„Wir sind überzeugt: Frieden beginnt mit Herzensbildung. Und nur der Weg des Friedens kann der Weg zu ‚Ewigem Glück‘ sein“, erklärte Michael Tsifidaris, Sprecher der Zeugen Jehovas Norddeutschland.
Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas veranstaltet an diesem Wochenende einen bedeutenden Kongress im Hamburger Volksparkstadion, zu dem sie mit einer Teilnehmerzahl von insgesamt 75.000 rechnet. Unter den Besuchern werden etwa 5.000 Delegierte aus 25 verschiedenen Ländern erwartet. Bereits am Dienstag haben freiwillige Mitglieder der Glaubensgemeinschaft mit der Reinigung des Stadions begonnen.
Erinnerung an die Vergangenheit
Mit dem internationalen Kongress wird an eine Versammlung auf der Hamburger Moorweide vor 80 Jahren erinnert. Im Jahr 1946 kamen in der kriegszerstörten Stadt rund 4.000 Gläubige aus ganz Norddeutschland zusammen. Diese Versammlung war ein starkes Zeichen für Frieden und Einheit nach den Verfolgungen während des NS-Regimes, so Tsifidaris.
Motto des Kongresses: „Ewiges Glück“
Das Motto des Kongresses lautet „Ewiges Glück“. Die Zeugen Jehovas möchten mit dieser Veranstaltung nicht nur ihre Glaubensüberzeugungen teilen, sondern auch auf die Bedeutung von Frieden und Herzensbildung hinweisen.
Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Ein wichtiger Bestandteil des Kongresses wird der Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sein. Tausende Teilnehmer planen, sich mit der Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas auseinanderzusetzen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Teilrekonstruktion eines Stalls, in dem inhaftierte Mitglieder der Glaubensgemeinschaft Angorakaninchen zur Wollproduktion züchten mussten. Diese Menschen haben unter Lebensgefahr anderen Häftlingen geholfen und heimliche Bibelkurse abgehalten.
Die Zeugen Jehovas werden eigene Guides für Führungen durch die Gedenkstätte bereitstellen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten wird zudem eine Online-Führung angeboten.
Verfolgung während der NS-Zeit
Während der Zeit des Nationalsozialismus, als die Zeugen Jehovas noch als Bibelforscher bekannt waren, weigerten sich viele, den Hitlergruß zu zeigen oder ihre Kinder in die Hitlerjugend zu schicken. Viele Mitglieder verweigerten den Wehrdienst, was zu einer systematischen Verfolgung führte. Ab 1933 wurden Tausende von Zeugen Jehovas verschleppt, inhaftiert und gefoltert. Mindestens 1.700 von ihnen verloren ihr Leben. Am 24. Juni wurde in Berlin ein Mahnmal eingeweiht, das an die Verfolgung und den Widerstand der Zeugen Jehovas erinnert.
Traumatische Ereignisse der letzten Jahre
Ein Amoklauf im Jahr 2023 hatte die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas in Hamburg stark erschüttert. Am 9. März drang ein ehemaliges Mitglied der Glaubensgemeinschaft in ein Gemeindezentrum im Stadtteil Alsterdorf ein und tötete sieben Menschen, darunter ein ungeborenes Kind, bevor er sich selbst das Leben nahm. Elf weitere Personen wurden verletzt. Dieses tragische Ereignis sorgte sowohl in Deutschland als auch international für große Betroffenheit. Seit Anfang Mai finden in dem renovierten Gebäude wieder Gottesdienste statt.
Quellen: mopo, t-online, Süddeutsche Zeitung
Bildquelle: ML
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