagt Anna Hoffmann. Sie hat einen Brief an den Bundespräsidenten geschrieben und die Ausländerbehörde um eine humanitäre Prüfung gebeten.
Die Situation bleibt angespannt, und die Familie hofft auf eine Lösung, die es Elena ermöglicht, nach Deutschland zurückzukehren.
Quellen: mopo, Der Spiegel, WDR
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