„Fischi-Haus bleibt!“ – mit dieser Botschaft setzen sich die Sprayer gegen den drohenden Abriss eines historischen Toilettenhäuschens im Fischers Park in Ottensen zur Wehr. Mirko Reisser, besser bekannt als DAIM, ist ein renommierter Graffiti-Künstler, der die Bedeutung solcher Orte für die Hamburger Street-Art-Szene betont.
Ein Ort der Erinnerung und des Lernens
Das Fischi-Haus hat für DAIM eine besondere Bedeutung, da hier viele talentierte Sprayer ihre Fähigkeiten entwickelt haben. „Nur hier kannst du über das, was andere gemacht haben, rüber sprühen“, erklärt er. Diese Praxis ist in der Graffiti-Kultur von großer Bedeutung, da sie Respekt vor den Arbeiten anderer zeigt.
Der Bauzaun, der den Zugang zu den Wänden des Fischi-Hauses versperrt, symbolisiert den Konflikt zwischen Kunst und Verwaltung. DAIM, der selbst nie an diesem Ort gesprüht hat, setzt sich für den Erhalt des Gebäudes ein, da es für viele Sprayer ein wichtiger Lernort war. „Es gibt nicht viele legale Flächen in der Stadt für Anfänger“, sagt er und erinnert sich an seine eigenen Anfänge, als er als Jugendlicher heimlich über Zäune kletterte, um seine Tags zu setzen.
Die Anfänge eines Künstlers
DAIMs Karriere begann an der sogenannten „Stellingen-Wand“ an der Kieler Straße/Ecke Volksparkstraße. „Das war meine Wand“, beschreibt er nostalgisch diesen Ort, der bis heute als einer der lebhaftesten Graffiti-Hotspots Hamburgs gilt. In den 90er Jahren erlebte er jedoch auch die Schattenseiten des Sprühens: Eine Strafe von 3000 D-Mark und Ärger mit seinen Eltern waren die Konsequenzen seiner Leidenschaft.
Die Vielfalt der Street-Art in Hamburg
Für DAIM ist Graffiti weit mehr als nur das Sprühen von Farben auf Wände. „Wichtig ist es vor allem, genau hinzusehen“, betont der 54-Jährige. In den Stadtteilen Schanze und Karoviertel gibt es zahlreiche versteckte Kunstwerke, die oft übersehen werden. Neben klassischen Graffiti-Tags und Wandbildern finden sich hier auch Sticker, Paste-ups und Schablonenarbeiten, die die Straßen in eine lebendige Galerie verwandeln.
Ein Besuch im Schanzenbunker
Interessierte, die mehr über die Künstler hinter den Werken erfahren möchten, sollten den Schanzenbunker im Florapark besuchen. Dieser Ort ist nicht nur ein zentraler Treffpunkt der Hamburger Graffiti-Szene, sondern auch eine Art Hall of Fame für die Kunstwerke. Hier haben Besucher die Möglichkeit, den Künstlern bei der Arbeit zuzusehen und zu erleben, wie sich der Bunker ständig verändert.
Historische Wurzeln der Street-Art
Ein weiterer wichtiger Ort in Hamburg ist das historische Wandbild am Gruenspan in der Simon-von-Utrecht-Straße. Dieses monumentale Werk, das Ende der 1960er-Jahre von den Künstlern Werner Nöfer und Dieter Glasmacher geschaffen wurde, gilt als eines der frühesten künstlerischen Wandbilder Europas. DAIM sieht in diesem Werk eine Bestätigung seiner Überzeugung: „Kunst gehört nicht nur ins Museum, sondern auch auf die Straße, an Fassaden, mitten in die Stadt.“
Die Diskussion um die Rolle der Street-Art in Hamburg zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen von Kunst im öffentlichen Raum sind. Während einige sie als Schmiererei abtun, erkennen andere den Wert und die Kreativität, die in diesen Arbeiten steckt. DAIM ist sich sicher, dass die Street-Art-Szene in Hamburg weiterhin wachsen und sich entwickeln wird, solange es Orte gibt, an denen Künstler ihre Stimme erheben können.
Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert